Die dokumentarische Methode und MaxQDA: Zwei ungleiche Freunde?

Dieser Artikel ist wohl eher etwas für Spezialisten. Es geht dabei um die konkrete Durchführung Interpretation von Interviews im Rahmen der dokumentarischen Methode mit Hilfe passender Software. Oder  anders gefragt: Wie kann das ganz praktisch funktionieren? Da ich mich schon seit einiger Zeit mit dieser Frage herumschlage und weder im Internet noch in einschlägigen Fachpublikationen entsprechende Hinweise finden konte, möchte ich meine Ideen nun hier näher vorstellen. Ich hoffe, dass ich mit diesen Überlegungen einigen Menschen bei ihrer täglichen Arbeit helfen kann. Worum geht es also im Folgenden?

Das Problem

Im Rahmen meines Promotionsprojekts möchte ich Interviews mit Hilfe der dokumentarischen Methode auswerten. Auf die methodischen und methodologischen Überlegungen diesbezüglich möchte ich an dieser Stelle nicht näher eingehen. Erste Informationen sind oben verlinkt. Bei Interesse gibt es hierzu eventuell irgendwann einmal einen eigenen Beitrag. Vielmehr stellte sich mir (und auch anderen Menschen, die mit der Methode arbeiten) die Frage, wie diese möglichst effizient am Computer umsetzbar ist.

Die meisten Anwender der dokumentarischen Methode arbeiten dabei, so wie ich es mitbekomme, hauptsächlich mit Word, Kugelschreiber, Bleistift und Ausdrucken. Diese Arbeitsweise hat sicherlich gravierende Vorteile („herumkritzeln“ direkt im Transkript, Ausschneiden, Markieren, Durchstreichen, …). Allerdings passt diese nicht zu meiner persönlichen Arbeitsweise. Ich lese Fachbücher und Artikel inzwischen hauptsächlich am Monitor, sortiere meine Literatur mit Citavi, sammle Notizen nicht in einem Notizbuch sondern mit Evernote und bin ein exzessiver Nutzer von Dropbox (natürlich verschlüsselt). Kurzum: Mein Workflow verläuft eher digital. Und gerade die unglaublichen Datenmengen, die bei der dokumentarischen Interpretation entstehen sind analog bei meiner Neigung zum Chaos nur schwer zu handhaben: Schließlich entstehen selbst bei der Interpretation kurzer Interviews schon vergleichsweise große Textmengen (achtseitige Interviews führen bei mir bereits zu ca. 50-100 Seiten Interpretation. Dabei ist es zweckmäßig, die sogenannte formulierende und die reflektierende Interpretation auch auf Dateiebene strikt zu trennen. Zudem verfasse ich zu jedem Fall am Ende eine Fallbeschreibung, die wieder in einer Datei landet. Sprich: Zu jedem Probanden gibt es am Ende mindestens vier verschiedene Dateien). Kurzum: Eine digitale Alternative musste her, die wenn möglich mehr kann als Word & Co. dies mitbringen.

Anforderungen an ein Software-System zur dokumentarischen Interpretation

Was also soll so eine digitale Alternative leisten, damit sich mir ein echter Mehrwert gegenüber vielen, vielen sortierten Word-Dateien ergibt? In meinen Augen sind dies vor allem die folgenden Punkte:

  1. Eine Volltextsuche, die mir das Durchsuchen sowohl von Interviews als auch der Interpretationen und Fallbeschreibungen erlaubt. So werden inter-Fallvergleiche (die für die dokumentarische Methode ja konstitutiv sind) einfacher möglich, indem ich nach bestimmten Stichworten direkt im Interview oder ein meinen Interpretationen suche.
  2. Vermeidung von Datei-Chaos, indem die Daten in möglichst wenigen Dateien übersichtlich gespeichert werden.

Eine fertige Software gibt es dazu meines Wissens nicht, selbst eine zu entwickeln ist zwar nicht unmöglich, aber doch eher unverhältnismäßig zeitaufwändig. Und übersteigt im Zweifel dann doch meine bescheidenen Fähigkeiten als Programmierer.

MaxQDA – auch für die sequentielle Auswertung?

MaxQDA drängt sich als Software für die qualitative Auswertung auf und ist in der wissenschaftlichen Community durchaus etabliert. Jedoch ist die Software vor allem auf die kategoriale Auswertung von Daten zugeschnitten (d.h. einzelne Textsegmente des Textes werden mit Codes versehen, die Entstehungsgeschichte und Reihenfolge der Segmente spielt für die Auswertung nur eine untergeordnete Rolle). Die dokumentarische Methode arbeitet dem gegenüber aber streng sequentiell, d.h. strukturiert und interpretiert den Text streng chronologisch und versucht, die der Sequenz zu Grunde liegende Regelhaftigkeit herauszuarbeiten. Eigentlich also zwei Arbeitsweisen, die sich gegenseitig beinahe ausschließen. Jedoch lässt  sich MaxQDA in meinen Augen auch sinnvoll für die dokumentarische Methode nutzen. Wie ich dies in meinem Projekt gelöst habe (bzw. noch mitten dabei bin, es zu lösen), möchte ich nun ausführlich darstellen.

Einfügen der Daten in MaxQDA & Struktur der Daten

Die Interviews transkribiere ich mit der tollen Software F4. Mit Word lassen sich in die entstandenen Dateien leicht Zeilennummerierungen einfügen und das ganze als PDF exportieren. Das sollte natürlich auch mit OpenOffice usw. kein grundsätzliches Problem darstellen. Der Export als PDF hat den Vorteile, dass jede Zeile später eine eindeutige Nummer zugeordnet bekommt – ganz unabhängig von Schriftgröße usw. So kann man sich später bei der Interpretation leicht und eindeutig auf bestimmte Textpassagen beziehen. Die so entstandenen PDF-Dateien importiere ich dann als neue Dokumente in MaxQDA, habe also pro Fall letztlich ein Dokument.

Die weiteren für die dokumentarische Interpretation notwendigen Daten werden nun einerseits in Form von Codes und – häufiger und wichtiger – in Form von Memos direkt im Dokument gespeichert. Somit sind alle Informationen zu einem Fall direkt in einem Dokument gespeichert. Das ist schonmal ein riesiger Fortschritt und entspricht voll und ganz meinem oben gemachten zweiten Punkt. Eine Volltextsuche lässt sich in MaxQDA recht bequem realisieren: Über „Analyse -> lexikalische Suche“ ist schnell und einfach eine Volltextsuche sowohl in den Dokumenten als auch in den Memos möglich. Das entspricht meinem ersten Punkt. Auf dieser oberflächlichen Ebene erfüllt MaxQDA also alle meine oben gemachten Anforderungen an ein Software-System für die dokumentarische Auswertung von Interviews. Das konkrete Vorgehen sieht dabei so aus:

  1. Die Textsortentrennung, die vor allem im Hinblick auf die reflektierende Interpretation interessant ist, erledige ich mit Hilfe eines kurzen Code-Systems. In den PDF-Dateien lassen sich so beispielsweise Erzählungen mit Hilfe der Maus markieren und der Code „Erzählung“ lässt sich per Drag-and-Drop entsprechend zuordnen. Dies führt zu einer guten Übersicht der einzelnen Textsorten direkt im Dokument – und es lässt sich über „Visual  Tools -> Dokumentenportrait“ eine ganz hübsche Grafik ausgeben, die das Vorkommen der einzelnen Textsorten im gesamten Dokument wiedergibt. Eher eine Spielerei, aber ganz hübsch. Die folgenden Bilder (klick zum Vergrößern!) zeigen, wie die beschriebenen Dinge dann in MaxQDA aussehen.
  2. Die formulierende Interpretation erledige ich mit Hilfe von Memos. Hierzu wird einfach der entsprechende Textbereich, auf den sich die formulierende Interpretation bezieht, mit der Maus markiert. Mit der rechten Maustaste lässt sich dann ganz leicht ein Memo einfügen. Hier schreibe ich dann zu dem gewählten Abschnitt die formulierende Interpretation, also das „was“ gesagt wird. Wichtig bei der Umsetzung ist: Nutzt einen bestimmten Memo-Typ für die formulierende Interpretation. Ich habe zu diesem Zweck die Memos mit der roten Ecke gewählt. Außerdem ist der Titel jedes roten Memos systematisch aufgebaut – er beginnt mit den Zeilennummern, gefolgt von der Überschrift („Oberthema“), das ich jedem Abschnitt zugeteilt habe. Ein entsprechendes Memo könnte also so aussehen:

    Struktur eines Memos zur formulierenden Interpretation.
    Struktur eines Memos zur formulierenden Interpretation.
  3. Die reflektierende Interpretation erfolgt eigentlich völlig analog. Jedoch bekommen Memos zur reflektierenden Interpretation einen anderen Memo-Typ zugeordnet: Ich habe mich für diejenigen mit der grünen Ecke entschieden. Als Titel für solche Memos wähle ich wie oben die entsprechenden Zeilennummern, gefolgt von einer genaueren Beschreibung der Textsortenstruktur des entsprechenden Abschnitts. Diese Titelstruktur hilft mir dabei, mir die Struktur des Abschnitts selbst noch einmal zu vergegenwärtigen. Wie das ganze dann im MaxQDA-Dokument aussieht, ist oben erkennbar (dort für ein „rotes Memo“ der formulierenden Interpretation). Besonders praktisch ist in dieser Phase der Arbeit ein zweiter Monitor: Auf dem einen läuft das Hauptfenster von MaxQDA mit dem entsprechenden Transkript und einer Übersicht aller Dokumente (=Fälle), auf dem anderen Monitor wird dann jeweils ein Memo erstellt. So lassen sich, ganz im Sinne des permanenten Fallvergleichs, im Hauptfenster bei offenem Memo auch Passagen anderer Fälle anzeigen (oder Suchergebnisse). So ist es leicht möglich, zwei Fälle hinsichtlich der Bearbeitung des gleichen Themas zu vergleichen – die Herausarbeitung von Orientierungsrahmen wird so erst möglich (und deutlich erleichtert im Vergleich zur Papiervariante!).
  4. Die Fallbeschreibungen erstelle ich als Dokumentmemo. Hierzu wird das entsprechende Dokument markiert und ein Memo mit der entsprechenden Fallbeschreibung erstellt. Zweckmäßig ist es, hier erneut einen anderen Memotyp zu wählen.

Das war es eigentlich schon, die Interpretationen sind in MaxQDA alle in einer durchsuchbaren Datenbank abgelegt, den jeweiligen Textstellen zugeordnet und durchsuchbar. Wie aber kann man mit den Daten weiterarbeiten?

Weiterverarbeitung der Daten

Die Antwort ist  der Memo-Manager von MaxQDA. Dieser ist über das Menü „Memos“ erreichbar. Besonders zweckmäßig finde ich die Funktion „Memos des aktuellen Dokuments ausgeben“ – dessen Funktion selbsterklärend ist: Man erhält eine sortierte Liste aller Memos des aktuellen Falles, also letztlich die gesamte Interpretation. Diese lässt sich nun durch Klick auf die Überschriften der  Tabelle verschieden sortieren. Besonders bewährt hat sich dabei bei mir die Sortierung nach Memotyp. So ist die gesamte formulierende bzw. reflektierende Interpretation chronologisch hintereinander aufgelistet. Formulierende und reflektierende Interpretation lassen sich durch Sortierung nach dem Memotitel direkt vergleichen (Erinnerung: Wir haben die Namen ja mit den jeweiligen Zeilennummern begonnen…).

Export der Memos in eine Word-Datei
Export der Memos in eine Word-Datei

Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die Export-Funktion von MaxQDA: Durch einen Klick auf Exportieren können alle angezeigten Memos in ein Word-Dokument exportiert werden. Bei dieser Art des Exports bleiben alle Formatierungen des Memos (Fett- oder Kursivschreibung beispielsweise) vollständig erhalten. Ich nutze die exportierten Dateien, um mir kurz einen Gesamteindruck eines Falles zu verschaffen und daraufhin die Fallbeschreibung zu formulieren. Danach kann die exportierte Datei natürlich wieder gelöscht werden. Die Daten sind ja in MaxQDA gespeichert… Die weiteren Exportmöglichkeiten kann ich für die dokumentarische Methode nicht direkt empfehlen, da alle Formatierungen verloren gehen. Die Interpretationen werden dadurch dann deutlich unübersichtlicher.

Ich hoffe, mit diesem kleinen Einblick in meinen Workflow, Interessierten eine kurze Anregung gegeben zu haben, wie die dokumentarische Methode mit Hilfe der Software MaxQDA umsetzbar ist. Über Kommentare und Erfahrungen freue ich mich, das Kommentarfeld steht offen. Vielleicht ist dieses Vorgehen ja auch mit anderen QDA-Softwarepaketen möglich…?

MaxQDA ist eine eingetragene Marke der Verbi GmbH und steht in keinem Zusammenhang mit hsander.net.

Neues Design, neue Inhalte

Wie der regelmäßige Besucher, falls es so etwas auf meiner Webseite geben sollte, sicherlich bemerkt hat: hsander.net erstrahlt in neuem Design. Und nicht nur das: Neben dem neuen Design sind auch einige Inhalte aktualisiert worden und der Blog wird somit immer mehr zu meiner Online-Visitenkarte. Umschauen ist natürlich erlaubt und erwünscht.
Besonders die „Webdesign“-Kategorie wird nach und nach erweitert und ergänzt. Ich muss mich nur auf die Suche nach längst verschütteten Designs & alten Webseiten machen und sie nach und nach einpflegen.

Globale Hotkeys beim VLC nutzen

Gerade hatte ich ein kleines Brett vorm Kopf. Gemeinsame Arbeitssitzungen als Audio mitzuschneiden, ist dank z.B. der schönen App Recordium auf dem iPad kein Problem. Das Versenden selbst längerer Aufnahmen per Mail / Dropbox natürlich auch nicht. Nun möchte ich mir, während ich in einem Textdokument arbeite, gern Schritt für Schritt die Aufnahme wieder anhören. Am liebsten natürlich ohne ständig zwischen verschiedenen Fenstern wechseln zu müssen. Das klappt mit dem bekannten VLC Mediaplayer sehr gut. Eine detailierte Anleitung gibt es bei Chip.

Wichtig: Der VLC kennt sowohl lokale als auch globale Hotkeys. Wählt also die richtige Spalte unter „Extras -> Einstellungen -> Hotkeys“. Ich habe zum Abspielen / Stoppen die Taste F4 gewählt und wurde dabei durch die schöne Transkriptionssoftware F4 beeinflusst.

Alles sehr schön – funktionierte nur leider nicht. Bis ich auf einen erhellenden Blogbeitrag gestoßen bin und mir kurz an den Kopf fasste: Den VLC kurz neu starten, dann klappt’s auch mit dem globalen Hotkey.

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Mein Promotionsprojekt: Emotion und Intuition beim Urteilen und Entscheiden

Und wieder habe ich viel zu lange versäumt, mich intensiv um meinen Blog zu kümmern. Dabei ist in letzter Zeit doch einiges passiert, unter anderem habe ich mit der Arbeit an meiner Promotion im Arbeitsbereich Physikdidaktik begonnen. Näheres zu unserer Arbeitsgruppe findet sich auf unserer Webseite. Da ich ab und an etwas über mein Promotionsprojekt auch hier im Blog schreiben möchte, will ich – endlich – mal die Gelegenheit nutzen und es hier ein wenig näher vorstellen. Mein Projekt wird dabei durch ein Promotionsstipendium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ermöglicht, dieser Artikel stellt im Wesentlichen eine (kommentierte) Zusammenschau der auf meiner Webseite bei der AG Physikdidaktik bzw. auf meiner Projektdarstellung in der Datenbank der DBU verfügbaren Informationen dar. Über Nachfragen / Hinweise / Kommentare /… im Kommentarfeld oder per Mail freue ich mich! Die folgenden Zitate stammen aus meiner Projektbeschreibung bei der DBU.

Die Problemlage

Junge Menschen sollen heute und in Zukunft schwerwiegende Gestaltungsprobleme lösen können: Klimawandel, Entscheidungen über die Risiken von Alltagstechnologien oder Begrenztheit natürlicher Ressourcen machen es erforderlich, über Gestaltungskompetenzen im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BnE) zu verfügen. BnE ist aber kein Unterrichtsfach, sondern soll sowohl in formellen als auch in informellen Bildungssektoren relevant sein. Die Förderung sogenannter Bewertungskompetenz als Teil einer umfassenden Gestaltungskompetenz (de Haan, 2004) wird zum expliziten Ziel der naturwissenschaftlichen Fachdidaktiken. Die Binnenstruktur von Bewertungs- oder auch Urteilskompetenz ist aber noch nicht ausreichend durch empirische Forschung verstanden worden. Dies wäre aber eine Voraussetzung, um wirksame und forschungsbasierte Bildungsangebote machen zu können. Das Forschungsprojekt will einen namhaften Beitrag dazu leisten.

