NAka-Nachlese die Zweite: Etherpads

Ich verarbeite die NachhaltigkeitsAkademie ein wenig weiter und möchte kurz über meine Erfahrungen mit Etherpads berichten, die ich dort als Betreuer während einer längeren Gruppenarbeit sammeln konnte.

Wieso Etherpad?

Mit der mittlerweile unter einer OpenSource-Lizenz veröffentlichten Software Etherpad können viele Leute simultan ohne Anmeldung einen Text erstellen und bearbeiten. Farbliche Hinterlegung des Textes macht die Autorenschaft eines bestimmten Abschnitts kenntlich und ein Chat komplettieret die Möglichkeiten von Etherpad. Mittlerweile gibt es sehr viele Dienste, die Etherpads anbieten. Persönlich genutzt habe ich bisher typewith.me und ietherpad.com. Welcher Service genutzt wird, ist aber prinzipiell ziemlich egal.

Ein Etherpad kann nach Karlhuber/Wageneder (2011) wesentlich zur Unterstützung kollaborativer Lernprozesse genutzt werden. Und genau so ein Setting lag hier vor.

In welchem Setting wurden sie eingesetzt?

Im Rahmen der NachhaltigkeitAkademie arbeiteten die Teilnehmer in Kleingruppen über zwei volle Tage meist selbstständig an bestimmten Themen. Ich betreute eine Gruppe, die sich mit der Energieberatung unseres Tagungshauses beschäftigte. Da am Ende der Gruppenarbeit in Bericht in schriftlicher Form stehen sollte und innerhalb der Gesamtgruppe mehrere kleinere Gruppen gebildet wurden, schlug ich zur Ergebnissammlung ein Etherpad vor. Dieser Vorschlag wurde von den Teilnehmern gern aufgegriffen und sie nutzten das Etherpad sofort völlig selbstständig.

Die Arbeit erfüllte also die Definition kollaborativen Lernens nach Haake et al. (2004):

  •  ein gemeinsames, von allen Beteiligten geteiltes Ziel
  • Fokus auf dem Aushandeln gemeinsamer Ziele und Prozesse

(Haake, J.; Schwabe, G. & Wessner, M. (2004): CSCL-Kompendium.)

Wie waren die Erfahrungen?

Das Etherpad bei typewith.me wurde von den Lernenden sofort genutzt. Bei der Benutzung traten nach Aussage der Teilnehmer keine technischen Probleme auf und sie konnten das Etherpad intuitiv nutzen. Im Etherpad sammelten die verschiedenen Teams, die sich aus der Großgruppe gebildet hatten, ihre Ergebnisse. Diese dienten nachher als Grundlage für eine längere Arbeit, die von dreien der Teilnehmer verfasst wurde und zu einem großen Teil auf den im Etherpad gesammelten Texten basierte.

Ist so ein Vorgehen auch im Unterricht möglich? Ich denke ja. Die Software scheint allen Erfahrungen nach intuitiv bedienbar zu sein. So wäre es beispielsweise möglich, den Schülern vor einer längeren Gruppenarbeitsphase kurz die Software zu zeigen. Erkennen sie den Vorteil, werden sie Etherpads in Zukunft vielleicht von allein für kollaborative Prozesse einsetzen.

Mobile learning – Altes Lernen in neuem Gewand

Thema dieser noch frischen Woche des opco11 ist das Mobile Learning. Höchst interessant und doch ein weites Feld…

Zuallererst habe ich mir die Frage gestellt: Was ist das überhaupt – mobile Learning? Natürlich liegt der Fokus des OpenCourse eher auf tollen neuen Tools in Web2.0-Manier. Und auch Wikipedia sagt zum Stichwort M-Learning:

Unter M-Learning wird allgemein das Lernen mit portablen ubiquitären Medien bzw. mobilen Medien überall und zu jeder Zeit verstanden.

Das Wörtchen „ubiquitär“ deutet hier tatsächlich an, dass es beim M-Learning um rechnergestütztes Lernen geht. Ich möchte jedoch die obige Definition einmal weiter auslegen und zu diesem Zweck das Wörtchen „ubiquitär“ einmal vollständig ignorieren. Mit eigenen Worten kann ich das mobile Lernen also ungefähr so definieren:

Mobile Learning ist jedes Lernen, das außerhalb des Schreibtisch bzw. Klassenraums bzw. Hörsaals stattfindet.

