E-Learning-Erfahrungen – #opco11

Ich nehme die Frage auf der #opco11-Webseite zum Anlass, einmal die im Lehramtsstudium an der Uni Hamburg gemachten Erfahrungen mit E-Learning zu schildern. Gerne würde ich auch über Erfahrungen in Schulpraktika berichten. Doch: Dort habe ich bisher nicht, was sich unter dem Begriff des E-Learnings fassen ließe, wahrgenommen. Schade eigentlich.

E-Learning findet in den Naturwissenschaften hauptsächlich dergestalt statt, dass der Dozent eine Webseite zum Kurs einrichtet. Auf dieser stehen dann einige Informationen, das Skript und eine Kontaktmöglichkeit. Ohne Besuch der Vorlesung haben diese Webseiten kaum einen Wert, erfüllen als Begleitmaterial dann aber durchaus ihren Zweck. Diskussionen der Studenten untereinander oder gar mit dem Dozenten können über die Webseite nicht stattfinden.

Am Fachbereich Erziehungswissenschaft wird viel und gern mit Commsy gearbeitet. Dieses System bildet einzelne Kursräume ab und bietet auch sonst einfache Diskussionsfunktionen und z.B. Möglichkeiten zur Terminabsprache. Genutzt werden Commsy-Räume allerdings in den meisten Fällen als Materialsammlung. Sieht zwar nach Web2.0 aus, ist es aber nicht wirklich. Muss es aber auch nicht sein, es erfüllt seinen Zweck. In einigen Fällen kommen auch hier rege Diskussionen zustande. Dies ist aber die absolute Ausnahme.

Erfahrungen mit E-Learning im eigentlichen Sinne, wo das Internet also nicht als bloßes Transportmedium genutzt wird, habe ich im institutionellen Rahmen keine gesammelt. Eher aus Bequemlichkeit nutze ich natürlich Wikipedia zur Recherche. Außerdem blogge ich gern. Ich schaue mir Simulationen an, wenn ich physikalische Gleichungen nicht auf Anhieb verstehe. Ich stelle anderen in Foren Fragen, wenn ich nicht weiter komme.

Ich erkenne also das Potential des E-Learnings durch eigeninitiative Erfahrungen. Dieses wird aber in meinem direkten Umfeld im institutionalisierten Rahmen – provokant formuliert – überhaupt nicht genutzt.

Sicherlich machen digitale Werkzeuge allein keinen schlechten Unterricht besser. Und sie werden – da stimme ich Herrn Larbig vollkommen zu – auch in Zukunft traditionellere Unterrichtsmethoden und „-werkzeuge“ nicht ersetzen können. Trotzdem bergen sie ein unglaubliches Potential, das in den seltensten Fällen für Schule und Hochschule fruchtbar gemacht wird. Habt ihr ähnliche Erfahrungen – in der Rolle der Lernenden, in der ihr die in einer Veranstaltung genutzten Medien nicht in der Hand habt – gemacht?

ChemZ 2 – Versuche und Erfahrungen

Wie ich mir hätte denken können, war meine Zeit während des Praktikums zu knapp, um regelmäßig über meine Erfahrungen mit ChemZ zu berichten, wie ich mir eigentlich vorgenommen hatte. Jetzt ist das Praktikum seit einigen Tagen vorbei, auch der Praktikumsbericht ist mittlerweile abgegeben. Somit gibt es jetzt keine Ausreden mehr: Meine Erfahrungen mit dem Konzept „Chemie mit medizintechnischem Zubehör“ sollen geschildert werden. In diesem Post möchte ich über verschiedene Methoden der Herstellung von Gasen berichten. In weiteren Teilen möchte ich dann noch auf verschiedene Nachweisreaktionen mit Hilfe von ChemZ eingehen und in einem letzten Post meine Erfahrungen zusammenfassen.

Herstellung von Gasen

Die Darstellung von Gasen mit ChemZ sollte laut Handbuch einfach und unkompliziert sein – und das war sie nach einiger Übung auch. Zunächst probierte ich die Darstellung von Wasserstoff aus, indem ich wenig Magnesiumspäne in die Spritze gab und langsam verdünnte Salzsäure in die Spritze zog. Durch einen Dreiwegehahn lies sich die Spritze leicht verschließen, das Gas entsteht. Die Flüssigkeit kann leicht durch Öffnen des Hahns und Halten des Stempels herausgedrückt werden und man kann das Gas weiter verwenden. Sehr unkompliziert.

Nicht viel schwieriger war die Darstellung von Gasen mit einem vereinfachten Gasentwickler, der auf folgendem Bild zu sehen ist.

