Videovignetten

Die folgenden kurzen Videos („Vignetten“) sind im Rahmen meines Promotionsprojektes entstanden. Sie dürfen nach vorheriger Rücksprache gern für Forschungs- und Unterrichtszwecke genutzt werden. Näheres zum Hintergrund findet sich hier und hier.

Dissertation im Logos-Verlag erschienen

Seit einigen Wochen ist es nun endlich vollbracht: Meine Dissertation ist im Logos-Verlag in der „Gelben Reihe“ der Naturwissenschaftsdidaktik als Buch erschienen. Es ist schon ein schönes Gefühl, das eigene Buch nach über drei Jahren harter Arbeit endlich in Händen zu halten. Insbesondere der Moment, in dem die Autorenexemplare in einem riesigen, schweren Karton bei mir eingetroffen sind. Eine Entschuldigung für das schwere Tragen an dieser Stelle an den freundlichen Paketzusteller… Wer hätte das am Anfang der Promotionszeit gedacht? Ich freue mich jedenfalls wie Bolle.

Wichtig bei der Veröffentlichung war mir, dass das Buch auch Open Access verfügbar ist, also von jedem und jeder Person ohne weitere Hürde lesbar ist. Ich glaube, dass diese Art der Veröffentlichung bei aus öffentlichen Mitteln finanzierter Forschung zum Standard werden sollte. Ein kleiner Hinweis: Die Mehrkosten für eine derartige Veröffentlichung halten sich im Rahmen und bewegen sich im sehr unteren dreistelligen Bereich. Zumindest gilt dies für den Logos-Verlag.

Alles in allem dürfte die Tantieme der VG Wort im nächsten Jahr mehr als ausreichen, um das Buch zu refinanzieren – auch mit Open Access. Daher: Das Buch ist sowohl als Print-Version zu haben – und auch digital unter einer Creative Commons Lizenz. Der Download ist direkt über den Verlag möglich – oder auch über meinen Server. Beachtet die CC-BY-ND-Lizenz!

Die Print-Version trägt den treffenden – aber zugegeben sperrigen – Titel „Orientierungen von Jugendlichen beim Urteilen und Entscheiden in Kontexten nachhaltiger Entwicklung. Eine rekonstruktive Perspektive auf Bewertungskompetenz in der Didaktik der Naturwissenschaft“ und ist über den gut sortierten Buchhandel unter der ISBN 978-3-8325-4434-8 zu beziehen – oder direkt über den Verlag.

F4 geht auch anders: Audiotranskription mit easytranscript

Während meiner Promotionszeit habe ich vor allem F4 zur Transkription benutzt. Da die Universität jedoch keine aktuelle Version von F4 lizenziert hatte, habe ich mich mit einer relativ alten Version herumgeärgert. Geärgert trifft es dabei recht gut: Zwar funktionierte F4 meist zuverlässig, ab und an „verschwanden“ aber ganze Textzeilen (und waren nur noch in Word sichtbar). Mittlerweile habe ich einen neuen PC – und war für meine Staatsexamensarbeit auf der Suche nach einer Alternative.

Die Alternative zu F4: Easytranscript

Und ich kann sagen: Ich habe nach längerer Recherche im Internet eine sinnvolle Alternative zu F4 gefunden. Sie heißt easytranscript, funktioniert sehr zuverlässig und bietet einen zu F4 weitgehend identischen Funktionsumfang. Und das beste ist: easytranscript steht unter der GNU-Lizenz. Als Audioquellen liets easytranscript die gängigen Audioformate, der Output erfolgt – wie auch bei F4 – als Rich-Text-Format-Datei (.rtf). Diese lassen sich dann weiter in Word bearbeiten oder zur Analyse bspw. in MaxQDA öffnen.

Screenshot des Arbeitsfensters von easytranscript

Easytranscript führt den Benutzer intuitiv durch die Erstellung eines neuen Transkripts und bietet einen zu F4 vergleichbaren Audioplayer mit den bekannten Funktionen (Pausieren/Abspielen mit „F4“ oder einem Fußschalter, Vor- und Zurückspulen, langsames Abspielen). Abkürzungen wie z.B. die Namen von Personen lassen sich mit Hilfe von Tastaturkürzeln schnell einfügen – und lassen sich weitgehend personalisieren. Praktisch ist auch die „Stenographie-Funktion“: Hier lassen sich schnell eigene Abkürzungen erstellen, die easytranscript automatisch in die definierten Wörter umwandelt.