Eine Einschränkung ist allerdings noch nötig: Unter Mobile-Learning verstehe ich bewusstes Lernen. Dieses bewußte Lernen ist natürlich neben dem unbewussten Lernen, dem Aufnehmen und Verarbeiten von Sinnesreizen, nur ein kleiner Teil von „Lernen“. Aber gerade das bewußte, intentionale Lernen ist ja das, worum es in Bildungskontexten (zum größten Teil) geht.

Lege ich meine Definition zu Grunde kann ich sagen, dass ich „mobil“ vor allem durch zwei Dinge lerne: durch Bücher und durch Gespräche. Beide sind nicht an den Schreibtisch, den Klassenraum oder den Hörsaal gebunden und somit im besten Sinne mobil. Erstere sind immer verfügbar und ich kann leicht Anmerkungen und Gedanken hineinschreiben. Letztere  – der face-2-face-Kontakt – sind für meine ganz persönlichen Lernerfahrungen unersetzlich. Unersetzlich sind technische Spielereien für mich nicht.

Allerdings: In letzter Zeit unterstützt auch ein Smartphone mein mobiles Lernen. Hier nütze ich vor allem den GoogleReader, um über das informiert zu bleiben, was mich interessiert. Auch Twitter und Facebook werden von Zeit zu Zeit genutzt, ebenso wie QR-Code-Reader und dergleichen. Letztlich beschränkt sich meine persönliche Nutzung aber zumeist auf das reine Rezipieren von Texten. Somit hat sich zwar das Medium verändert (Buch -> Smartphone mit RSS-Reader), nicht aber das Lernen an sich. Der für meinen Teil kann ich sagen: Lernen ist für mich genauso mobil wie früher. Nur das Medium ist ein anderes geworden. Wie sieht es bei euch da draußen aus?

Eine kleine Randbemerkung: SicherdeinWeb schlägt eine Brücke zur vorletzten Woche des OpenCourse und klassifiziert Lerntechnologien nach ihren Anwendungsmöglichkeiten in 4 Bereiche (Suche, Austausch, Präsentation, Archivierung). Auch die dort vorgestellten Tools unterscheiden sich sicherlich in ihrem „Mobilitätsgrad“. Und noch mehr: Dieses einfach Schema bietet auch die Möglichkeit, die Möglichkeiten mobilen Lernens auszuloten.Wenn ich dieses kurz versuche: M-Learning (im Sinne der Wikipedia-Definition MIT z.B. Smartphones) kann beim Suchen von Informationen und begrenzt auch dem Austausch helfen. Archivierung und Präsentation wird in der Regel aber nicht auf dem Smartphone unterwegs stattfinden, sondern ganz klassisch: In aller Ruhe am Schreibtisch (Archivierung / Vorbereitung einer Präsentation) oder vor Publikum.

Warum sich etwas ändern muss! (#opco11 – Woche 1)

So das Thema der ersten Woche des OpenCourses 2011. Ja, warum muss sich eigentlich etwas ändern? Die erste Woche des #opco11 neigt sich dem Ende entgegen, die erste Live-Session ist vorbei und es sind viele interessante Beiträge entstanden. Besonders gewinnbringend finde ich bisher das von @_Rya_ gestartete Etherpad, in dem bereits vielfältige Gedanken geäußert wurden, „warum sich etwas ändern muss“. Die meisten der dort genannten Argumente beziehen sich entweder auf den Einsatz von Medien oder sind eher allgemeindidaktischer Natur. Den dort gemachten Überlegungen kann ich größtenteils zustimmen, finde aber als angehender Chemie- und Physiklehrer auch gerade auf den naturwissenschaftlichen (Fach-)Unterricht bezogene Gründe, „warum sich etwas ändern muss“. Diese möchte ich thesenartig zusammenfassen.

