NAka-Nachlese die Erste

Seit Sonntag ist nun eine arbeitsreiche, aber dennoch äußerst schöne Zeit vorbei: Die NachhaltigkeitsAkademie (NAka) des Jahres 2011, bei der ich einen Kurs zum Thema „Regenerative Energien“ geleitet habe. Ein wenig falle ich gerade in ein mittelgroßes Loch, möchte aber dennoch die Gelegenheit nutzen, meine Erfahrungen zu ordnen und zu reflektieren. Ich habe für mich vier größere Themenfelder identifiziert, auf denen ich neues während der NAka gelernt habe:

  •  Ich habe unglaublich viel bei der Planung der ganzen Akademie gelernt. Begonnen beim Zeitmanagement meiner Arbeit und auch des Kurses über didaktische Entscheidungen für oder gegen eine bestimmte Unterrichtsmethode bis hin zur Planung und Ausgestaltung von Leitfragen für die durch die Teilnehmer zu haltenden Referate habe ich viele lehrreiche Erfahrungen sammeln dürfen.
  • Fachlich habe ich mich im Rahmen meiner eigenen Vorbereitung mit verschiedenen, vor allem ingenieurwissenschaftlichen Lehrbüchern zum Thema „Regenerative Energien“ beschäftigt und so Einblicke in die Denk- und Arbeitsweise von Ingenieuren gewinnen können. Diese unterscheidet sich, was ich vorher nie geglaubt hätte, doch manchmal sehr von derjenigen der Physiker.
  • Persönlich habe ich unglaublich wichtige Erfahrungen gemacht.
  • Nicht zuletzt konnte ich auf der Akademie viele methodische Dinge ausprobieren, was in der Schule so kaum möglich gewesen wäre. So haben wir im Kurs mit einem Wiki gearbeitet (die Software, die hinter dem Projekt „Wikipedia“ steckt) und dabei wertvolle Erfahrungen sammeln können. Außerdem hat sich eine aus der Uni bereits bekannte Einsicht bei mir verfestigt: Lernen geschieht meist nicht durch Vorträge, durch das rein rezeptive Aufnehmen von Informationen, sondern durch die aktive Verarbeitung von Informationen, das Anwenden, das Entdecken. Hierzu hatten wir auf der Akademie Zeit und ich hoffe, dass ich mir in meinem späteren Beruf diese Erkenntnis zu Herzen nehmen werde.

Besonders der Punkt „methodisches“ wird mich auch hier im Blog noch in einigen Einträgen beschäftigen. Auf jeden Fall möchte ich meine Erfahrungen mit einem Wiki sehr viel ausführlicher schildern. Außerdem sind Artikel zu einer bestimmten Pro-Kontra-Diskussion und zur Nutzung von Etherpads in Bildungskontexten in Vorbereitung.

Phänomenta, Phänomene, Wagenschein

Am Freitag war ich mit der Uni in der Phänomenta in Flensburg. Es war großartig: wir haben unglaublich viele Experimente ausprobiert und mit ihnen im wahrsten Sinne des Wortes herumgespielt. Dabei haben wir auch noch Vieles über die Physik hinter den Dingen gelernt. Viel mehr möchte ich zu den Inhalten der Phänomenta aber auch gar nicht sagen. Selbst besuchen lohnt sich!

Was mich seit unserem Besuch dort beschäftigt ist ein kurzes Statement unseres Betreuers vor Ort:

Wir leben in einer Informationsgesellschaft, nicht in einer Wissensgesellschaft.

Diese Aussage ist auch in Bezug auf das Thema neue Medien und Veränderung des Lernens durch sie besonders wichtig und liefert mir neue Argumente, um Gunter Dueck zu widersprechen. So machen neue Medien in meinen Augen Experten nicht überflüssig, genauso wenig wie formale Bildung. Um das von ihm gebrachte Beispiel aufzugreifen: Mit Sicherheit hat ein Patient, der einige Zeit gegooglet hat, mehr Informationen über ein spezifisches Thema als beispielsweise der behandelnde Arzt. Jedoch – und das ist der große Unterschied: Der Arzt hat im Normalfall ein wesentlich größeres Wissen. Er kann Krankheiten im Zusammenhang sehen, hat ähnliche Krankheiten bereits behandelt und ist geübt in der Risikoabschätzung. Kurz: Der Arzt hat Wissen. Und genau dieses Wissen unterscheidet den Experten vom informierten Laien.

Um es auf den Punkt zu bringen: Durch die neuen Medien sind Informationen zwar ständig verfügbar. Jedoch sind Informationen, die nicht zu Wissen geworden sind, nur wenig wert. Wissen heißt in diesem Zusammenhang: Sinnliche Erfahrungen mit dem Gegenstand, die Fähigkeit, selbst mit der Information Probleme lösen. Oder, in neuerem pädagogischen Vokabular ausgedrückt, Kompetenz.

Ich will das an einem weiteren Beispiel aus der Physik festmachen: ich kann mir eine Webseite, zum Beispiel aus der wikipedia, durchlesen und erhalte daraus viele Informationen. Nehmen wir – ohne Beschränkung der Allgemeinheit- an, dass es sich um physikalische Gleichungen handelt. Ich kann diese zwar eventuell wiedergeben. Ich habe deswegen aber nichts im eigentlichen Sinn verstanden. Verstehen stellt sich erst ein, wenn Informationen verarbeitet werden. Es muss also (intelligent) geübt, an Experimenten herumgespielt, gerechnet und mit Vorwissen verknüpft werden. Erst dann stellt sich langsam Wissen im Sinne von wirklichem Verstehen ein. Da Verstehen nur, wie auch Herr Larbig schreibt, analog stattfinden kann, muss es offline und mit allen Sinnen geschehen. Welcher Ort eignet sich dazu besser als die Schule? Oder eben die Phänomenta. Das Internet kann bei der Beschaffung von Informationen gute Dienste leisten. Mehr aber auch nicht.

Und was hat Wagenschein damit zu tun? Wir haben die Methode des genetischen Gesprächs kennengelernt. Hierbei achtet der Moderator auf die Einhaltung der Gesprächsregeln:

  1. Nur einer spricht zur Zeit. Es gibt keine „Nachbarschafts-Gespräch“.
  2. Wer etwas sagen möchte, sagt es. Egal, wie sinnvoll es im ersten Moment erscheinen mag.
  3. Es wird streng am Phänomen orientiert diskutiert.

Im Rahmen dieses Gesprächs haben wir tatsächlich ein Exponat der Phänomenta erklärt. Und – das wichtigste: Alle haben es im besten Sinne verstanden. Zwar nicht unbedingt fachsprachlich korrekt. Aber wichtiger ist doch das „Wissen“ in oben erläutertem Sinne, oder? Mehr über das „genetische Gespräch“ findet sich hier.

Außerdem: Das Verstehen – ausgehend von Phänomenen – ist Wagenschein pur. Damit habe ich mich an anderer Stelle schon einmal auseinandergesetzt.