Kurz und gut: Easytranscript hat bei mir F4 als Transkriptionssoftware abgelöst. Welche Transkriptionssoftware benutzt ihr?

Stipendien, Stellen, Stolpersteine: Die Finanzierung der Promotion

Geld verdienen während der Promotion - notwendiges Übel? Andreas Hermsdorf / pixelio.de
Geld verdienen während der Promotion - notwendiges Übel? Andreas Hermsdorf / pixelio.de
Geld verdienen während der Promotion –
notwendiges Übel? Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Ist der Entschluss zu promovieren erst einmal gefallen, stellt sich unweigerlich die Frage nach der Finanzierung. Anders gesagt: Wovon möchtet ihr die nächsten Jahre euren Lebensunterhalt bestreiten? Im Wesentlichen bieten sich hierfür drei Möglichkeiten an: Eine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter, ein Promotionsstipendium oder die eigene Berufstätigkeit. Kleine Nebeneinnahmen lassen sich unter bestimmten Voraussetzungen mit Hilfe von Lehraufträgen, Vorträgen, Workshops sowie Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld oder Wohngeld erzielen.

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie zum Thema Promotion in Erziehungswissenschaften.

Rahmenbedingungen: Worauf ist bei der Suche nach einer Finanzierung zu achten?

Der Entschluss für eine der oben skizzierten Finanzierungsmöglichkeiten ist sicher eines nicht: Ein freier. Denn du bist, ist erst einmal ein Betreuer für die Promotion und eine Idee für eine Fragestellung gefunden, an verschiedene Rahmenbedingungen gebunden. Gerade am Anfang ist es in meinen Augen wichtig, diese auch offen mit dem Betreuer zu diskutieren. Es ist zum Beispiel zu klären:

  • Ist überhaupt eine Mitarbeiterstelle verfügbar? Oder gibt es in der Arbeitsgruppe des Betreuers ein Drittmittelprojekt, in dessen Rahmen möglicherweise eine Stelle verfügbar ist?
  • Ist das Thema bereits so konkret, dass eine Bewerbung auf ein Stipendium Aussicht auf Erfolg hat?
  • Wie eingebunden bist du derzeit in eine eigene Berufstätigkeit? Besteht die Chance, diese mit der Promotion möglichst sinnvoll zu verbinden?

Mitarbeiterstellen: Krankenversicherung, Lehre und Universitätsmitgliedschaft

Mit einer Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter sind einige Annehmlichkeiten verbunden: Du bist vollwertiges Mitglied der Universität (in der Statusgruppe des wissenschaftlichen Personals) und kannst als solches an der Wahl des Personalrates oder z.B. in Berufungsausschüssen teilnehmen. Zudem erhälst du, zumindest in Hamburg, einige Annehmlichkeiten: Ein eigenes Büro ist dir sicher, die Ausleihfristen in den Fachbibliotheken sind teilweise länger, du erhälst unkompliziert einen eigenen Schlüssel und eine universitäre E-Mail-Adresse. Zudem bist du, da die Einstellung in der Regel auf Basis des Tarifvertrags der Länder (TV-L) erfolgt, als normaler Arbeitnehmer sozialversichert, d.h. du entrichtest Beiträge in die gesetzliche Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung und bist über denen Arbeitgeber in der Berufsgenossenschaft abgesichert, wenn dir auf dem Weg zur Arbeit etwas passiert. Besonders in der Endphase der Promotion kann das nützlich sein: Nach Ende deiner (befristeten) Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter hast du Anspruch auf Arbeitslosengeld und kannst dieses ggf. zur Fertigstellung deiner Doktorarbeit nutzen.