  • Die Methodik des Unterrichts muss sich ändern. Nicht unbedingt zu völlig individualisiertem Lernen hin, aber doch zu einem bunten Mix aus Lernformen. Kein Lehrer kann sich mehr einbilden, eine völlig homogene Klasse vor sich zu haben. Deshalb sind die Zeiten des reinen Frontalunterrichts gezählt. Offenere Unterrichtsformen können neue Technologien einbinden, Frontalunterricht widerspricht dem Grundgedanken des kollaborativen Lernens.
  • Die Inhalte des Unterrichts müssen sich ändern. Reines Faktenwissen ist in meinen Augen zwar nach wie vor notwendig, um reflektiert und sachbezogen Stellung zu verschiedensten Fragestellungen nehmen zu können. Außerdem gehört ein Mindestmaß an Wissen zu dem, was ich unter „Bildung“ verstehe. Mindestens genauso wichtig wie Faktenwissen sind aber methodische Kenntnisse: Wie lerne ich? Wie beurteile ich Wissensquellen? Wie organisiere ich Lernprozesse? Hier können Tools wie Wikis, Blogs, … neue Lernerfahrungen ermöglichen und neue Möglichkeiten aufzeigen.
  • Besonders im naturwissenschaftlichen Unterricht muss weniger auf Fachbegriffe als auf Verstehen gesetzt werden. Das heißt auch für den Lehrer: für die Schüler neue Fachbegriffe hinterfragen, ob diese wirklich notwendig  sind. Die Praxis sieht oftmals anders aus, wird sich aber hoffentlich nach und nach ändern.
  • Das Verhältnis von Lehrern und Schülern muss sich ändern. Lehrer haben eine unbestreitbare Vorbildrolle. Diese müssen sie annehmen, in dieser Rolle aber auch zeigen, dass sie selbst lern- und kritikfähig sind. Konkret bedeutet dies: Offensein für Ideen der Schüler, Feedback von den Schülern und an die Schüler institutionalisieren, didaktische Überlegungen ehrlich kommunizieren und den „roten Faden“ der Unterrichtsplanung aufzeigen. Online-Tools (Kursblogs oder -webseiten, Twitter, Commsy-Räume usw.) können hier sinnvoll eingesetzt werden. Lehrer haben natürlich (in der Regel) einen deutlichen Wissensvorsprung, sollten sich aber eher als Anbieter von Lernmöglichkeiten denn als Wissensvermittler verstehen.
  • Im naturwissenschaftlichen Unterricht müssen Experimente eine zentralere Rolle einnehmen. Sie sind nicht bloß „Entertainment“ zwischendurch, sondern dienen zum einen der Wissensgenerierung („Wie kann man untersuchen, ob ….?“) und zum anderen der Wissensüberprüfung („Stimmt es tatsächlich, dass…?“). Sie sollten also in ein didaktisches Gesamtsetting eingebettet sein. Hierzu kann auch mal das Üben einer experimentellen Methode nach einer strikten Anleitung („Kochrezept“) sinnvoll sein. Formen des forschenden Lernens („Plane ein Experiment, um …. zu untersuchen.“) müssen aber selbstverständlicher in den Unterricht eingebettet werden.
  • Die Chancen, die neue Medien bieten, müssen konsequent für den Fachunterricht genutzt werden. Excel vereinfacht den Umgang mit Messungen,  Etherpad’s können zum gemeinschaftlichen Verfassen von Versuchsprotokollen genutzt werden. Experimente, die im Unterricht nicht durchgeführt werden können, werden bei Youtube angeschaut oder mit entsprechender Software simuliert. Wikis und Blogs dienen zum kollaborativen Festhalten von erarbeitetem Wissen und zeigen die Chancen des gemeinsamen Lernens auf. Beiträge aus Mediatheken und Online-Angeboten von Zeitschriften dienen zum Üben, nach welchen Kriterien Quellen im Internet beurteilt werden können. Der Umgang mit Powerpoint, Word und z.B. Prezi kann die Präsentationskompetenz stärken und den Fachunterricht aufwerten.
  • Um das alles umsetzen zu können, müssen Lehrer sich im Umgang mit neuen Medien und Methoden konsequent fortbilden. Ein grundsätzlicher Wandel kann auf Dauer nur Bestand haben, wenn sich in der Breite etwas tut. Diese Entwicklung sehe ich zur Zeit nicht. Natürlich ist hier auch die Lehrerbildung ein wichtiger Ansatzpunkt.

Diese Thesen sind mit Sicherheit nicht alles, was zu diesem Thema zu sagen ist. Vieles davon ist in manchem Unterricht bereits Realität, in vielen Fachräumen aber auch nicht. Dass für die Umsetzung teilweise immense räumliche und zeitliche Ressourcen notwendig sind, ist unbestreitbar. Sinnvoll wären viele der oben umrissenen Maßnahmen in meinen Augen allemal. Oder?

