Stipendien, Stellen, Stolpersteine: Die Finanzierung der Promotion

Geld verdienen während der Promotion - notwendiges Übel? Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Geld verdienen während der Promotion –
notwendiges Übel? Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Ist der Entschluss zu promovieren erst einmal gefallen, stellt sich unweigerlich die Frage nach der Finanzierung. Anders gesagt: Wovon möchtet ihr die nächsten Jahre euren Lebensunterhalt bestreiten? Im Wesentlichen bieten sich hierfür drei Möglichkeiten an: Eine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter, ein Promotionsstipendium oder die eigene Berufstätigkeit. Kleine Nebeneinnahmen lassen sich unter bestimmten Voraussetzungen mit Hilfe von Lehraufträgen, Vorträgen, Workshops sowie Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld oder Wohngeld erzielen.

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie zum Thema Promotion in Erziehungswissenschaften.

Rahmenbedingungen: Worauf ist bei der Suche nach einer Finanzierung zu achten?

Der Entschluss für eine der oben skizzierten Finanzierungsmöglichkeiten ist sicher eines nicht: Ein freier. Denn du bist, ist erst einmal ein Betreuer für die Promotion und eine Idee für eine Fragestellung gefunden, an verschiedene Rahmenbedingungen gebunden. Gerade am Anfang ist es in meinen Augen wichtig, diese auch offen mit dem Betreuer zu diskutieren. Es ist zum Beispiel zu klären:

  • Ist überhaupt eine Mitarbeiterstelle verfügbar? Oder gibt es in der Arbeitsgruppe des Betreuers ein Drittmittelprojekt, in dessen Rahmen möglicherweise eine Stelle verfügbar ist?
  • Ist das Thema bereits so konkret, dass eine Bewerbung auf ein Stipendium Aussicht auf Erfolg hat?
  • Wie eingebunden bist du derzeit in eine eigene Berufstätigkeit? Besteht die Chance, diese mit der Promotion möglichst sinnvoll zu verbinden?

Mitarbeiterstellen: Krankenversicherung, Lehre und Universitätsmitgliedschaft

Mit einer Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter sind einige Annehmlichkeiten verbunden: Du bist vollwertiges Mitglied der Universität (in der Statusgruppe des wissenschaftlichen Personals) und kannst als solches an der Wahl des Personalrates oder z.B. in Berufungsausschüssen teilnehmen. Zudem erhälst du, zumindest in Hamburg, einige Annehmlichkeiten: Ein eigenes Büro ist dir sicher, die Ausleihfristen in den Fachbibliotheken sind teilweise länger, du erhälst unkompliziert einen eigenen Schlüssel und eine universitäre E-Mail-Adresse. Zudem bist du, da die Einstellung in der Regel auf Basis des Tarifvertrags der Länder (TV-L) erfolgt, als normaler Arbeitnehmer sozialversichert, d.h. du entrichtest Beiträge in die gesetzliche Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung und bist über denen Arbeitgeber in der Berufsgenossenschaft abgesichert, wenn dir auf dem Weg zur Arbeit etwas passiert. Besonders in der Endphase der Promotion kann das nützlich sein: Nach Ende deiner (befristeten) Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter hast du Anspruch auf Arbeitslosengeld und kannst dieses ggf. zur Fertigstellung deiner Doktorarbeit nutzen.

Die Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Hamburg erfolgt entweder als sogenannte Projektstelle (a) oder auf Basis von § 28, Hamburgisches Hochschulgesetz (b):

  1. du arbeitest in einem Drittmittelprojekt. Deine Dissertation beschäftigt sich in der Regel mit einem Aspekt des Projektthemas, du bist also nicht vollständig frei in der Themenwahl. Allerdings: Du hast meist keine Lehrverpflichtung, die Bezahlung ist u. U. etwas besser und du bist in ein funktionierendes Team eingebunden, das gemeinsam an einem Thema arbeitet.
  2. jede Professur hat eine bestimmte Anzahl dieser Stellen. Die Themenwahl ist hier meist offen, ein konkretes Forschungsprojekt wird gemeinsam mit dem Betreuer entwickelt. Meist sind diese Stellen mit einer (kleinen) Lehrverpflichtung verbunden.

Die Vorteile einer Stelle, insbesondere im Hinblick auf die Sozialversicherung, solltest du keinesfalls unterschätzen. Gerade bei Promotionsstipendien gibt es hier einige Fallstricke, die es unbedingt zu beachten gilt.