Die Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Hamburg erfolgt entweder als sogenannte Projektstelle (a) oder auf Basis von § 28, Hamburgisches Hochschulgesetz (b):

  1. du arbeitest in einem Drittmittelprojekt. Deine Dissertation beschäftigt sich in der Regel mit einem Aspekt des Projektthemas, du bist also nicht vollständig frei in der Themenwahl. Allerdings: Du hast meist keine Lehrverpflichtung, die Bezahlung ist u. U. etwas besser und du bist in ein funktionierendes Team eingebunden, das gemeinsam an einem Thema arbeitet.
  2. jede Professur hat eine bestimmte Anzahl dieser Stellen. Die Themenwahl ist hier meist offen, ein konkretes Forschungsprojekt wird gemeinsam mit dem Betreuer entwickelt. Meist sind diese Stellen mit einer (kleinen) Lehrverpflichtung verbunden.

Die Vorteile einer Stelle, insbesondere im Hinblick auf die Sozialversicherung, solltest du keinesfalls unterschätzen. Gerade bei Promotionsstipendien gibt es hier einige Fallstricke, die es unbedingt zu beachten gilt.

Stipendien: Unabhängigkeit – und kaum soziale Sicherung

Gibt es keine passende Stelle, so sind für die meisten Promotionsstipendien ein gangbarer Weg. Im Gegensatz zu den Mitarbeiterstellen bist du hier deutlich freier – und nicht direkt Mitglied der Universität. Einzige Ausnahme: Du bist als Promotionsstudent immatrikuliert. In diesem Fall bist du (ggf. weiterhin) „normaler“ Student und als solcher z.B. für das Studierendenparlament wahlberechtigt. Allerdings sind Dinge wie Schlüssel, Ausleihfristen in Bibliotheken, eine Universitätsadresse für E-Mails und ein Büro etwas schwerer zu bekommen:

  • Schlüssel werden i.d.R. vom Betreuer für dich ausgeliehen. Ein Büro darfst du an der Uni haben und bist insofern den Mitarbeitern beinahe gleichgestellt (siehe auch die entsprechenden Hinweise der Fakultät für Erziehungswissenschaft – an anderen Fakultäten gibt es ähnliche Regelungen).
  • Viele Bibliotheken bieten auch für Doktoranden (die als solche immatrikuliert sind) entsprechend längere Ausleihfristen an. Nachfragen lohnt sich!
  • An der Uni Hamburg bekommst du eine universitäre E-Mail-Adresse mit Hilfe eines speziellen Antrags.

Das schöne am Stipendiaten-Dasein: Du bist weitestgehend unabhängig! Dein Betreuer ist dein Betreuer (und nicht gleichzeitig dein Dienstvorgesetzter), du musst keinen Urlaub einreichen und hast keine Lehrverpflichtung. Zudem kannst du dich ganz dem Thema widmen, auf das du Lust hast. Der Nachteil: Du bist nicht sozialversichert.

Als Stipendiat musst du dich i.d.R. freiwillig gesetzlich versichern. Es soll immer wieder Krankenversicherungen geben, die dich als Student krankenversichern. Hartnäckig bleiben und bei vielen Versicherungen anfragen lohnt sich hier! Andernfalls musst du dich selbst versichern, das kostet in der gesetzlichen Krankenversicherung – je nach Höhe des Stipendiums – ca. 200 € pro Monat. Die Sache sieht nur anders aus, wenn du über deine Eltern oder deinen Ehepartner familienversichert sein kannst. In diesem Fall zählt dein Stipendium nicht als Einkommen und die Versicherung ist unproblematisch. Falls sich eine Versicherung hier querstellt, lohnt ein Blick in das gemeinsame Rundschreiben der gesetzlichen Krankenversicherungen zum Gesamteinkommen. Die GEW hat zum Thema Sozialversicherung in der Promotion einen Ratgeber veröffentlicht, der deutlich weitreichendere Informationen bietet.

Bleibt die Frage: Wo und wie finde ich eigentlich ein Promotionsstipendium?

Die großen Begabtenförderungswerke

Im Grunde hat jede im Bundestag vertretene Partei eine parteinahe Stiftung, die (auch) Promotionsstipendien vergibt. Die Rahmenbedingungen und Förderhöhen sind hier sehr unterschiedlich. Für Informationen möchte ich daher auf die Webseiten der Stiftungen verweisen.

