Mobile learning – Altes Lernen in neuem Gewand

Thema dieser noch frischen Woche des opco11 ist das Mobile Learning. Höchst interessant und doch ein weites Feld…

Zuallererst habe ich mir die Frage gestellt: Was ist das überhaupt – mobile Learning? Natürlich liegt der Fokus des OpenCourse eher auf tollen neuen Tools in Web2.0-Manier. Und auch Wikipedia sagt zum Stichwort M-Learning:

Unter M-Learning wird allgemein das Lernen mit portablen ubiquitären Medien bzw. mobilen Medien überall und zu jeder Zeit verstanden.

Das Wörtchen „ubiquitär“ deutet hier tatsächlich an, dass es beim M-Learning um rechnergestütztes Lernen geht. Ich möchte jedoch die obige Definition einmal weiter auslegen und zu diesem Zweck das Wörtchen „ubiquitär“ einmal vollständig ignorieren. Mit eigenen Worten kann ich das mobile Lernen also ungefähr so definieren:

Mobile Learning ist jedes Lernen, das außerhalb des Schreibtisch bzw. Klassenraums bzw. Hörsaals stattfindet.

Eine Einschränkung ist allerdings noch nötig: Unter Mobile-Learning verstehe ich bewusstes Lernen. Dieses bewußte Lernen ist natürlich neben dem unbewussten Lernen, dem Aufnehmen und Verarbeiten von Sinnesreizen, nur ein kleiner Teil von „Lernen“. Aber gerade das bewußte, intentionale Lernen ist ja das, worum es in Bildungskontexten (zum größten Teil) geht.

Lege ich meine Definition zu Grunde kann ich sagen, dass ich „mobil“ vor allem durch zwei Dinge lerne: durch Bücher und durch Gespräche. Beide sind nicht an den Schreibtisch, den Klassenraum oder den Hörsaal gebunden und somit im besten Sinne mobil. Erstere sind immer verfügbar und ich kann leicht Anmerkungen und Gedanken hineinschreiben. Letztere  – der face-2-face-Kontakt – sind für meine ganz persönlichen Lernerfahrungen unersetzlich. Unersetzlich sind technische Spielereien für mich nicht.

Allerdings: In letzter Zeit unterstützt auch ein Smartphone mein mobiles Lernen. Hier nütze ich vor allem den GoogleReader, um über das informiert zu bleiben, was mich interessiert. Auch Twitter und Facebook werden von Zeit zu Zeit genutzt, ebenso wie QR-Code-Reader und dergleichen. Letztlich beschränkt sich meine persönliche Nutzung aber zumeist auf das reine Rezipieren von Texten. Somit hat sich zwar das Medium verändert (Buch -> Smartphone mit RSS-Reader), nicht aber das Lernen an sich. Der für meinen Teil kann ich sagen: Lernen ist für mich genauso mobil wie früher. Nur das Medium ist ein anderes geworden. Wie sieht es bei euch da draußen aus?

Eine kleine Randbemerkung: SicherdeinWeb schlägt eine Brücke zur vorletzten Woche des OpenCourse und klassifiziert Lerntechnologien nach ihren Anwendungsmöglichkeiten in 4 Bereiche (Suche, Austausch, Präsentation, Archivierung). Auch die dort vorgestellten Tools unterscheiden sich sicherlich in ihrem „Mobilitätsgrad“. Und noch mehr: Dieses einfach Schema bietet auch die Möglichkeit, die Möglichkeiten mobilen Lernens auszuloten.Wenn ich dieses kurz versuche: M-Learning (im Sinne der Wikipedia-Definition MIT z.B. Smartphones) kann beim Suchen von Informationen und begrenzt auch dem Austausch helfen. Archivierung und Präsentation wird in der Regel aber nicht auf dem Smartphone unterwegs stattfinden, sondern ganz klassisch: In aller Ruhe am Schreibtisch (Archivierung / Vorbereitung einer Präsentation) oder vor Publikum.

E-Learning-Erfahrungen – #opco11

Ich nehme die Frage auf der #opco11-Webseite zum Anlass, einmal die im Lehramtsstudium an der Uni Hamburg gemachten Erfahrungen mit E-Learning zu schildern. Gerne würde ich auch über Erfahrungen in Schulpraktika berichten. Doch: Dort habe ich bisher nicht, was sich unter dem Begriff des E-Learnings fassen ließe, wahrgenommen. Schade eigentlich.

E-Learning findet in den Naturwissenschaften hauptsächlich dergestalt statt, dass der Dozent eine Webseite zum Kurs einrichtet. Auf dieser stehen dann einige Informationen, das Skript und eine Kontaktmöglichkeit. Ohne Besuch der Vorlesung haben diese Webseiten kaum einen Wert, erfüllen als Begleitmaterial dann aber durchaus ihren Zweck. Diskussionen der Studenten untereinander oder gar mit dem Dozenten können über die Webseite nicht stattfinden.