Mein Forschungsprojekt verortet sich also im Bereich der Physikdidaktik und rekurriert auf den Diskurs um Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Meiner Einschätzung nach kann der naturwissenschaftliche Unterricht eben mehr als z.B. das Ohm’sche Gesetz und seine (häufig künstlich anmutende) Verwendung zu vermitteln. Er kann vielmehr einen sinnvollen Beitrag zur einer BnE leisten und in diesem Kontext Schüler (zumindest in Teilen) dazu befähigen, kompetent am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, d.h. sich in Debatten und Alltagssituationen, in denen naturwissenschaftliches Wissen eine Rolle spielt, sinnvoll zu positionieren. Und hier kommt auch das Thema Bewertungskompetenz ins Spiel. Neben vielfältigen Vorschlägen zur Förderung von Bewertungskompetenz und verschiedenen (meist mehr oder weniger normativen) Modellen dessen, was Bewertungskompetenz genau ist, gibt es nur wenige Untersuchungen, die zunächst – ohne starke Vorannahmen – Entscheidungsprozesse von Schülern im Kontext der nachhaltigen Entwicklung untersuchen:

Bereits entwickelte Kompetenzmodelle, die das Konstrukt Bewertungskompetenz modellieren, gehen davon aus, dass Menschen selbst in Alltagssituationen vorrangig rational entscheiden. Dem entgegen stehen Erkenntnisse der Umwelt- und Entscheidungspsychologie, die von Zwei-Prozess-Modellen ausgehen: Menschen entscheiden nur in bestimmte Kontexten durch rationales Abwägen von Argumenten. Stattdessen fällen sie ihre Urteile häufig auf holistisch-intuitive Weise. Sie sind dabei von Emotionen geleitet und rechtfertigen die so gefällten Urteile bestenfalls post-hoc auf rationale Weise. Pädagogisch-didaktische Versuche der Förderung von Bewertungskompetenz müssten diesen Umstand konsequent berücksichtigen, um ihre Erfolgsaussichten zu maximieren. Es bedarf der forschungsbasierten Weiterentwicklung von Modellen der Bewertungskompetenz. Genau dies ist das Ziel des Projekts.

Ich möchte also letztlich durch ein qualitatives Vorgehen das tatsächliche Entscheidungsverhalten untersuchen und so Impulse sowohl zur Weiterentwicklung vorhandener Kompetenzmodelle als auch zur Rolle des Physikunterrichts für eine BnE liefern.

Im Promotionsprojekt soll ein heterogenes Sample von Schülerinnen und Schülern mit Dilemmata, die eine Entscheidung erforderlich machen, konfrontiert werden. Die Dilemmata werden in Form kurzer Videovignetten präsentiert und sollen einen Nachhaltigkeitsbezug aufweisen. Die Kontexte der Dilemmata werden systematisch variiert, um entweder eher rationales oder eher intuitives Urteilen zu evozieren. Die Probandinnen und Probanden werden dabei ähnlich wie in klinischen Interviews dazu aufgefordert, ihre Gedanken und Gefühle fortwährend zu verbalisieren (lautes Denken). Das Datenmaterial wird kategorien-basiert ausgewertet und mit Hilfe der Dokumentarischen Methode im Hinblick auf die Orientierungsrahmen der Probandinnen und Probanden analysiert, um die Binnenstruktur realer Urteilsprozesse zu rekonstruieren. Auf der Basis dieser Analysen werden etablierte Kompetenzmodelle um Dimensionen und Ausprägungen ergänzt, die die Möglichkeit unterschiedlicher Typen des Urteilens und Entscheidens systematisch abbilden. Dieses neu entwickelte Modell soll sowohl Impulse zur weiteren Forschung im Bereich der naturwissenschaftlichen Bewertungskompetenz als auch zur weiteren Evidenz-basierten Unterrichtsentwicklung im Sinne einer BnE liefern.

Der aufmerksame Leser meines Blogs wird bemerkt haben, dass ich an etwas Ähnlichem bereits in meiner Masterarbeit gearbeitet habe. Einige der dort entwickelten Aufgaben haben nun in einer ersten Pilotstudie bereits neue Verwendung gefunden.

Dropbox mit Boxcryptor verschlüsseln

Es ist sicherlich nicht neu: Cloud-Dienste wie zum Beispiel Dropbox haben ihre Server nicht in Deutschland (bzw. in einem anderen EU-Land) stehen und unterliegen deshalb nicht dem deutschen Datenschutzrecht. Darüber hinaus liegen die Daten oftmals unverschlüsselt auf den Servern. Dem einen oder anderen wird hier bei vertraulichen Dingen doch eher mulmig – gerade im Hinblick auf datenschutzrechtlich brisantere Daten. Um trotzdem nicht auf den Komfort der Cloud zu verzichten, bietet sich entsprechende Verschlüsselungssoftware an. Ich selbst habe ein wenig mit der Software Boxcryptor experimentiert und bin sehr zufrieden. Wie also verschlüsselt ihr (Teile eurer) Dropbox?

  1. Ihr benötigt – falls nicht vorhanden – einen Dropboxaccount und müsst die entsprechende Software installieren.
  2. Installiert Boxcryptor. Die Software erstellt automatisch innerhalb eurer Dropbox eine verschlüsselte Containerdatei und legt einen neuen Laufwerksbuchstaben an (z.B. Z:). Dieser führt euch direkt in das verschlüsselte Verzeichnis.
  3. Alle Dateien, die ihr über das neue Laufwerk (Wichtig: NICHT direkt über eure Dropbox!) in den verschlüsselten Ordner kopiert, sind entsprechend geschützt.

Soweit, so einfach. Das schöne an Boxcryptor ist: Es wird nicht bei jeder Änderung der komplette Container hochgeladen, sondern nur der geänderte Teil. Das spart natürlich Zeit und Nerven. Außerdem gibt es eine entsprechende iPad/iPhone und Android-App, die beide das wenige Geld durchaus wert sind.

Als kleinen Nachteil habe ich jedoch festgestellt, dass die Dateinamen im Klartext sichtbar sind. Erst beim Versuch, eine Datei zu öffnen, macht sich die Verschlüsselung bemerkbar. Vielleicht sollte man doch nicht zu stark „sprechende“ Dateinamen verwenden! Die Verschlüsselung von Dateinamen ist in der kostenpflichtigen Version jedoch möglich.

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Citavi – oder wie organisiere ich Wissen und schreibe eine Arbeit ohne Plagiatsvorwurf?

Nach meinem Studium habe ich mich dazu entschlossen, meinen Uni-Aufenthalt zu verlängern und in der Physikdidaktik zu promovieren. Zwar bin ich zur Zeit noch auf der Suche nach einem Stipendium, die Arbeit hat trotz allem bereits begonnen. Einen kleinen Einblick in meine Arbeitsweise möchte ich an dieser Stelle geben – in der Hoffnung, dass sie dem Einen oder der Anderen bei der Verfassung einer eigenen Arbeit hilft. Und nein, das muss nicht unbedingt eine Dissertation sein!

Beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit – und vor allem bei der Recherche! – kommen ganz schnell ganz viele Informationen zusammen. Diese wollen organisiert, gespeichert und irgendwann in das fertige Produkt- die eigentliche Arbeit – in einer meist vorgegebenen Art und Weise eingebunden werden. In früheren Zeiten war dies eine sehr mühselige Angelegenheit: Karteikarten wurden in Kästen sortiert, Zettel mit der Schreibmaschine beschrieben, durchgestrichen und neu geschrieben. Ich persönlich bin wirklich froh, dass diese Zeiten vorbei sind, denn heute ist da vieles leichter. Genau wie Jakob mit seinen Schüler habe ich im Rahmen meiner Masterarbeit bereits einige – äußerst positive – Erfahrungen mit einem Programm namens Citavi gemacht.

Was ist Citavi?

Citavi ist ein Programm zur Verwaltung von Literatur. Man kann mit seiner Hilfe nicht nur Literaturverweise speichern, sondern direkt  in verschiedenen Bibliothekskatalogen recherchieren und für das eigene Projekt übernehmen. Darüber hinaus lassen sich z.B. Zeitschriftartikel über die DOI importieren, Bücher über ihre ISBN und vieles, vieles mehr. Allein diese Funktionen erleichtern einem, den Überblick zu behalten. Citavi sorgt am Ende dafür, dass das Literaturverzeichnis der Arbeit richtig formatiert wird.

Prinzipiell fügt man hierzu in sein eigentliches Dokument (Word oder auch LaTeX) einen kleinen Platzhalter an der Stelle ein, an der später der Literaturverweis stehen soll. Auch Zitate, die vorher in Citavi eingepflegt wurden, lassen sich schnell in das Dokument exportieren. Ganz zum Schluss wird die Word-Datei (das LaTeX-Dokument) in Citavi eingelesen und Citavi ersetzt alle Verweise durch entsprechend formatierte Verweise und erstellt automatisch ein nach den Vorgaben formatiertes Literaturverzeichnis.