Neben den parteinahen Stiftungen gibt es entsprechende Stiftungen der großen Religionsgemeinschaften. Voraussetzung für die Förderung ist meist, dass der zukünftige Stipendiat Mitglied der jeweiligen Glaubensgemeinschaft ist:

Parteiunabhängig ist die darüber hinaus die Studienstiftung des deutschen Volkes sowie die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung und die Stiftung der deutschen Wirtschaft. Für Promotionen in Hamburg lohnt sich auch ein Antrag auf Stipendien nach Hamburgischem Gesetz zur Förderung des wissenschaftlichen und künstlerischen Nachwuchses.

Ich selbst habe mich damals bei mehreren Stiftungen beworben. In den einzelnen Bewerbungsverfahren wurde mir das nicht zum Nachteil ausgelegt. Meiner Einschätzung nach sollte man jedoch darauf achten, dass die Stiftungen untereinander „weltanschaulich kompatibel“ sind. So scheint aus meiner Perspektive eine Bewerbung bei der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Hans-Böckler-Stiftung eher unproblematisch, während eine gleichzeitige Bewerbung bei der Ebert-Stiftung und der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung möglicherweise unangenehme Fragen provoziert.

Kleinere Stiftungen

Neben den „großen“ Stiftungen gibt es eine Vielzahl kleinerer, auf einzelne Zielgruppen oder Themen fokussierte Stiftungen. Allen voran kenne ich aus eigener Anschauung die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Für Erziehungswissenschaftler kann auch die Gerda-Henkel-Stiftung eine gute Anlaufstelle bilden.

Darüber hinaus ist es beinahe aussichtslos, die Vielzahl kleinerer Stiftungen hier aufzuführen. Hilfreich sind hier die folgenden Quellen:

  • Die GEW bietet einen umfangreichen Überblick über verschiedene Promotionsstipendien (Leider nur noch im WebArchive zu finden). Neben den ‚klassischen‘ Förderungsmöglichkeiten der Begabtenförderungswerke finden sich hier auch etwas exotischere Stipendien, die meist auf bestimmte Zielgruppen oder Themengebiete fokussiert sind.
  • Der Stipendienlotse des BMBF bietet den wohl besten Überblick über verschiedene Stiftungen und bietet eine komfortable Suchfunktion. Nur Mut!

Arbeiten neben der Promotion

Es ist natürlich auch möglich, neben der Promotion zu arbeiten. Dies sollte jedoch vorher gut überlegt sein, da der Zeitbedarf für die Promotion selbst meist höher ausfällt, als man zu Anfang denkt. Oftmals gut mit einem Stipendium (oder auch einer Projektstelle) zu vereinbaren sind Anstellungen an der Uni selbst, bspw. in Form eines Lehrauftrages. Auch Nachhilfe oder die Arbeit in der Gastronomie werden von einigen Doktoranden gern durchgeführt, da sie zeitlich flexibel zu gestalten sind.
Berufe mit regulären Arbeitszeiten sind meiner Erfahrung nach schwieriger mit der Promotion zu vereinbaren, da es oftmals schwierig ist, sich für Tagungen oder Treffen der Arbeitsgruppe frei zu nehmen. Hier sollte man vor Beginn der Promotion genau überlegen, inwieweit es sinnvoll, möglich und notwendig ist, neben der Promotion zu arbeiten.

Weitere Finanzierungsmöglichkeiten

Unter Umständen kann es sinnvoll sein, weitere Finanzierungsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Gerade für Kongressreisen ist das DAAD-Programm eine sinnvolle Option und kann die Teilnahme an Tagungen im Ausland möglich machen. Ein (erfolgloser) Antrag beim DAAD ist darüber hinaus meist die Voraussetzung, um an Fördertöpfe der Uni oder Sonderförderungen der einzelnen Stiftungen zu gelangen.

Auch die FAZIT-Stiftung vergibt Reisestipendien, auf die man sich mit  einem konkreten Vorhaben bewerben kann. Zudem ist es möglich, sich dort für einen Zuschuss zu den Druckkosten der Dissertation zu bewerben – auch diese wollen schließlich am Ende der Promotionszeit finanziert werden.