Stipendien: Unabhängigkeit – und kaum soziale Sicherung

Gibt es keine passende Stelle, so sind für die meisten Promotionsstipendien ein gangbarer Weg. Im Gegensatz zu den Mitarbeiterstellen bist du hier deutlich freier – und nicht direkt Mitglied der Universität. Einzige Ausnahme: Du bist als Promotionsstudent immatrikuliert. In diesem Fall bist du (ggf. weiterhin) „normaler“ Student und als solcher z.B. für das Studierendenparlament wahlberechtigt. Allerdings sind Dinge wie Schlüssel, Ausleihfristen in Bibliotheken, eine Universitätsadresse für E-Mails und ein Büro etwas schwerer zu bekommen:

  • Schlüssel werden i.d.R. vom Betreuer für dich ausgeliehen. Ein Büro darfst du an der Uni haben und bist insofern den Mitarbeitern beinahe gleichgestellt (siehe auch die entsprechenden Hinweise der Fakultät für Erziehungswissenschaft – an anderen Fakultäten gibt es ähnliche Regelungen).
  • Viele Bibliotheken bieten auch für Doktoranden (die als solche immatrikuliert sind) entsprechend längere Ausleihfristen an. Nachfragen lohnt sich!
  • An der Uni Hamburg bekommst du eine universitäre E-Mail-Adresse mit Hilfe eines speziellen Antrags.

Das schöne am Stipendiaten-Dasein: Du bist weitestgehend unabhängig! Dein Betreuer ist dein Betreuer (und nicht gleichzeitig dein Dienstvorgesetzter), du musst keinen Urlaub einreichen und hast keine Lehrverpflichtung. Zudem kannst du dich ganz dem Thema widmen, auf das du Lust hast. Der Nachteil: Du bist nicht sozialversichert.

Als Stipendiat musst du dich i.d.R. freiwillig gesetzlich versichern. Es soll immer wieder Krankenversicherungen geben, die dich als Student krankenversichern. Hartnäckig bleiben und bei vielen Versicherungen anfragen lohnt sich hier! Andernfalls musst du dich selbst versichern, das kostet in der gesetzlichen Krankenversicherung – je nach Höhe des Stipendiums – ca. 200 € pro Monat. Die Sache sieht nur anders aus, wenn du über deine Eltern oder deinen Ehepartner familienversichert sein kannst. In diesem Fall zählt dein Stipendium nicht als Einkommen und die Versicherung ist unproblematisch. Falls sich eine Versicherung hier querstellt, lohnt ein Blick in das gemeinsame Rundschreiben der gesetzlichen Krankenversicherungen zum Gesamteinkommen. Die GEW hat zum Thema Sozialversicherung in der Promotion einen Ratgeber veröffentlicht, der deutlich weitreichendere Informationen bietet.

Bleibt die Frage: Wo und wie finde ich eigentlich ein Promotionsstipendium?

Die großen Begabtenförderungswerke

Im Grunde hat jede im Bundestag vertretene Partei eine parteinahe Stiftung, die (auch) Promotionsstipendien vergibt. Die Rahmenbedingungen und Förderhöhen sind hier sehr unterschiedlich. Für Informationen möchte ich daher auf die Webseiten der Stiftungen verweisen.

Neben den parteinahen Stiftungen gibt es entsprechende Stiftungen der großen Religionsgemeinschaften. Voraussetzung für die Förderung ist meist, dass der zukünftige Stipendiat Mitglied der jeweiligen Glaubensgemeinschaft ist:

Parteiunabhängig ist die darüber hinaus die Studienstiftung des deutschen Volkes sowie die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung und die Stiftung der deutschen Wirtschaft. Für Promotionen in Hamburg lohnt sich auch ein Antrag auf Stipendien nach Hamburgischem Gesetz zur Förderung des wissenschaftlichen und künstlerischen Nachwuchses.

Ich selbst habe mich damals bei mehreren Stiftungen beworben. In den einzelnen Bewerbungsverfahren wurde mir das nicht zum Nachteil ausgelegt. Meiner Einschätzung nach sollte man jedoch darauf achten, dass die Stiftungen untereinander „weltanschaulich kompatibel“ sind. So scheint aus meiner Perspektive eine Bewerbung bei der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Hans-Böckler-Stiftung eher unproblematisch, während eine gleichzeitige Bewerbung bei der Ebert-Stiftung und der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung möglicherweise unangenehme Fragen provoziert.

Kleinere Stiftungen

Neben den „großen“ Stiftungen gibt es eine Vielzahl kleinerer, auf einzelne Zielgruppen oder Themen fokussierte Stiftungen. Allen voran kenne ich aus eigener Anschauung die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Für Erziehungswissenschaftler kann auch die Gerda-Henkel-Stiftung eine gute Anlaufstelle bilden.