Weitere interessante Gedanken finden sich bei Herrn Larbig. So stellt er fest:

Die Zukunft des Lernens ist seine Vergangenheit und Gegenwart: Lernen ist ein (hirn)physiologischer Prozess, der analog abläuft und heute genau so funktioniert, wie er vor hundert oder tausend Jahren funktioniert hat

Hier muss ich ihm in Teilen widersprechen: Sicherlich funktioniert Lernen grundsätzlich heute genauso wie früher. Jedoch sind „Wissen“ im Sinne von deklarativem, faktenbasierten Wissen und prozedurales Wissen im Sinne von mehr oder minder automatisch ablaufenden „Können“ zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Verschiebt sich die Aufgabe von Schule in Richtung „können“ so heißt dies, dass beispielsweise das regelhafte Feedback-Geben und -Nehmen immer wieder in verschiedenen Kontexten geübt werden muss, damit es zum Automatismus wird. Dies war schon immer so, Schule hat hier in meinen Augen aber durchaus Nachholbedarf.

Volle Zustimmung erhält er von mir aber für die implizite Forderung, dass lernpsychologisches Wissen verstärkt wieder Teil der Ausbildung von Lehrern werden muss. Ich merke das selbst: in meinem Studium taucht Psychologie schlicht nicht auf. Schade und für meine berufliche Praxis vermutlich eher kontraproduktiv. Es verspricht also weiter interessant zu werden ;)

Einsatz von Wikis im Unterricht

Im Rahmen der Begabtenförderung werde ich im Sommer auf der Nachhaltigkeitsakademie des Vereins Jugendbildung in Gesellschaft und Wissenschaft e.V. gemeinsam mit einer Kommilitonin einen Kurs zum Thema „Regenerative Energien“ anbieten. Die Ergebnisse der Arbeit soll – so unsere Vorstellung – in einem Wiki dokumentiert werden. Meine Erfahrungen mit dem Wiki werde ich zu gegebener Zeit an dieser Stelle dokumentieren. Zunächst möchte ich in diesem Blogpost meine Vorüberlegungen vorstellen.

Schließlich weißt Christian Spannagel noch auf einige „Alltagsprobleme“ hin. So seien viele (gerade jüngere) Schüler mit dem Einsatz eines Wikis überfordert und bräuchten für einfach Dinge (Anmelden beim Wiki) unglaublich viel Zeit. Auch sei der kooperative Gedanke nicht so verwurzelt, wie es wünschenswert wäre. Unter anderem dadurch sei dann auch die Motivation der Schüler geringer als erwartet.

Was ist überhaupt ein Wiki?

Ein Wiki […] ist ein  Hypertext-System für Webseiten, deren Inhalte von den Benutzern nicht nur gelesen, sondern auch online direkt im Browser geändert werden können.

Diese Definition aus der Wikipedia sagt wohl fast alles: In einem Wiki können die Betrachter einer Webseite ihren Inhalt direkt ändern und so selbst neue Inhalte generieren. Weitergehend kann man sogar sagen: Sie können auch die durch andere Benutzer erstellten Inhalte ändern und so die Qualität des Inhalts insgesamt sukzessive verbessern. In der Regel wird durch ein recht ausgeklügeltes Backup-System sichergestellt, dass auch alte Artikelversionen noch immer vorhanden sind (bei obigem Artikel zum Beispiel hier). So können alte Versionen durch entsprechend berechtigte Benutzer wieder hergestellt werden.

Logo der Software MediaWiki. Bildquelle: Wikipedia

Die bekannteste Wiki-Software ist das auch für die Wikipedia eingesetzte System MediaWiki. In meinen Augen ist diese Software zur Zeit die ausgereifteste Wiki-Software auf dem Markt. Sie enthält sehr viele Funktionen – die für kleine Projekte natürlich manchmal auch viel zu riesig überdimensioniert sind. Alternativen zu MediaWiki finden sich hier. Gerade für Bildungszwecke kann es auch interessant sein, ein Wiki nicht selbst aufzusetzen, sondern bei einem Service-Provider zu betreiben. Dieses geht beispielsweise bei wikispaces und hat den Vorteil, dass man als Lehrender sich nicht um die Technik hinter dem Wiki kümmern muss.