Gerade wer bereits Familie hat, hat unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Wohngeld. Dabei handelt es sich um eine Sozialleistung, die vom Einkommen der Haushaltsmitglieder abhängt. Ob (realistische) Ansprüche auf Wohngeld bestehen, kann mit verschiedenen Wohngeldrechnern im Internet überprüfen. Ein Antrag ist recht einfach möglich.

Darüber hinaus bieten viele Fachgesellschaften Förderungen für bestimmte Vorhaben, z.B. Forschungsaufenthalte im Ausland oder die Teilnahme an entsprechenden Kongressen an. Hier lohnt es sich, im Vorwege die Förderungsmöglichkeiten in seinem jeweiligen Fachgebiet zu recherchieren. Für die Naturwissenschaftsdidaktik bietet die DPG entsprechende Fördertöpfe, auch die GDCP fördert oftmals die Teilnahme von Promovierenden an ihren Tagungen. Die ESERA vergibt alljährlich einen Travel Award, mit dessen Hilfe ein kurzer Aufenthalt an einer Hochschule im europäischen Ausland möglich ist.

Ein Fazit: Was soll ich tun?

Welche Art der Finanzierung für dich sinnvoll ist, lässt sich nicht allgemeingültig beantworten. Vielmehr hängt dies von den Rahmenbedingungen (siehe oben), deiner beruflichen und familiären Situation sowie deinen persönlichen Zielen und Wünschen ab. Die soziale Absicherung ist im Allgemeinen bei Mitarbeiterstellen deutlich höher, die persönlichen Freiheiten bei Stipendien. Der Verdienst ist insgesamt vergleichbar, wobei meist durch die Notwendigkeit, eine Krankenversicherung zu finanzieren, das Nettoeinkommen bei Stipendien etwas geringer ausfällt.

Promotion – Ja oder Nein?

Ja oder Nein
Foto: berwis / pixelio.de

Am Beginn meiner kleinen Artikelserie zum Thema Promotion steht eine Frage, die vermutlich für die meisten von euch ebenfalls zu Beginn geklärt werden muss: möchte ich eigentlich promovieren?

Die Beantwortung dieser Frage setzt vor allem voraus, sich über die eigene Motivation für die Promotion klar zu werden – und über die Rahmenbedingungen, unter denen man das Promotionsprojekt durchführt. Sollte man später zu dem Entschluss kommen, nicht zu promovieren, so gibt es hierfür sicherlich gute Gründe – genauso wie für eine Entscheidung für die Promotion.

Die Motivation zur Promotion

Am Anfang steht meist eine eher diffuse Überlegung: Könnte das nicht etwas für mich sein? Manchmal ist der Auslöser eine Frage des Professors nach den eigenen Plänen für die Zeit nach dem Studium, manchmal das Interesse für eine bestimmte Fragestellung. Im Idealfall kommt beides Zusammen: Ein (zukünftiger) Betreuer, mit dem man sich gut versteht, der seine Doktoranden nach Kräften unterstützt und hinter ihnen steht – und das Interesse für das Thema der Dissertation. Daneben sollte man sich trotzdem darüber klar werden, ob man selbst auch alle weiteren Voraussetzungen erfüllt. Hierzu ist es hilfreich, sich selbst einige Fragen zu beantworten:

  • Warum möchte ich eigentlich Promovieren? Ist es echtes inhaltliches Interesse – oder bin ich nur „an den zwei Buchstaben“ interessiert?
  • Welche Vor- und Nachteile hat der Doktortitel für meinen späteren Beruf? Man denke hier an sowohl an finanzielle Aspekte als auch an Fragen der Reputation oder von Jobperspektiven innerhalb wie außerhalb der Wissenschaft.
  • Ist mein soziales Umfeld bereit, mich bei der Promotion zu unterstützen? Dieser Aspekt sollte nicht unterschätzt werden, da z.B. eine feste Partnerschaft eine große Stütze während der Promotionszeit sein kann – gleichzeitig aber möglicherweise auch unter der Promotion leidet (prekäre finanzielle Situation, Stress des Doktoranden etc.)
  • Bin ich in der Lage, meine Arbeitszeit  selbsttätig zu organisieren und mich zum Arbeiten zu motivieren? Die Promotion erfordert dies ohne Frage. Vieles lernt man „unterwegs“, ein wenig Talent sollte man in meinen Augen hierfür jedoch bereits mitbringen.