Ein einfacher Gasentwickler mit ChemZ
Ein einfacher Gasentwickler mit ChemZ

Unten im Reagenzglas mit Ansatz war beispielsweise Trockenhefe, zugetropft wurde durch einen mit einer Kanüle durchbohrten Stopfen langsam eine Wasserstoffperoxid-Lösung. Die in der Hefe vorhandene Katalase setzt das Peroxid zu Wasser und Sauerstoff um, wobei letzterer über den seitlichen  Ansatz in eine weitere Spritze überführt wurde. Funktionierte alles in allem sehr gut, wenn der ganze Kram auch schäumte wie blöd sehr stark schäumte. Kleiner Tipp: Wirklich langsam tropfen!

Sehr einfach lässt sich auch Kohlenstoffdioxid herstellen – und zwar nach beiden oben geschilderten Methoden. Versuche mit reinen Hydrogencarbonaten und Carbonaten und verdünnter Säure waren nicht so erfolgreich, da sich sehr viele, nur schwer entfernbare Rückstände in Spritzen und Reagenzglas bildete. Wesentlich besser funktionierte das Ganze mit handelsüblichen Brausetabletten: Bereits ein kleines Stück setzt in Kontakt mit Wasser eine schier unglaubliche Menge an CO2 frei, das in einer weiteren Spritze aufgefangen werden kann. Hier bieten sich auch diverse analytische Aufgaben an, die auch im ChemZ-Handbuch geschildert sind.

Charakterisierung der Produkte

Wie man mit ChemZ recht unkomplizierte Nachweisreaktionen durchführen kann, möchte ich in einem separaten Blogeintrag schildern. Dort dann auch noch ein weiteres Schmankerl (Stichwort Kochsalz). In diesem Zusammenhang möchte ich an dieser Stelle nur auf eine Möglichkeit hinweisen, die Dichte von flüssigen und gasförmigen Stoffen relativ einfach mit verblüffend großer Genauigkeit zu bestimmen.

Hierzu wird der Stempel einer Spritze mit einem einfachen Stahlnagel durchbohrt. Ich habe das mit einer Kombination aus Hämmern und einem scharfen Teppichmesser ganz gut hinbekommen. Nun kann man die Spritze mit Hilfe eines Stopfens verschließen, den Stempel gegen das entstehende Vakuum hochziehen und mit dem Nagel arretieren. So erhält man das Leergewicht der Spritze. Wird die Spritze (natürlich mit einem gleichen Volumen Flüssigkeit bzw. Gas) gewogen, so erhält man schnell einen guten Wert für die Dichte. Für die Dichte von Wasser sowie der von mit untersuchten Stoffe konnte ich auf diese Weise ganz gut die Literaturwerte reproduzieren. In der Schule ist diese Messung sonst ja manchmal mit einigem Aufwand verbunden. Zum Abschluss noch ein Bild der von mir präparierten Spritze:

Präparierte Spritze
Präparierte Spritze

Bisher in dieser Artikelserie:

Wissensexplosion in Deutschland

Gerade las ich einen sehr interessanten Artikel bei Spiegel Online über die unterschiedliche Veröffentlichung von Wissen in Deutschland un England im 19. Jahrhundert. Dort wird ein Zusammenhang zwischen der Anerkennung von „Geistigem Eigentum“ und somit einhergehender Limitierung von Auflagen neuer Bücher und der industriellen Entwicklung hergestellt.

In Deutschland, so der Artikel, konnte auf Grund der Zerschplitterung in viele kleine Staaten, kein „geistiges Eigentum“ geschützt werden. Neue Bücher wurden daher oft schnell kopiert und gerade praktische Ratgeber waren auch für viele nicht zur absoluten Elite gehörende Menschen bezahlbar. Es gab geradezu eine Inflation an Ratgeberliteratur in Deutschland die zum schnellen Wandel von der Agrarnation hin zur modernen Industrienation führte.

In England hingegen gab es geistiges Eigentum. Bücher wurden kaum kopiert und nur in geringen Stückzahlen veröffentlicht. Dementsprechend teuer waren sie und dementsprechend wenige Menschen konnten sich eigene Bücher leisten. Die wirtschaftliche Entwicklung in England verlief daher wesentlich langsamer – ausgehend von dem sehr viel höherem technischen Niveau noch zu Anfang des Jahrhunderts – als in Deutschland.

Jedoch waren in Preußen, dem größten Deutschen Staat,  Realgymnasien erst ab 1882 zugelassen, bis 1900 führte das humanistische Gymnasium allein zum Abitur. Wie passt das mit dem in dem Artikel geschilderten Umständen zusammen?

Meine Interpretation: Die Bildungselite pochte weiter auf dem humanistischen Gymnasium als Zugangsvorraussetzung in öffentliche Ämter. Dabei lebten sie aber offenbar an der Realität vorbei: Durch eine – um mit Spiegel Online zu sprechen – unglaubliche Wissensexpansion gerade in naturwissenschaftlich-technischen (und somit tendenziell „realen“) Wissenschaften konnte sich eine deutsche Industrienation überhaupt erst konstituieren und mit anderen europäischen Ländern auf Augenhöhe kommunizieren.