Unser Einsatzszenario

Wir werden mit circa 20 Beteiligten am Wiki arbeiten. Da sich alle (zukünftigen) Benutzer noch nicht untereinander kennen, wurde das gesamte Wiki zunächst mit einem Kennwort versehen. Das habe ich mit .htacces realisiert: einfach, vergleichsweise sicher und ganz wichtig: wenn alle Teilnehmer einverstanden sind, ist der Verzeichnisschutz auch leicht wieder zu entfernen. So kann das Wiki der breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, ohne direkte Änderungen am Code oder an der Datenbank vornehmen zu müssen.

Da das eigentliche Seminar durch (Kurz)referate inhaltlich vorbereitet werden soll, kommen Themenstellungen und Materialien für die entsprechenden Referate direkt ins Wiki. Das hat auch für uns als Dozenten Vorteile: So können wir beide parallel arbeiten und uns gegenseitig ergänzen bzw. korrigieren. Ein nicht zu unterschätzender Zeitgewinn im Vergleich zu persönlichen Treffen.

Natürlich soll während des Seminars auch in Gruppen gearbeitet werden. Die Ergebnisse dieser Arbeiten können – genau wie die ausgearbeiteten Referate – über das Wiki direkt allen Teilnehmern zugänglich gemacht werden. Die Notwendigkeit, ausufernde PowerPoint-Präsentationen zu erstellen, entfällt somit in weiten Teilen: Oft ist es einfach, einer Wiki-Artikel gut zu strukturieren und dann mit allen gemeinsam die Kernpunkte anhand des Artikels zu besprechen.

Was spricht gegen den Einsatz eines Wikis?

Schaut man sich ein wenig in der Blogosphäre um, so haben viele Blogger sehr zwiespältige Erfahrungen gemacht, die ich an dieser Stelle kurz zusammenfassen möchte. So stellt Maik Riecken fest:

Der Mehrwert [eines Wikis] entsteht für mich erst durch Rückmeldungen, die so motivierend sind, dass sie den Verbesserungs- und Überarbeitungsprozess anzutreiben vermögen. Deswegen versauern m.E. nach einer ersten euphorischen Anfangsphase so viele Schülerblogs.

Ich denke da hat er recht. Das Problem bei allen im Unterricht entstandenen Produkten ist doch: Sie sind (zumindest oftmals) nicht aus eigener Motivation der Schüler heraus entstanden, sondern aus einem durch die Schule geschaffenen Notendruck heraus (ich möchte den Begriff  „extrinsische Motivation“ hier nicht zu sehr strapazieren). Diesen Druck in eigene, „intrinsische“ Lern- und Arbeitsmotivation umzuwandeln, gelingt nicht immer und nicht bei jedem Schüler. Und haben Schüler (genau wie andere Menschen ja auch) keine intrinsische Motivation, so „versauern“ viele Projekte nach Abschluss der Unterrichtseinheit und werden nie wieder gepflegt.

Beim Einsatz eines Wikis ist also zu beachten, dass alle Teilnehmer/Schüler „mit im Boot“ sitzen und den Nutzen gegenseitiger Kritik und Hilfe erkennen. Dies gelingt wohl nicht in allen Klassen.

Ein weiteres Problem reißt Werner Prüher an:

Daher müsste ich bei jedem Lehrgang thematisch ein neues Wiki beginnen. Aber was mache ich mit dem alten Wiki? Als Lernunterlage für die nachfolgenden Schüler? Das ist zu vergessen, das ist wie e-learning aus dem Jahr 2000, völlig unakzeptabel. E-Learning heute heißt: Inhalte erstellen. Der Weg ist das Ziel, niemals das Endprodukt. Das Endprodukt ist als Nachschlagewerk nützlich, aber nicht als Lern- oder Unterrichtsbehelf.

Ich stimme insoweit zu, als die „Verwertung“ des Endproduktes ein Problem darstellt – gerade in Schulen mit festgezurrtem Curriculum, wo sich Themen jährlich wiederholen. Niemand benötigt 10 verschiedene Wikis zum gleichen Thema. Und sich – mit einer neuen Klasse – in ein Thema soweit einzuarbeiten, dass gewinnbringend an einem alten Wiki weitergearbeitet werden kann, ist wohl schwer zu realisieren. Eine Lösung könnte hier nur sein, Wikis für innovative, mehr oder minder einmalige Themen einzusetzen. So stünde – zumindest beim ersten Wiki-Kontakt – dann doch das Produkt im Vordergrund. Haben Schüler dann den Wert von Wikis und ähnlichen Systemen für die Zusammenarbeit erkannt, mag im Idealfall dann tatsächlich „der Weg das Ziel“ sein – und das Problem sich in Luft auflösen.