Als Hilfe bei der Klärung der eigenen Motivlage gibt es z.B. eine Checkliste des Promotionsratgebers.

Gute Gründe für – und gegen! – die Promotion

Es gibt meiner Ansicht nach viele gute Gründe – gerade auch dann, wenn man wie ich ein Lehramtsstudium absolviert hat – weiter wissenschaftlich zu arbeiten (näheres zu meinem eigenen Promotionsprojekt erfahrt ihr hier und hier). Ich empfinde die Promotionszeit als große Bereicherung, da ich einerseits die Möglichkeit habe, mich intensiv mit einem Thema zu befassen, das mich interessiert. Andererseits – und das ist möglicherweise ein noch wichtigerer Aspekt – kann ich immer wieder über den Tellerrand hinausschauen. Ich bekomme immer wieder mit, woran andere Doktoranden arbeiten, habe Einblick in ihr spannendes Material und Gelegenheit, mich mit ihnen auszutauschen. Dies setzt natürlich die aktive Vernetzung mit Anderen voraus. Außerdem bekomme ich im Rahmen von Tagungen, Kolloquien und Sitzungen meiner Arbeitsgruppe immer wieder neue Einblicke und Denkanstöße in aktuelle Fragestellungen der Fachdidaktik. Eine so intensive Beschäftigung war im Studium nicht denkbar und ich würde soweit gehen, dass sich durch die Promotionszeit mein Blick auf Unterricht deutlich verändert hat. Das empfinde ich – zumindest im Moment, wo ich noch nicht selbst in der Schule unterrichte – als großen Gewinn.

Allein der Wunsch nach einem Titel ist in meinen Augen kein Guter Ratgeber, sich für die Promotion zu entscheiden. Man sollte nicht unterschätzen, dass die Promotionszeit eine lange Zeit ist, mit vielen Höhen und Tiefen. Gerade in den Tiefen (Den Krisen der Promotion) gilt es immer wieder, sich selbst zu motivieren. In den meisten Fällen funktioniert dies vermutlich besser, wenn man selbst für ein Thema „brennt“, sich nicht überwinden muss, am Promotionsprojekt zu arbeiten.

Ebenfalls schwierig wird die erfolgreiche Beendigung des Promotionsprojekts vermutlich dann, wenn schlicht die Zeit für die Arbeit an der Promotion fehlt. Muss man nebenbei für seinen Lebensunterhalt, vielleicht gar den Lebensunterhalt der eigenen Familie sorgen, ist man mit Hobbies oder der Pflege eines Angehörigen zeitlich stark eingespannt, so fällt es entsprechend schwer, Zeit für die Arbeit am eigenen Projekt zu finden. All diese Rahmenbedingungen gilt es im Vorfeld einer Promotion zumindest anzudenken.

Was also tun? Hilfreich ist es, sich im Vorfeld mit Menschen zu unterhalten, die selbst promovieren, wenn möglich in einem vergleichbaren Fachbereich. Hier bietet sich die einmalige Möglichkeit, Erfahrungen aus erster Hand zu erlangen und ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob das „etwas für mich ist“. Traut euch und sprecht jemanden an!

In jedem Fall stellt der Beginn der Promotion eine wichtige Weiche in eurem Leben – und diese Entscheidung sollte man in meinen Augen nicht überstürzen, sondern sich über die Motive klar werden. Nicht jeder muss promovieren, um später erfolgreich zu werden. Schon gar nicht ist die Promotion Voraussetzung für ein glückliches Leben (auch wenn sie natürlich, bleibt man in der Wissenschaft, einen gehörigen Beitrag zur eigenen Zufriedenheit leisten kann). Auch eine bewusste Entscheidung gegen die Promotion kann eine sehr gute Entscheidung sein!