Für Projekte mit bis zu 100 Einträgen in der Bibliographie ist Citavi kostenfrei nutzbar. Viele Universitäten bieten jedoch eine Lizenz auch für die „große“ Version. Für meine Zwecke hat aber die freie Version meist ausgereicht.

Was kann Citavi darüber hinaus?

Ich möchte nun etwas mehr ins Detail gehen und die von mir häufig verwendeten Funktionen näher vorstellen. Ich nutze Citavi dabei nicht nur zum Formatieren meiner fertigen Arbeit, sondern als umfassendes System zum Wissensmanagement.

Dazu habe ich verschiedene Kategorien und Schlagworte innerhalb von Citavi angelegt. Diese Kategorien erleichtern später die Zuordnung und das Auffinden von Wissen. Diesen Kategorien kann ich dann einzelne Bücher bzw. Artikel, die ich mit Citavi erfasst habe, zuweisen. Zudem ist es für jeden Artikel möglich, Zitate (direkte Zitate, Paraphrasen, Bildzitate, …) in Citavi zu speichern. Diese Funktion nutze ich vor allem, um abschnittsweise Zusammenfassungen direkt beim Lesen schnell und einfach zu speichern. Jedes Zitat lässt sich dabei einzeln mit Schlagworten versehen und auch einer oder mehreren Kategorien zuordnen. Praktisch, oder?

Das Sammelsurium an Zitaten zu einzelnen Kategorien lässt sich bei Schreibbeginn direkt exportieren. Somit hat man als Schreiberling direkt zu Anfang eine grobe Struktur eines Kapitels vor sich. Die „Angst vor dem leeren Blatt“ kann hierdurch in meinen Augen ein wenig abgebaut werden.

Citavi kümmert sich auch um die Verwaltung derjenigen Literatur, die als PDF vorliegt. Letztere lassen sich zu jedem Eintrag einfach importieren und mit einem Citavi-Kurznamen versehen. Dieses Vorgehen beugt unleserlichen Dateinamen vor und hilft, den Überblick zu behalten. Die PDFs lassen sich anschließend direkt aus Citavi öffnen und z.B. mit Anmerkungen versehen. Hier fehlt mir zur Zeit noch ein direkter Import meiner Markierungen aus dem PDF in die Zitateverwaltung von Citavi. Aber was nicht ist…

Schließlich nutze ich ein weiteres Feature der Software – wie ich zugeben muss allerdings eher inkonsequent: Das Verwalten von Aufgaben mit Citavi. Es lassen sich zu jedem Artikel Aufgaben wie

  • lesen
  • Abstract schreiben
  • begutachten
  • entleihen
  • ….

definieren. Ähnlich einer To-Do-Liste lassen sich diese Aufgaben nach und nach erledigen und abhaken. Leider vergesse ich das Abhaken meistens, was den Nutzen doch deutlich einschränkt… Für diszipliniertere Menschen als mich ist dieses Feature aber durchaus interessant.

Wie kann Citavi eingesetzt werden?

Zunächst kann die gewünschte Struktur der Arbeit – so sie in Grundzügen bereits bekannt ist- in Citavi nachgebaut werden. Dies hat den Vorteil, dass Recherchen gleich in die „richtigen Schubladen“ eingeordnet werden können.

Praktisch ist auch, dass Citavi direkt in Katalogen vieler Bibliotheken recherchieren kann. So können die Literaturdaten direkt mit einem Klick importiert werden und man erspart sich viel Arbeit beim Abtippen.

Ich habe anschließend dann erstmal fleißig gelesen und meine Notizen (Wörtliche Zitate und auch Paraphrasierungen) in Zitate direkt unter der entsprechenden Kategorie mit Verweis auf das jeweilige Buch abgelegt. Einfache „Verwechslungen“ alla zu Guttenberg sind hierbei deutlich unwahrscheinlicher als bei Nutzung eines ungeordneten Zettelkastens…

Meinen gesammelten Zitatefundus konnte ich dann während des Schreibens immer wieder direkt in Word importieren – Platzhalter für den Literaturverweis inklusive. So sitzt man nicht direkt vor einem leeren Blatt, läuft allerdings schnell Gefahr, aus Versehen sehr viele Dinge wortwörtlich zu übernehmen, die man nie wörtlich übernehmen wollte. Citavi exportiert sie zwar in Anführungszeichen und mit Literaturverweis, ein wenig Vorsicht ist hier aber durchaus geboten…

Ganz am Schluss kann der gewünschte Zitationsstil in Citavi ausgewählt werden. Und hier kann das Tool eine Menge! Sogar die für mich als Chemiker wichtige Formatierung basierend auf der „Angewandten Chemie“ beherrscht Citavi fehlerfrei. Schön.

Die fertige Datei wird in Citavi eingelesen. Das Programm ersetzt dann alle Platzhalter durch entsprechend formatierte Verweise und erstellt am Ende des Dokuments ein Literaturverzeichnis. Dieses kann dann manuell noch kurz in das eigentliche Inhaltsverzeichnis eingebunden werden – das war es bereits.

Ich habe mit Citavi sehr gute Erfahrungen gemacht und es als große Hilfe empfunden. Wer mag probiert es einfach mal selbst aus und hinterlässt seine eigenen Erfahrungen als Kommentar?! Dieser Artikel kann bei Bedarf gern erweitert werden. Also: Her mit euren Erfahrungen, Erlebnissen, Kritiken.

Das Jahr endet…

…und ich habe endlich mal Zeit, ein wenig an meiner Webseite zu schrauben. Seit dem letzten Post hat sich hier nicht viel getan und ich bin vor allem mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Der gute Vorsatz für das neue Jahr: Das soll sich ändern! Ihr dürft also gespannt sein.

Soviel zum Thema Scientific Literacy: Von brennenden Heliumballons…

Und gerade habe ich mal wieder ein Beispiel dafür gefunden, dass der naturwissenschaftliche Unterricht offenbar bei der Aufgabe, breiten Bevölkerungsschichten ein naturwissenschaftliches Basiswissen bereitzustellen, versagt hat. Der Bildblog berichtet von einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters:

 […] explodierten lokalen Medienberichten zufolge mit Helium gefüllte Ballons während einer Wahlkampfveranstaltung auf dem Platz der Republik. Das Gas sei durch eine Zigarette entzündet worden […] (Hervorhebung durch H.S.)

Schockierend! Sollten doch allerspätestens Zehntklässler wissen, dass Edelgase, zu denen immerhin auch Helium gehört, nur sehr ungern überhaupt mit irgend etwas reagieren. Und schon gar nicht explodieren. Ich möchte gar nicht lange spekulieren, was tatsächlich in den genannten Ballons zu finden war. Helium sicherlich nicht, wohl viel eher Wasserstoff-Gas. Dieses kann tatsächlich eine nette kleine Explosion verursachen, wie das folgende Video beispielhaft zeigt:

Inhalt nicht verfügbar.
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Vielmehr geht es mir darum, wie es bei – mutmaßlich studierten Menschen – zu einer  solchen Zur-Schau-Stellung offensichtlicher Unwissenheit kommen kann. Die Schule stellt, sollte man meinen, bereits seit Jahrzehnten das nötige Sachwissen zur Verfügung, um Nachrichten dieser Art verstehen und einordnen zu können. Edelgase werden genauso wie einfache Atommodelle nicht erst seit einigen Jahren in der Schule behandelt. Offenbar fehlt aber etwas entscheidendes, damit dieses Wissen auch im späteren Leben im Alltag wirksam werden kann. Netter Weise liefert Reuters mit der oben zitierten Pressemitteilung Unterrichtsmaterial, mit dessen Hilfe heutige Schüler in einigen Jahren vielleicht reflektierter mit solchen Meldungen umzugehen wissen – sie haben, so bleibt zu hoffen, Scientific Literacy erworben. Also, liebe Lehrer: Nutzt die zitierte Meldung, um Chemieunterricht lebensnäher zu gestalten!

Bewertungskompetenz im Physikunterricht und der Master…

Wie dem Titel unschwer zu entnehmen ist schreibe ich zur Zeit meine Masterarbeit an der Uni Hamburg im Bereich Physikdidaktik. Ganz konkret geht es um Bewertungskompetenz (darüber demnächst mehr!) und noch konkreter darum, ein Instrument zu entwickeln, mit dem sich Bewertungskompetenz messen lässt.