Am Fachbereich Erziehungswissenschaft wird viel und gern mit Commsy gearbeitet. Dieses System bildet einzelne Kursräume ab und bietet auch sonst einfache Diskussionsfunktionen und z.B. Möglichkeiten zur Terminabsprache. Genutzt werden Commsy-Räume allerdings in den meisten Fällen als Materialsammlung. Sieht zwar nach Web2.0 aus, ist es aber nicht wirklich. Muss es aber auch nicht sein, es erfüllt seinen Zweck. In einigen Fällen kommen auch hier rege Diskussionen zustande. Dies ist aber die absolute Ausnahme.

Erfahrungen mit E-Learning im eigentlichen Sinne, wo das Internet also nicht als bloßes Transportmedium genutzt wird, habe ich im institutionellen Rahmen keine gesammelt. Eher aus Bequemlichkeit nutze ich natürlich Wikipedia zur Recherche. Außerdem blogge ich gern. Ich schaue mir Simulationen an, wenn ich physikalische Gleichungen nicht auf Anhieb verstehe. Ich stelle anderen in Foren Fragen, wenn ich nicht weiter komme.

Ich erkenne also das Potential des E-Learnings durch eigeninitiative Erfahrungen. Dieses wird aber in meinem direkten Umfeld im institutionalisierten Rahmen – provokant formuliert – überhaupt nicht genutzt.

Sicherlich machen digitale Werkzeuge allein keinen schlechten Unterricht besser. Und sie werden – da stimme ich Herrn Larbig vollkommen zu – auch in Zukunft traditionellere Unterrichtsmethoden und „-werkzeuge“ nicht ersetzen können. Trotzdem bergen sie ein unglaubliches Potential, das in den seltensten Fällen für Schule und Hochschule fruchtbar gemacht wird. Habt ihr ähnliche Erfahrungen – in der Rolle der Lernenden, in der ihr die in einer Veranstaltung genutzten Medien nicht in der Hand habt – gemacht?

Warum sich etwas ändern muss! (#opco11 – Woche 1)

So das Thema der ersten Woche des OpenCourses 2011. Ja, warum muss sich eigentlich etwas ändern? Die erste Woche des #opco11 neigt sich dem Ende entgegen, die erste Live-Session ist vorbei und es sind viele interessante Beiträge entstanden. Besonders gewinnbringend finde ich bisher das von @_Rya_ gestartete Etherpad, in dem bereits vielfältige Gedanken geäußert wurden, „warum sich etwas ändern muss“. Die meisten der dort genannten Argumente beziehen sich entweder auf den Einsatz von Medien oder sind eher allgemeindidaktischer Natur. Den dort gemachten Überlegungen kann ich größtenteils zustimmen, finde aber als angehender Chemie- und Physiklehrer auch gerade auf den naturwissenschaftlichen (Fach-)Unterricht bezogene Gründe, „warum sich etwas ändern muss“. Diese möchte ich thesenartig zusammenfassen.