 

Dieser Artikel ist der Anfang einer längeren Serie zum Thema Promotion. Zur Übersicht über alle geplanten (und bereits erschienenen) Artikel geht es hier.

(Beitragsbild: berwis  / pixelio.de)

Die Promotion: Peer-to-Peer-Beratung an der Fakultät für Erziehungswissenschaft

Terminkalender. Bildquelle: Andreas Hermsdorf / pixelio.de
Die Tastatur - ein unverzichtbares Hilfsmittel zum Verfassen einer Doktorarbeit (Bildquelle: Jorma Bork / pixelio.de)
Die Tastatur – ein unverzichtbares Hilfsmittel zum Verfassen einer
Doktorarbeit (Bildquelle: Jorma Bork / pixelio.de)

Seit Oktober 2014 habe ich die Peer-to-Peer-Beratung für Promovierende und Promotionsinteressierte an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Uni Hamburg übernommen. Das Ziel der Beratung ist es, Promovierenden und solchen die es werden wollen eine Anlaufstelle für Fragen und Probleme zu bieten – und zwar in einem informellen, vertrauten Rahmen, der Raum für intensive Gespräche und den Austausch von Erfahrungen bietet. Im Rahmen der Beratung können zum Beispiel Fragen zur Finanzierung einer Promotion, zum Schreiben eines Exposés oder  auch zum Leben als Promovierender besprochen werden.

Einerseits gibt es die Möglichkeit, mich per Mail zu erreichen (promotionsberatung.ew {at} uni-hamburg.de). Andererseits gibt es natürlich auch die Möglichkeit, mich in meiner Sprechstunde zu besuchen. Diese findet jeden 1. und 3. Dienstag im Monat jeweils von 17-18 Uhr in Raum 309 (Von-Melle-Park 8, Hamburg) statt. Alle aktuellen Termine (und ggf. Abweichungen von diesen) finden sich auf meiner persönlichen Webseite an der Uni Hamburg.

Neben diesen Kontaktmöglichkeiten möchte ich nach und nach einige wichtige Informationen zum Thema Promotion hier zusammentragen. Diese dienen mir als kleine Gedankenstütze – und hoffentlich dem einen oder anderen Hilfesuchenden als erster Rat. Ich möchte deshalb in den nächsten Wochen und Monaten in Form einer kleinen Artikelserie verschiedene Themen beleuchten, die in der Beratung immer wieder diskutiert werden. Diese Serie findet ihr hier im Blog. Die einzelnen Artikel werde ich bei Bedarf dann jeweils erweitern und überarbeiten. Eine Übersicht über die bereits erschienenen Beiträge (und einige der geplanten) findet ihr immer auf dieser Seite. Bei Interesse setzt euch daher gern ein Lesezeichen – oder ihr sucht nach Artikeln in der Kategorie Promotion.

Bisher in der Reihe „Promotion“ erschienene (und geplante) Artikel

  1. Übersicht und Einleitung
  2. Promotion in Erziehungswissenschaft – Promovieren Ja oder Nein?
  3. Stipendien, Stellen, Stolpersteine: Die Finanzierung einer Promotion.
  4. Die Themenfindung
  5. Das Exposé: Wie? Was? Für wen?
  6. Kummulative Promotion oder Monographie: Eine Grundsatzentscheidung.
  7. Was gilt es beim Promotionsverfahren an der Uni Hamburg zu beachten?
  8. Literaturverwaltung: Von Anfang an Ordnung in die Unordnung bringen mit Citavi und Co.
  9. Strukturiertes Schreiben: Office, Openoffice, LaTeX und Co.
  10. Hilfsmittel für qualitative Forschung: MaxQDA und Datenbanksysteme
  11. Stolpersteine und Probleme bei der Promotion: Wie behält man die Motiavtion?
  12. Geld verdienen nebenbei: Die VG Wort
  13. Korrekturlesen, Lektorate und die liebe Zeit: Die Dissertation schreiben
  14. Die Prüfung: Auswahl der Gutachter, Disputation, Urkunde
  15. Die Publikation: Online? Offline? Druckkosten?

(Quelle des Titelbildes: Andreas Hermsdorf  / pixelio.de)