Lehrstellen- und Schulabbrecher Boom?

Gerade lese ich in der sz: Es gibt viel zu wenige Lehrlinge, gerade das Handwerk findet keine Lehrlinge. Das ist zunächst einmal schön und eine freudigere Nachricht als in vielen Lehrjahren zuvor. Doch hat dies für mich einen sehr faden Beigeschmack: Wie kann es sein, dass sich gleichzeitig den Schulabgängern selbst basale Fähigkeiten abhanden kommen?

Schulabgängern fehlten immer öfter die Grundvoraussetzungen für eine Ausbildung, klagen die Betriebe. Mehr als jedes zweite Unternehmen organisiere Nachhilfe und müsse zunehmend ausbügeln, was Elternhaus und Schule versäumt hätten[…]. (Ebenfalls sz)

Dies stimmt doch nachdenklich. Ist unsere Schule so schlecht, dass sie es nicht einmal mehr schafft, unsere Jugendlichen entsprechend auf die Ausbildung vorzubereiten? Oder sind heutige Jugendliche in der Masse dümmer als noch vor wenigen Jahren? Oder haben die Unternehmen – wie die sz schreibt – zu hohe Erwartungen an die Schüler?

Weiter nachdenklich stimmt mich folgende Aussage der ARGE aus Hamburg: 2008 lag die Qute der Hamburger Schüler ohne Hauptschulabschluss bei erschreckenden 8,2%. Und ein Großteil dieser Jugendlichen bekommt entsprechend dann auch keinen Ausbidlungsplatz. Also, woran liegt es? Und wie schaffen wir es aus dieser Misere?

Eine Reform des Schulsystems, wie sie beispielsweise die Linkspartei forderte, bietet in meinen Augen zwar Ansätze zur Verbesserung der Situation, ist aber nicht die Lösung für unsere Probleme. Solange sich die Ausstattung der Schulen und die Wertschätzung der Arbeit der Lehrer in der Gesellschaft nicht grundlegend ändert, werden nur durch eine von außen beschlossene Strukturreform (so sinnvoll ich diese grundsätzlich finde!) keinerlei Probleme beseitig. Passieren müsste hier zum einen ein massiver Ausbau der Ganztagesbetreuung: Hausaufgabenbetreuung direkt und kostenlos in der Schule, gemeinsames Mittagessen – von Lehrern und Schülern, betreute Nachmittagsangebote und vieles mehr. Zum anderen muss die strukturelle Ausstattung gerade im Personalbereich deutlich verbessert werden. Klassen mit 32 Schülern bieten weder für Schüler noch für Lehrer angenehme Arbeitsbedingungen.

Schließlich sollte die Gesellschaft die Arbeit von Pädagogen vermehrt anerkennen. Lehrer haben zwar viele Ferien, arbeiten dafür aber in der Schulzeit umso mehr. Mehr dazu hier, hier oder auch zur Belastung von Lehrern im Berufsalltag hier.

Kurz: Durch viele Reformen kann die Qualität der Schule und somit hoffentlich auch die Leistungen der Schüler deutlich gesteigert werden. Ein Allheilmittel wird aber auch dies nicht sein.

Sind also Schüler heute einfach zu dumm? Das glaube ich nicht, auch wenn hier empirische Studien eher schwierig sein dürften. Was aber wohl wahr ist, ist dass sich die Freizeitgestaltung der heutigen Schülergeneration extrem von derjenigen noch vor wenigen Jahren unterscheidet. So sind in der Mediennutzung Fernsehen und Internet weit vor Büchern. Die Lesekompetenz bei Schülern liese sich wohl schon schlicht dadurch entwickeln, wenn Eltern darauf achteten, dass ihre Kinder häufiger mal zu Zeitung und Buch griffen. Zu genaueren Lesegewohnheiten der Deutschen siehe auch die folgende Grafik aus der Wikipedia.

Zeit, die Deutsche im Durchschnitt mit Lesen verbringen in Abhängigkeit des Lebensalters. Quelle: Wikipedia

Schließlich bleiben noch die Unternehmen: Sie erwarten in meinen Augen häufig, dass die Schule ihnen einen fertigen „Output“ an Facharbeitern liefert. Mit Sicherheit, Schule hat auch die Aufgabe, auf Studium und Beruf vorzubereiten. Die Hauptaufgabe ist aber, die Schüler zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu befähigen und ihnen die nötigen Fähigkeiten zu vermitteln. Dies schließt ein wesentlich breiteres Spektrum an bildungsrelevanten Fähigkeiten und bildungsrelevantem Wissen ein, als dies für den späteren Beruf tatsächlich benötigt wird. Möchten die Unternehmen unkritisch denkende Arbeitskräfte, so sei ihnen empfohlen, doch auf Roboter auszuweichen…