  • Die Methodik des Unterrichts muss sich ändern. Nicht unbedingt zu völlig individualisiertem Lernen hin, aber doch zu einem bunten Mix aus Lernformen. Kein Lehrer kann sich mehr einbilden, eine völlig homogene Klasse vor sich zu haben. Deshalb sind die Zeiten des reinen Frontalunterrichts gezählt. Offenere Unterrichtsformen können neue Technologien einbinden, Frontalunterricht widerspricht dem Grundgedanken des kollaborativen Lernens.
  • Die Inhalte des Unterrichts müssen sich ändern. Reines Faktenwissen ist in meinen Augen zwar nach wie vor notwendig, um reflektiert und sachbezogen Stellung zu verschiedensten Fragestellungen nehmen zu können. Außerdem gehört ein Mindestmaß an Wissen zu dem, was ich unter „Bildung“ verstehe. Mindestens genauso wichtig wie Faktenwissen sind aber methodische Kenntnisse: Wie lerne ich? Wie beurteile ich Wissensquellen? Wie organisiere ich Lernprozesse? Hier können Tools wie Wikis, Blogs, … neue Lernerfahrungen ermöglichen und neue Möglichkeiten aufzeigen.
  • Besonders im naturwissenschaftlichen Unterricht muss weniger auf Fachbegriffe als auf Verstehen gesetzt werden. Das heißt auch für den Lehrer: für die Schüler neue Fachbegriffe hinterfragen, ob diese wirklich notwendig  sind. Die Praxis sieht oftmals anders aus, wird sich aber hoffentlich nach und nach ändern.
  • Das Verhältnis von Lehrern und Schülern muss sich ändern. Lehrer haben eine unbestreitbare Vorbildrolle. Diese müssen sie annehmen, in dieser Rolle aber auch zeigen, dass sie selbst lern- und kritikfähig sind. Konkret bedeutet dies: Offensein für Ideen der Schüler, Feedback von den Schülern und an die Schüler institutionalisieren, didaktische Überlegungen ehrlich kommunizieren und den „roten Faden“ der Unterrichtsplanung aufzeigen. Online-Tools (Kursblogs oder -webseiten, Twitter, Commsy-Räume usw.) können hier sinnvoll eingesetzt werden. Lehrer haben natürlich (in der Regel) einen deutlichen Wissensvorsprung, sollten sich aber eher als Anbieter von Lernmöglichkeiten denn als Wissensvermittler verstehen.
  • Im naturwissenschaftlichen Unterricht müssen Experimente eine zentralere Rolle einnehmen. Sie sind nicht bloß „Entertainment“ zwischendurch, sondern dienen zum einen der Wissensgenerierung („Wie kann man untersuchen, ob ….?“) und zum anderen der Wissensüberprüfung („Stimmt es tatsächlich, dass…?“). Sie sollten also in ein didaktisches Gesamtsetting eingebettet sein. Hierzu kann auch mal das Üben einer experimentellen Methode nach einer strikten Anleitung („Kochrezept“) sinnvoll sein. Formen des forschenden Lernens („Plane ein Experiment, um …. zu untersuchen.“) müssen aber selbstverständlicher in den Unterricht eingebettet werden.
  • Die Chancen, die neue Medien bieten, müssen konsequent für den Fachunterricht genutzt werden. Excel vereinfacht den Umgang mit Messungen,  Etherpad’s können zum gemeinschaftlichen Verfassen von Versuchsprotokollen genutzt werden. Experimente, die im Unterricht nicht durchgeführt werden können, werden bei Youtube angeschaut oder mit entsprechender Software simuliert. Wikis und Blogs dienen zum kollaborativen Festhalten von erarbeitetem Wissen und zeigen die Chancen des gemeinsamen Lernens auf. Beiträge aus Mediatheken und Online-Angeboten von Zeitschriften dienen zum Üben, nach welchen Kriterien Quellen im Internet beurteilt werden können. Der Umgang mit Powerpoint, Word und z.B. Prezi kann die Präsentationskompetenz stärken und den Fachunterricht aufwerten.
  • Um das alles umsetzen zu können, müssen Lehrer sich im Umgang mit neuen Medien und Methoden konsequent fortbilden. Ein grundsätzlicher Wandel kann auf Dauer nur Bestand haben, wenn sich in der Breite etwas tut. Diese Entwicklung sehe ich zur Zeit nicht. Natürlich ist hier auch die Lehrerbildung ein wichtiger Ansatzpunkt.

Diese Thesen sind mit Sicherheit nicht alles, was zu diesem Thema zu sagen ist. Vieles davon ist in manchem Unterricht bereits Realität, in vielen Fachräumen aber auch nicht. Dass für die Umsetzung teilweise immense räumliche und zeitliche Ressourcen notwendig sind, ist unbestreitbar. Sinnvoll wären viele der oben umrissenen Maßnahmen in meinen Augen allemal. Oder?

Weitere interessante Gedanken finden sich bei Herrn Larbig. So stellt er fest:

Die Zukunft des Lernens ist seine Vergangenheit und Gegenwart: Lernen ist ein (hirn)physiologischer Prozess, der analog abläuft und heute genau so funktioniert, wie er vor hundert oder tausend Jahren funktioniert hat

Hier muss ich ihm in Teilen widersprechen: Sicherlich funktioniert Lernen grundsätzlich heute genauso wie früher. Jedoch sind „Wissen“ im Sinne von deklarativem, faktenbasierten Wissen und prozedurales Wissen im Sinne von mehr oder minder automatisch ablaufenden „Können“ zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Verschiebt sich die Aufgabe von Schule in Richtung „können“ so heißt dies, dass beispielsweise das regelhafte Feedback-Geben und -Nehmen immer wieder in verschiedenen Kontexten geübt werden muss, damit es zum Automatismus wird. Dies war schon immer so, Schule hat hier in meinen Augen aber durchaus Nachholbedarf.

Volle Zustimmung erhält er von mir aber für die implizite Forderung, dass lernpsychologisches Wissen verstärkt wieder Teil der Ausbildung von Lehrern werden muss. Ich merke das selbst: in meinem Studium taucht Psychologie schlicht nicht auf. Schade und für meine berufliche Praxis vermutlich eher kontraproduktiv. Es verspricht also weiter interessant zu werden ;)

OpenCourse2011: Ich bin dabei (#opco11)

Am Montag beginnt ein sehr interessantes Experiment für mich: Ich nehme an einem „OpenCourse“ zum Thema „Die Zukunft des Lernens“ teil. Das ganze kostet nichts und die Agenda klingt sehr interessant. Wer noch ein bißchen Zeit über hat: Anmelden!

Ich hoffe, dass ich es schaffen werde, im Laufe des Kurses einige interessante Themen zu verbloggen.