Hierzu werde ich zwei siebte Klasse in einem Pre-Post-Test-Setting als Versuchskaninchen nutzen und bin gerade mitten in der Entwicklung von passenden Testaufgaben. Bevor ich mit diesen dann endgültig ins Feld gehe, bin ich aber auf eure wohlwollende Mithilfe angewiesen: Ich hätte gerne Rückmeldungen zu den von mir entwickelten Aufgaben (bisher 5 an der Zahl). Ihr würdet mir einerseits schon wahnsinnig helfen, wenn ihr die Aufgaben einfach mal (stichwortartig?) beantwortet und andererseits kurz euren Senf zur weiteren Verbesserung dazugebt.

Damit ich eure Antworten (natürlich anonym!) einfacher den entsprechenden Aufgaben zuordnen kann, habe ich für jede Aufgabe eine Umfrage bei GoogleDocs fertig gemacht. Dort findet ihr auch den Link zur jeweiligen Aufgabe (im PDF-Format). Ich danke euch allen schon jetzt für eure Hilfe!

Ohohoh… Das Blog ist tod… Oder doch nicht?

Unglaublich… Ich habe tatsächlich seit nunmehr 3 Monaten keinen einzigen Beitrag hier auf hsander.net verfasst! Das Blog ist tod… Oder doch nicht? Was war passiert?

Hauptsächlich ist mir Weihnachten, ein Schulpraktikum und eine längere Forschungsarbeit dazwischengekommen. Nebenbei habe ich auch noch mit meiner Masterarbeit begonnen und und und… Ihr seht: Sehr viel Stress! Der gute Vorsatz: Ab jetzt wird alles anders! Denn ich habe einige (Blog-)Pläne…

  • von mir entwickelte Unterrichtsmaterialien kommentieren und hochladen (Stichwort: #OER!)
  • über meine Masterarbeit zum Thema „Bewertungskompetenz“ berichten
  • mich über verschiedene andere Dinge auslassen, z.B. über die Rolle von Schulbüchern im naturwissenschaftlichen Unterricht, die Rolle von Experimenten, die Einsatzmöglichkeiten eines iPads (ja, auch davon bin ich nunmehr stolzer Besitzer!) und und und…
  • ….

Ihr seht: Das Blog ist doch nicht tod. Es scheint nur so!

Schritt für Schritt zur Vision der freien Bildungsmaterialien. Was kann ich tun? #OER

Seit einigen Wochen kocht in vielen, vielen Blogs die Diskussion rund um freie Bildungsmaterialien hoch. In der anglophonen Welt wird schon – so sagt zumindest die Wikipedia – seit geraumer Zeit über freie Bildungsinhalte diskutiert. Spätestens seit den Diskussionen um den sogenannten „Schultrojaner“ hat die Diskussion nun auch Deutschland erreicht.

Ich möchte gar nicht so sehr den Stand der Debatte nochmals zusammenfassen. Das haben Torsten Larbig (sogar mehrmals), Thorsten Gross und viele andere bereits ausführlich getan. Eine gewisse Infrastruktur ist im Entstehen begriffen (z.B. die Webseite freiebildungsmedien.de) und auch ansonsten ist vieles im Fluss. Was soll also dann dieser Blogpost?

Ich möchte ein wenig darüber nachdenken, was ich, als einzelner Lehrer (bzw. in meinem Fall angehender Lehrer) tun kann, um vom Gedanken der freien Bildungsmedien zu profitieren und diesen zu unterstützen. Diese Überlegungen möchte ich ganz konkret auf die naturwissenschaftlichen Fächer beziehen.

Warum sollte ich, als einzelner Lehrer überhaupt etwas tun?

Diese Frage beantwortet Thorsten Gross in so schöner Weise, dass ich es gerne hier wiedergeben möchte:

 Nicht selten kommt auch der Hinweis: “Du, ich hab’ da ein Arbeitsblatt, das kann ich dir gerne geben.” und wer ist nicht dankbar dafür? Unter Kollegen/innen ist es auch keine Frage, dass man das Arbeitsblatt abändern darf, um es der eigenen Situation anzupassen

Innerhalb einer Schule ist es seit langem Gang und Gäbe, Materialien zu tauschen und weiterzugeben. Selbstverständlich sind diese Materialien veränderbar und in diesem Sinne innerhalb eines bestimmten, relativ klar abgegrenzten Personenkreises „frei“. Materialien zur Verfügung zu stellen ist also für Lehrer kein Neuland.

Das Internet verändert nun den möglichen Adressatenkreis. Plötzlich sind nicht mehr nur die wenigen direkten Fachkollegen als potentielle Materialquellen und -abnehmer denkbar, sondern auch Kollegen aus ganz Deutschland, ja dem gesamten deutschsprachigen Raum. Man stelle sich folgendes vor: Jeder Physiklehrer aus dem deutschen Sprachraum stellt nur ein wirklich gut durchdachtes Arbeitsblatt für alle anderen zur Verfügung. Welcher Schatz dort schlummert, welche Arbeitserleichterung und Inspirationsquelle!

Illusorisch? Ja, zugegeben. Realität kann so ein Traum nur werden, wenn

  • alle Mitmachen. Wer vom eingestellten Material profitieren möchte, sollte sich auch dazu anspornen, selbst Material zur Verfügung zu stellen. Quid pro Quo.
  • Copyright beachtet wird.

Wirklich neu ist wohl nur der erste Punkt: Auch früher, in der Prä-Internetära, bekam ein Kollege, der nie etwas zum „gemeinsamen Materialpool“ der Fachschaft beisteuerte, selten etwas zurück. Zu klären ist also die Frage des Copyrights.

Freie Lizenzen als Schlüssel

Wie Cashy so schön schreibt: Im Internet wird man furchtbar schnell juristisch angreifbar. Ein Bild oder auch ein Video sind schnell auf der eigenen Webseite eingebunden oder aus einem Buch kopiert. Ich unterstelle einfach mal: Kopieren (aus Büchern, …) war und ist in vielen Schulen gängige Praxis. Der Passus mit dem sogenannten Schultrojaner wurde wohl nicht ohne Grund geschrieben…

Bei der Bereitstellung im Internet wird hieraus ein Problem. Abhilfe schaffen freie Lizenzen wie die Creative Commons-Lizenz. Diese gibt es in verschiedenen Spielarten, was sie unterscheidet erklärt Cashy in zwei Teilen wirklich gut. Wird das gesamte Material unter einer CC-Lizenz ins Netz gestellt, so wird im Grunde das „Geschäftsmodell“ von früher, die Weitergabe inkl. der Veränderungsrechte, ins 21. Jahrhundert transportiert.

Bei der Erstellung von Arbeitsmaterial sollte der Lehrer, der die oben skizzierte Vision teilt, also möglichst sofort freie Bilder und Texte benutzen. Stellt sich die Frage: Woher nehmen, wenn nicht selbst machen? Da hilft z.B. Damian Duchamps mit seiner Seite CC-your-Edu.de weiter. Dort findet ihr Hinweise zu Quellen von CC-Material. So erstelltes Material kann dann online zugänglich gemacht werden, beispielsweise auf einer eigenen Webseite. Solange es keine „richtige“, zentrale Sammelstelle gibt, ist es natürlich schwierig, diese bekannt zu machen und zu finden. Aber was das angeht bin ich zuversichtlich, was das angeht ist die eingangs verlinkte Fraktion um Torsten Larbig doch recht aktiv.

Was heißen freie Bildungsmaterialien für Physik und Chemie?

Gehen wir noch einen Schritt weiter und fragen: Welche freien Inhalte brauchen wir für den Physik- und Chemieunterricht? Das habe ich – gemeinsam mit u.a. Birgit Lachner, die auch erstes Chemiematerial als OER kennzeichnet, in einem Etherpad zu diskutieren begonnen. Ich möchte meine Gedanken dazu nochmal zusammenfassen und konkretisieren:

  • Arbeitsblätter sind ein erster, wichtiger Schritt. Hierzu zähle ich sowohl Übungsaufgaben (ggf. auch mit Lösungen), Aufgaben mit gestuften Hilfen, Lernzirkel, Gruppenpuzzle, Experimentieranleitungen verschiedener Schwierigkeitsstufe usw.
  • Darüber hinaus wären verschiedene Spiele schön. Diese lassen sich beispielsweise zur Wiederholung einsetzen und können Unterricht sehr stark auflockern. Sie selbst zu erstellen ist allerdings oft sehr zeitaufwendig.
  • Erklärende Texte, wie sie in einem Lehrbuch auftauchen. Ohne diese erklärenden, zusammenfassenden Texte kann ich mir auch in Zukunft keinen naturwissenschaftlichen Unterricht vorstellen. Auch diese müssen in Zukunft, altersangemessen mit angemessener didaktischer Reduktion unter einer freien Lizenz zur Verfügung gestellt werden.
  • Animationen, Moodlekurse, … können das Angebot abrunden und Lehrbücher im klassischen Sinne überflüssig werden lassen.