Schließlich wird der zu Anfang der Wiki-Arbeit sehr hohe Zeitbedarf kritisiert. Dieser hängt aber in meinen Augen sehr stark von der jeweiligen Lerngruppe (Vorerfahrungen, Alter, …) ab.

Was spricht für den Einsatz eines Wikis?

Alle oben genannten Kritikpunkte stellen in meinen Augen zwar gewichtige Argumente für den Verzicht auf ein Wiki in bestimmten Lerngruppen dar, nicht jedoch gegen den Einsatz eines Wikis an sich. Als Vorteile sehe ich:

  • Kollaboration: Durch den Einsatz eines Wikis besteht die Möglichkeit, echte Kollaboration bei den Teilnehmern zu erreichen. So können im Idealfall alle Teilnehmer am gleichen Text arbeiten, sich gegenseitig konstruktiv kritisieren (und solche Formen der Kritik einüben) und ein äußerst hochwertiges Produkt entwickeln.
  • Entkopplung der Lernzeit aus dem starren Schulrhythmus. An einem Wiki kann immer gearbeitet werden, egal zu welcher Uhrzeit. So wird den Teilnehmern zum einen eine wesentlich größere Freiheit gegeben – zum anderen aber auch eine erhebliche Eigenverantwortung für das eigene Lernen. Steffen Obeling merkt hierzu an, dass in Unterrichtssituationen das Wiki aber natürlich sinnvoll in den Kontext des Unterrichts integriert sein muss und es klare Regeln bezüglich Formaler und Kommunikativer Aspekte geben muss. Volle Zustimmung zu dieser Anmerkung.
  • Förderung von Medienkompetenz. Durch das Erlernern des Wiki-Codes und dem Umgang mit einem Wiki erwerben die Teilnehmer wichtige Fähigkeiten beim Umgang mit einem Wiki und anderen Internetsystemen. Dies könnte beispielsweise auch darin münden, dass Teilnehmer sich für die Arbeit in der Wikipedia begeistern.
  • Steffen Obelingt weißt noch auf einen weiteren Punkt hin: Durch ein (Media)Wiki werden Produktionsprozesse von Wissen und Inhalt sichtbar dokumentiert. So hat auch der Lehrer die Möglichkeit, die Aktivität der einzelnen Schüler über die Logs nachzuvollziehen. Kritisch möchte ich hierzu aber anmerken: Wird die Qualität/Quantität der Einzelbeiträge in irgendeiner Form bewertet, so steigt in meinen Augen die Hemmschwelle, etwas zum Wiki beizutragen. Wenn eine Benotung vorgenommen werden muss, dann eine des Endproduktes. Trotzdem: Die Logs eines Wikis bieten unglaubliche Möglichkeiten, den Produktionsprozess explizit im Unterricht zu reflektieren.

Dinge, die berücksichtigt werden müssen

Absolut sinnvoll finde ich die „10 Best Practices“ von Barbara Schröder. Bei der Konzeption des Wikis für unser Seminar waren und sind sie mir eine große Hilfe. Unter anderem plädiert sie dafür, Regeln und Erwartungen an die Lerngruppe klar zu formulieren.

Wie oben bereits erwähnt: Sowohl aus Gründen des Copyrights als auch aus Datenschutzgründen sollte ein Wiki meiner Meinung nach nur allgemein zugänglich gemacht werden, wenn alle Beteiligten sich damit einverstanden erklären – und sich an Copyrights halten. Ich halte es daher für sinnvoll, zuerst mit höheren Sicherheitsstufen zu arbeiten.

Und schließlich das Wichtigste überhaupt: Damit kein Teilnehmer an einem Wiki-Projekt überfordert wird, muss die Technik eines Wikis, die dahinterstehenden Grundgedanken, die Handhabung, die Anmeldung, … gemeinsam mit ausreichend Zeit geübt werden. Denn nur, wenn man weiß, wie es funktioniert, kann ein Wiki ein Projekt voranbringen. Wie gesagt: Über meine Erfahrungen werde ich zu gegebener Zeit berichten.