Darüber hinaus ist es beinahe aussichtslos, die Vielzahl kleinerer Stiftungen hier aufzuführen. Hilfreich sind hier die folgenden Quellen:

  • Die GEW bietet einen umfangreichen Überblick über verschiedene Promotionsstipendien (Leider nur noch im WebArchive zu finden). Neben den ‚klassischen‘ Förderungsmöglichkeiten der Begabtenförderungswerke finden sich hier auch etwas exotischere Stipendien, die meist auf bestimmte Zielgruppen oder Themengebiete fokussiert sind.
  • Der Stipendienlotse des BMBF bietet den wohl besten Überblick über verschiedene Stiftungen und bietet eine komfortable Suchfunktion. Nur Mut!

Arbeiten neben der Promotion

Es ist natürlich auch möglich, neben der Promotion zu arbeiten. Dies sollte jedoch vorher gut überlegt sein, da der Zeitbedarf für die Promotion selbst meist höher ausfällt, als man zu Anfang denkt. Oftmals gut mit einem Stipendium (oder auch einer Projektstelle) zu vereinbaren sind Anstellungen an der Uni selbst, bspw. in Form eines Lehrauftrages. Auch Nachhilfe oder die Arbeit in der Gastronomie werden von einigen Doktoranden gern durchgeführt, da sie zeitlich flexibel zu gestalten sind.
Berufe mit regulären Arbeitszeiten sind meiner Erfahrung nach schwieriger mit der Promotion zu vereinbaren, da es oftmals schwierig ist, sich für Tagungen oder Treffen der Arbeitsgruppe frei zu nehmen. Hier sollte man vor Beginn der Promotion genau überlegen, inwieweit es sinnvoll, möglich und notwendig ist, neben der Promotion zu arbeiten.

Weitere Finanzierungsmöglichkeiten

Unter Umständen kann es sinnvoll sein, weitere Finanzierungsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Gerade für Kongressreisen ist das DAAD-Programm eine sinnvolle Option und kann die Teilnahme an Tagungen im Ausland möglich machen. Ein (erfolgloser) Antrag beim DAAD ist darüber hinaus meist die Voraussetzung, um an Fördertöpfe der Uni oder Sonderförderungen der einzelnen Stiftungen zu gelangen.

Auch die FAZIT-Stiftung vergibt Reisestipendien, auf die man sich mit  einem konkreten Vorhaben bewerben kann. Zudem ist es möglich, sich dort für einen Zuschuss zu den Druckkosten der Dissertation zu bewerben – auch diese wollen schließlich am Ende der Promotionszeit finanziert werden.

Gerade wer bereits Familie hat, hat unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Wohngeld. Dabei handelt es sich um eine Sozialleistung, die vom Einkommen der Haushaltsmitglieder abhängt. Ob (realistische) Ansprüche auf Wohngeld bestehen, kann mit verschiedenen Wohngeldrechnern im Internet überprüfen. Ein Antrag ist recht einfach möglich.

Darüber hinaus bieten viele Fachgesellschaften Förderungen für bestimmte Vorhaben, z.B. Forschungsaufenthalte im Ausland oder die Teilnahme an entsprechenden Kongressen an. Hier lohnt es sich, im Vorwege die Förderungsmöglichkeiten in seinem jeweiligen Fachgebiet zu recherchieren. Für die Naturwissenschaftsdidaktik bietet die DPG entsprechende Fördertöpfe, auch die GDCP fördert oftmals die Teilnahme von Promovierenden an ihren Tagungen. Die ESERA vergibt alljährlich einen Travel Award, mit dessen Hilfe ein kurzer Aufenthalt an einer Hochschule im europäischen Ausland möglich ist.

Ein Fazit: Was soll ich tun?

Welche Art der Finanzierung für dich sinnvoll ist, lässt sich nicht allgemeingültig beantworten. Vielmehr hängt dies von den Rahmenbedingungen (siehe oben), deiner beruflichen und familiären Situation sowie deinen persönlichen Zielen und Wünschen ab. Die soziale Absicherung ist im Allgemeinen bei Mitarbeiterstellen deutlich höher, die persönlichen Freiheiten bei Stipendien. Der Verdienst ist insgesamt vergleichbar, wobei meist durch die Notwendigkeit, eine Krankenversicherung zu finanzieren, das Nettoeinkommen bei Stipendien etwas geringer ausfällt.

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