Besonders die Erstellung von Lehrbuchtexten ist in meinen Augen äußerst komplex, zeitintensiv und braucht große Erfahrung. Freie Lehrbücher werden also wohl nur nach und nach entstehen und sind eine eher langfristige Perspektive.

Alles andere wird aber sowieso tagtäglich durch Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland erstellt. Wenn wir dabei auf CC-Material zurückgreifen und sie online verfügbar machen, ist ein Materialpool hier vergleichsweise schnell zu verwirklichen. Also, packen wir es an!

Ich möchte diesen Blogpost mit einer kleinen Selbstverpflichtung abschließen: Ich werden nach und nach von mir erstelltes Material hier im Blog zur Verfügung stellen. Dazu werde ich demnächst eine kurze Übersichtsseite erstellen. Ich würde mich freuen, wenn viele andere mir auf diesem Weg folgen würden!

NAka-Nachlese die Dritte: Wikis im Projektunterricht

Ich hatte bereits häufiger schon darüber berichtet (z.B. hier und hier), dass wir ein Wiki im Rahmen eines Projektes einsetzen wollen. Im Sommer, der nun auch schon einige Zeit vergangen ist, war es nun soweit und ich möchte hier nun ausführlich von unseren Erfahrungen und dem Feedback der Teilnehmer berichten. Der Artikel ist der letzte im Rahmen der NAka-Nachlese (Teil 1, Teil 2).

Unser Einsatzszenario

Unser Kurs war in einem hohen Maße kollaborativ: knapp 20 Menschen arbeiteten zeitgleich am Wiki. Auf Grund der Organisationsstruktur des Kurses geschah dies vor allem in 2 Zeitfenstern (1x vormittags, 1x nachmittags). Hierbei hatte jeder Teilnehmer ein eigenes Laptop zur Verfügung, mit dem er auf das Wiki zugreifen konnte. Außerdem stand uns ein größerer Computerraum zur Verfügung, das das drahtlose Netzwerk zeitweise überfordert schien.

Am Ende des Seminars stand die Erstellung einer gemeinsamen wissenschaftlichen Dokumentation. Als Grundlage hierfür dienten den jeweiligen Autoren dann die entsprechenden Wiki-Artikel, die gekürzt und zusammengeführt wurden. Da die Artikel bereits eine hohe sprachliche Qualität aufwiesen, wurde dieser Prozess stark vereinfacht.

Dieser Umstand bedingte jedoch, dass es für jeden Artikel im Wiki einen „Hauptverantwortlichen“ gab. Dieser hatte dafür Sorge zu tragen, dass alle Informationen im Wiki gesammelt werden und das sprachliche Niveau des Artikels akzeptabel ist. Das heißt (und hieß auch tatsächlich) aber nicht, dass nur der Hauptverantwortliche an einem Wiki-Artikel mitschreibt!

Probleme während des Wiki-Einsatzes

Auch für mich war die Administration eines MediaWikis im Wesentlichen Neuland. Daher hatte ich – gerade zu Beginn des Seminars- einige im wahrsten Sinne des Wortes schlaflose Nächte. Das lag vor allem an vielen kleinen, technischen Problemen, die ich im Vorwege nur unzureichend bedacht habe. Im Einzelnen waren dies:

  • nicht funktionierender Bilder-Upload. Kann durch entsprechende Ordner-Berechtigungen behoben werden. Wichtig ist, dass bei einigen Server-Konfigurationen die Überprüfung des MIME-Typs ausgestellt werden muss, damit alles funktioniert. In einem Passwort-geschützten Setting wie dem unsrigen kein großes Risiko.
  • nicht funktionierendes Versions-Management. So stellten sich Probleme ein, als mehrere Menschen gleichzeitig einen Artikel bearbeiteten. Eine Lösung hierzu: Die richtige Pfadangabe zu diff3 und das Wiki über den CGI-Modus von PHP laufen lassen.
  • viele, viele Kleinigkeiten.
Insgesamt daher die Anforderung an die Nutzung eines Wikis: Testen unter realen Einsatzbedingungen. Klingt trivial, trotzdem ist es wichtig. Hierfür muss durch den Administrator ein nicht ganz unbeträchtliches Zeitbudget eingeplant werden. Diese Investition macht sich in meinen Augen aber mehr als bezahlt. Vor allem dienen die gewonnenen Erfahrungen dazu, den Zeitaufwand bei neuen Projekten zu minimieren.
Ein ganz ausdrüchlicher Dank gilt dabei meinem Hosting-Provider all-inkl. Der Support antwortete meist innerhalb weniger Minuten – auch nachts, auch am Wochenende! – und rettete uns aus einigen Verzweiflungstiefs.

Das Feedback der Teilnehmer

Gerade zu Beginn war zu spüren, dass die Teilnehmer unseres Kurses dem Einsatz eines Wikis äußerst skeptisch gegenüberstanden. In einer mittels Google-Docs realisierten Umfrage äußersten die Teilnehmer teils eine große Skepsis gegenüber der Nutzung eines Wikis (siehe Grafik).

Umfrage vor Beginn der Veranstaltung
Umfrage vor Beginn der Veranstaltung

Nur wenige Teilnehmer starteten mit Vorkenntnissen als Wikiauthor (2 Personen) oder gar als Administrator  eines eigenen Wikis (ebenfalls 2). Manche gaben an, über keinerlei Vorerfahrungen zu verfügen.

Vorkenntnisse der Teilnehmer

Dieses Bild drehte sich im Laufe des zwei Wochen andauernden Seminars: Alle Teilnehmer sammelten eigene Erfahrungen, lösten auftretende Probleme und es entstand – unserer Wahrnehmung als Kursleiter nach – eine große Eigendynamik. Diese zeigte sich unter anderem daran, dass tatsächlich mehrere Leute auch außerhalb der Kurszeit selbstständig weiter an Artikeln im Wiki arbeiteten. Dieser Eindruck wurde auch durch die Teilnehmer bestätigt (siehe Grafik). Erleichtert wurde das editieren des Wikis dabei durch einen graphischen Texteditor (FCKEditor, mittlerweile nicht mehr weiterentwickelt. Den Nachfolger habe ich selbst noch nicht getestet).

Anteil der Teilnehmer, die über das Soll hinaus Artikel bearbeitet haben

Das Feedback nach dem Seminar war deutlich weniger von Skepsis geprägt (siehe auch die zusammenfassenden Grafiken weiter unten). Allen Teilnehmern ist die Funktionsweise eines Wikis klarer geworden, als sie es vermutlich im Vorwege des Kurses war. Diese Erkenntnis war ein ganz klares Lernziel von uns: Schüler (und auch Erwachsene) sollten sich in meinen Augen zumindest mit dem Funktionsprinzip eines von ihnen täglich genutzten Werkzeuges (Wikipedia) vertraut machen.

Vielleicht auch auf Grund des graphischen Editors entstand bei einem Großteil (immerhin rund 80%) der Eindruck, ein Wiki sei einfach zu bedienen. Ob dieses Ergebnis so deutlich wäre, hätten wir nicht den graphischen Editor genutzt, muss offen bleiben.

Im Hinblick auf lernpsychologische Aspekte empfand ebenfalls eine große Mehrheit unserer Teilnehmer das Wiki als hilfreich beim Lernen. Durch die Dokumentation aller Ergebnisse für alle in einer gemeinsamen Umgebung wurde der Einzelne natürlich vom Dokumentationsprozess weitgehend entlastet. Diese gefühlte Entlastung – eben nicht jederzeit alles mitschreiben zu müssen – könnte dazu geführt haben, dass sich ebenfalls eine große Mehrheit (ebenfalls ca. 75%) der Teilnehmer in späteren Projekten den Einsatz eines Wikis vorstellen kann. Vergleicht man diese Zahlen mit den eher skeptischen Werten vor dem Seminar, ist dies als ganz klarer Erfolg zu werten.

Funktionsweise eines Wikis

Alles in allem: Das Feedback der Teilnehmer hat mich weiter davon überzeugt, dass ein Wiki sehr lohnenswert in Bildungskontexten eingesetzt werden kann. Allerdings: Wir waren auf dem Seminar keineswegs in einer  alltäglichen Schulsituation. Alle Teilnehmer waren freiwillig dort, die Motivation ist allgemein als sehr hoch zu bezeichnen. Solch günstige Randbedingungen wird man in der Schule nur selten vorfinden. Allerdings ist in der Schule ein weiterer, wichtiger Faktor in größerem Maße vorhanden: Zeit. Die Einführung des Wikis kann dort ganz behutsam, über mehrere Tage oder gar Wochen hinweg, erfolgen.

Zu guter Letzt: Das Wiki auf DVD

Wie bekommt man nun so ein Wiki auf DVD? Sehr gut funktioniert hat es mit der Open-Source-Software „HTTTrack Website Copier„.  Diese speichert – ausgehend von einem Stammverzeichnis – alle Links, Bilder usw. auf der Festplatte, schreibt die Links entsprechend auf die lokalen Dateien um und speichert alles geordnet.

Die Software speichert wirklich alles. Ich habe daher die durch das Programm erzeugte Ordnerstruktur nochmal von Hand durchforstet und einige nicht benötigte Dateien aussortiert. Das Wiki kann nun auf DVD bzw. CD gebrannt werden oder als passwortgeschützte Zip-Datei zum Download zur Verfügung gestellt werden.

Neue WordPressversion

Gerade eben wurde mein Blog auf die neueste WordPress-Version 3.3 aktualisiert. Lohnt es sich?

Auf den ersten Blick: Ja! Der Editor für neue Artikel wirkt auf mich im Vollbildmodus nun noch aufgeräumter, man kann sich vollständig auf den Text konzentrieren. Sehr schön! Außerdem funktionieren Datei-Uploads nun per Drag-and-Drop. Ebenfalls eine sehr schöne Neuerung wie ich finde!

Einige andere Änderungen betreffen wohl verbesserte Funktionen bei der kollaborativen Arbeit. Kann für einige Projekte bestimmt sehr interessant sein, für mich momentan nicht. Jemand Erfahrungen gesammelt?

Android auf dem Dell Inspiron Duo

Wie ich vor einiger Zeit schrieb, bin ich stolzer Besitzer eines Dell Inspiron Duo, also eines Netbooks mit Touchscreen. Vor einigen Tagen packte mich das Bastler-Gen und ich begann mit dem Versuch, Android auf dem Duo zu installieren. Meine Erfahrungen möchte ich hier gerne mit euch teilen, mögen sie nützlich sein!

Warum Android auf dem Inspiron Duo?

Warum nicht? Wir sind mitten im Tablett-Wahn, die Touch-Bedinung unter Windows macht zwar Spaß, ist aber irgendwie nicht das gelbe vom Ei. Android ist da sehr viel flexibler, bootet schneller und ist für das schnelle Surfen zwischendurch und das Lesen von e-Books wie gemacht!

Was habe ich bisher geschafft?

  • Der PC bootet Android 2.2 Froyo, Grub ist als Bootmanager installiert und Windows und Android coexistieren munter nebeneinander her.
  • WLAN, Internet und Facebook funktionieren wunderprächtig
  • PDF-Anzeige könnte noch verbessert werden, läuft aber immerhin
  • Die meisten Apps laufen auch auf dem Duo

Vorbereitungen – das solltet ihr vor der Installation tun

ACHTUNG: Dies ist keine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Ich übernehme keinerlei Haftung für Schäden, die ihr an eurem Gerät verursacht!
Vor der Installation solltet ihr all eure Dateien sichern. Ich habe nach einigen Experimenten mit dem Backup von Dell begonnen, sodass sich meine Erfahrungen auf einen jungfräulichen Inspiron Duo beziehen.
Android läuft am besten auf einer mit dem ext3 formatierten Partition. Der erste Schritt besteht also darin, diese zu erstellen. Das geht ganz gut mit der Software EaseUS Partition Master (Danke an Cashy). Eine beliebige andere Software zum partitionieren tut hier aber auch ihren Dienst.
Ihr verkleinert also die Hauptpartition eures Inspiron Duo um beispielsweise 4 GB. Reicht völlig für Android und tut nicht weh.
Wo ihr gerade noch in Windows seid, führt ihr am besten die folgenden Schritte aus (diese Anleitung orientiert sich an dieser Darstellung):
  1. Ladet euch das aktuelle Nightly-Build von Android-X86 runter (hier).
  2. Während ihr wartet ladet ihr euch auch noch die Software UNetBootIn herunter (hier). Hiermit könnt ihr ganz leicht aus einem bootfähigen Image einen bootfähigen USB-Stick erstellen.
  3. Fertig? Dann startet UNetBootIn und bepackt einen genügend großen USB-Stick mit dem Android-Image. 
  4. Schaltet euren Computer aus, ihr seid in Windows soweit fertig!

Ans Eingemachte – Android installieren

Die Installation mit dem eben vorbereiteten USB-Stick ist ziemlich selbsterklärend. Wichtig: Stellt im Bios ggf. die Boot-Priorität so ein, dass euer schöner Laptop auch vom Stick bootet (F2 beim Starten drücken). Dann folgt ihr den Anweisungen auf dem Bildschirm. Eine genauere Erläuterung gibt es auf der Android X86-Webseite.
Wichtig ist Folgendes:
  • Wählt als Ziel-Partition die eben neu erstellte ext3-Partition aus.
  • Installiert den Bootmanager Grub. Mit ihm könnt ihr nachher komfortabel zwischen Windows und Android wählen.
  • Erstellt ruhig eine sogenannte Fake-SD-Card. Diese dient euch nachher als Speicher beim Androiden!
  • That’s it! Euer Duo sollte beim Booten nun ein Auswahlmenü anzeigen, in dem ihr zwischen Windows und Android wählen könnt.

Android anpassen

Folgende Dinge habe ich angepasst, damit der Duo besser läuft.
  • Die „Sleeptime“ in den Android-Einstellungen auf einen größeren Wert stellen, da der Duo mit Touch-Mitteln nicht wieder „geweckt“ werden kann und in den Standard-Einstellungen bereits nach 10 Sekunden schlafen geht.
  • Erstellt euch ein Dropbox-Konto. Das erleichtert euch das Hin- und Herschieben von Dateien ganz ungemein!
  • Erlaubt auch Pakete aus „unbekannten Quellen“ zu installieren. Das geht im Androiden unter „Einstellungen“.
  • Zum Navigieren brauchen wir sogenannte SoftKeys. Diese simulieren die HOME und ZURÜCK-Taste eines Smartphones auf dem Monitor. Da du ja alles auf einer ext3-Partition installiert hast, sollte es auch mit den Root-Rechten klappen. Ich benutze diese hier. Herunterladen, in die Dropbox packen, die Dropbox über den Android-Browser aufrufen und die apk installieren.

Apps installieren

Leider habt ihr keinen direkten, gut funktionierenden Zugriff auf den Android-Market. Ihr könnt entweder einen beliebigen anderen Market installieren (GetJar oder AndroidPit zum Beispiel) oder aber ihr habt ein Android-Telefon und geht wie folgt vor:
  • Installiert auf eurem Handy den ASTRO Dateimanager aus dem Market.
  • Wählt dort den „Anwendungsmanager“ und erstellt von allen Apps, die ihr auf dem Duo installieren wollt, ein Backup.
  • Die Backups findet ihr nach erfolgreichem Backup auf der internen SD-Karte unter „Backups“. Diese Backups nun in die Dropbox hochladen, auf dem Duo installieren und freuen!
  • ACHTUNG: Dieses Vorgehen funktioniert nicht mit allen Apps. Facebook, Dropbox, Dolphin-Browser, Twitter solltet ihr so aber zum laufen bekommen!
Weitere Tipps dürft ihr gerne in den Kommentaren hinterlassen, ich erweitere den Artikel dann gegebenen Falls.

MindMap: Basiskonzept „Das chemische Gleichgewicht“

Die Bildungsstandards im Fach Chemie kennen für den mittleren Schulabschluss vier Basiskonzepte, die als durchgängige Prinzipien helfen können, Wissen zu strukturieren. Diese sind:

  • Stoff-Teilchen-Beziehung
  • Struktur-Eigenschafts-Beziehung
  • die chemische Reaktion
  • Energieumsatz
Etwas griffiger finde ich eine andere, in der Fachdidaktik gängige Formulierung (Material vom Klett-Verlag). Dort finden sich diese 5 Basiskonzepte, die so in meinen Augen auch gut auf die Ausbildung bis zum Abitur und darüber hinaus Gültigkeit als strukturierende Prinzipien besitzen:
  • Stoff-Teilchen-Konzept
  • Donor-Akzeptor-Konzept
  • Gleichgewichtskonzept
  • Energiekonzept
  • Struktur-Eigenschafts-Konzept
Diese 5 sind sozusagen die „big ideas“ der Chemie und tauchen in den verschiedensten Bereichen der Chemie immer wieder auf. Überschneidungen mit der Physik sind übrigens nicht nur zufällig….

Als Vorbereitung eines Uni-Seminars habe ich über das Basiskonzept des chemischen Gleichgewichts eine MindMap erstellt und versucht, Verknüpfungen untereinander deutlich zu machen. Das Basiskonzept liefert also eine Struktur, in die Themen eingeordnet werden können. Die MindMap ist sicherlich nicht vollständig, vielleicht bietet sie dem Einen oder der Anderen eine (Lern-)Hilfe oder dient als Gesprächsanlass. Die MindMap stelle ich hiermit – wie alle Texte auf meiner Webseite – unter eine CC-Lizenz. Unter Namensnennung dürft ihr also damit gern machen, was ihr möchtet!

Download (pdf): Basiskonzept. Das chemische Gleichgewicht

Periodensystem – Auf künstlerische Art und Weise

Es kann Verknüpfungen zwischen Kunst und Chemie geben: Über Periodic Table of Videos (darüber schrieb ich hier schon einmal) bin ich auf diese wunderschöne Darstellung des Periodensystems gestoßen. Jedes Element wurde von einem Künstler gestaltet. So mag sogar ich als absoluter Kunstbanause Kunst ;)

Es ist tatsächlich faszinierend, sich über die einzelnen Elemente Gedanken zu machen. Warum zeigt das Bild zu Cobalt etwa ein menschliches Skelett? Die Webseite verrät es: Cobalt ist das Zentralatom von Vitamin B12. Wusste ich noch nicht, kann aber als nette Anekdote in der Schule dienen. Großartig!

Facebook und die Daten…

Gerade über Rete-Mirabile auf diesen schönen Artikel aus der taz aufmerksam geworden. Vor allem das zugehörige Youtube-Video sei euch  an dieser Stelle ans Herz gelegt.

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Auch ich bin bei Facebook. Jedoch versuche ich, keinerlei wirklich vertraulichen Dinge dort zu schreiben oder unangemessene Fotos hochzuladen. Nachdenklich wird man beim Lesen solcher Artikel natürlich trotzdem…

Meine Beobachtung ist darüber hinaus, dass die meisten Schüler sich keinerlei Gedanken um ihre Privatsphäre machen – da wird munter jeder Freund angenommen und alles für alle gepostet. Wie kann man dem medienpädagogisch begegnen? Welche neuen Herausforderungen ergeben sich daraus für den Unterricht?

Ringvorlesung an der Uni Hamburg

Leider ist wieder seit längerer Zeit nichts mehr passiert auf meinem Blog. Das soll sich aber in Zukunft auch wieder ändern, ihr dürft ein wenig gespannt sein. Heute möchte ich euch nur kurz auf eine Ringvorlesung an der Uni Hamburg hinweisen:

Nanomaterialien in der zukünftigen Energieversorgung

Inhaltlich geht es um Photovoltaik, SmartGrids und chemische Energiespeicher. Ein Besuch lohnt sich glaube ich!

Die Vorlesung findet immer Mittwoch nachmittags von 17-18 Uhr im Hörsaal B des Fachbereits Chemie der UHH statt (Martin-Luther-King-Platz). Weitere Informationen gibt es hier.

NAka-Nachlese die Zweite: Etherpads

Ich verarbeite die NachhaltigkeitsAkademie ein wenig weiter und möchte kurz über meine Erfahrungen mit Etherpads berichten, die ich dort als Betreuer während einer längeren Gruppenarbeit sammeln konnte.

Wieso Etherpad?

Mit der mittlerweile unter einer OpenSource-Lizenz veröffentlichten Software Etherpad können viele Leute simultan ohne Anmeldung einen Text erstellen und bearbeiten. Farbliche Hinterlegung des Textes macht die Autorenschaft eines bestimmten Abschnitts kenntlich und ein Chat komplettieret die Möglichkeiten von Etherpad. Mittlerweile gibt es sehr viele Dienste, die Etherpads anbieten. Persönlich genutzt habe ich bisher typewith.me und ietherpad.com. Welcher Service genutzt wird, ist aber prinzipiell ziemlich egal.

Ein Etherpad kann nach Karlhuber/Wageneder (2011) wesentlich zur Unterstützung kollaborativer Lernprozesse genutzt werden. Und genau so ein Setting lag hier vor.

In welchem Setting wurden sie eingesetzt?

Im Rahmen der NachhaltigkeitAkademie arbeiteten die Teilnehmer in Kleingruppen über zwei volle Tage meist selbstständig an bestimmten Themen. Ich betreute eine Gruppe, die sich mit der Energieberatung unseres Tagungshauses beschäftigte. Da am Ende der Gruppenarbeit in Bericht in schriftlicher Form stehen sollte und innerhalb der Gesamtgruppe mehrere kleinere Gruppen gebildet wurden, schlug ich zur Ergebnissammlung ein Etherpad vor. Dieser Vorschlag wurde von den Teilnehmern gern aufgegriffen und sie nutzten das Etherpad sofort völlig selbstständig.

Die Arbeit erfüllte also die Definition kollaborativen Lernens nach Haake et al. (2004):

  •  ein gemeinsames, von allen Beteiligten geteiltes Ziel
  • Fokus auf dem Aushandeln gemeinsamer Ziele und Prozesse

(Haake, J.; Schwabe, G. & Wessner, M. (2004): CSCL-Kompendium.)

Wie waren die Erfahrungen?

Das Etherpad bei typewith.me wurde von den Lernenden sofort genutzt. Bei der Benutzung traten nach Aussage der Teilnehmer keine technischen Probleme auf und sie konnten das Etherpad intuitiv nutzen. Im Etherpad sammelten die verschiedenen Teams, die sich aus der Großgruppe gebildet hatten, ihre Ergebnisse. Diese dienten nachher als Grundlage für eine längere Arbeit, die von dreien der Teilnehmer verfasst wurde und zu einem großen Teil auf den im Etherpad gesammelten Texten basierte.

Ist so ein Vorgehen auch im Unterricht möglich? Ich denke ja. Die Software scheint allen Erfahrungen nach intuitiv bedienbar zu sein. So wäre es beispielsweise möglich, den Schülern vor einer längeren Gruppenarbeitsphase kurz die Software zu zeigen. Erkennen sie den Vorteil, werden sie Etherpads in Zukunft vielleicht von allein für kollaborative Prozesse einsetzen.

NAka-Nachlese die Erste

Seit Sonntag ist nun eine arbeitsreiche, aber dennoch äußerst schöne Zeit vorbei: Die NachhaltigkeitsAkademie (NAka) des Jahres 2011, bei der ich einen Kurs zum Thema „Regenerative Energien“ geleitet habe. Ein wenig falle ich gerade in ein mittelgroßes Loch, möchte aber dennoch die Gelegenheit nutzen, meine Erfahrungen zu ordnen und zu reflektieren. Ich habe für mich vier größere Themenfelder identifiziert, auf denen ich neues während der NAka gelernt habe:

  •  Ich habe unglaublich viel bei der Planung der ganzen Akademie gelernt. Begonnen beim Zeitmanagement meiner Arbeit und auch des Kurses über didaktische Entscheidungen für oder gegen eine bestimmte Unterrichtsmethode bis hin zur Planung und Ausgestaltung von Leitfragen für die durch die Teilnehmer zu haltenden Referate habe ich viele lehrreiche Erfahrungen sammeln dürfen.
  • Fachlich habe ich mich im Rahmen meiner eigenen Vorbereitung mit verschiedenen, vor allem ingenieurwissenschaftlichen Lehrbüchern zum Thema „Regenerative Energien“ beschäftigt und so Einblicke in die Denk- und Arbeitsweise von Ingenieuren gewinnen können. Diese unterscheidet sich, was ich vorher nie geglaubt hätte, doch manchmal sehr von derjenigen der Physiker.
  • Persönlich habe ich unglaublich wichtige Erfahrungen gemacht.
  • Nicht zuletzt konnte ich auf der Akademie viele methodische Dinge ausprobieren, was in der Schule so kaum möglich gewesen wäre. So haben wir im Kurs mit einem Wiki gearbeitet (die Software, die hinter dem Projekt „Wikipedia“ steckt) und dabei wertvolle Erfahrungen sammeln können. Außerdem hat sich eine aus der Uni bereits bekannte Einsicht bei mir verfestigt: Lernen geschieht meist nicht durch Vorträge, durch das rein rezeptive Aufnehmen von Informationen, sondern durch die aktive Verarbeitung von Informationen, das Anwenden, das Entdecken. Hierzu hatten wir auf der Akademie Zeit und ich hoffe, dass ich mir in meinem späteren Beruf diese Erkenntnis zu Herzen nehmen werde.

Besonders der Punkt „methodisches“ wird mich auch hier im Blog noch in einigen Einträgen beschäftigen. Auf jeden Fall möchte ich meine Erfahrungen mit einem Wiki sehr viel ausführlicher schildern. Außerdem sind Artikel zu einer bestimmten Pro-Kontra-Diskussion und zur Nutzung von Etherpads in Bildungskontexten in Vorbereitung.