Promotion – Ja oder Nein?

Ja oder Nein

Foto: berwis / pixelio.de

Am Beginn meiner kleinen Artikelserie zum Thema Promotion steht eine Frage, die vermutlich für die meisten von euch ebenfalls zu Beginn geklärt werden muss: möchte ich eigentlich promovieren?

Die Beantwortung dieser Frage setzt vor allem voraus, sich über die eigene Motivation für die Promotion klar zu werden – und über die Rahmenbedingungen, unter denen man das Promotionsprojekt durchführt. Sollte man später zu dem Entschluss kommen, nicht zu promovieren, so gibt es hierfür sicherlich gute Gründe – genauso wie für eine Entscheidung für die Promotion.

Die Motivation zur Promotion

Am Anfang steht meist eine eher diffuse Überlegung: Könnte das nicht etwas für mich sein? Manchmal ist der Auslöser eine Frage des Professors nach den eigenen Plänen für die Zeit nach dem Studium, manchmal das Interesse für eine bestimmte Fragestellung. Im Idealfall kommt beides Zusammen: Ein (zukünftiger) Betreuer, mit dem man sich gut versteht, der seine Doktoranden nach Kräften unterstützt und hinter ihnen steht – und das Interesse für das Thema der Dissertation. Daneben sollte man sich trotzdem darüber klar werden, ob man selbst auch alle weiteren Voraussetzungen erfüllt. Hierzu ist es hilfreich, sich selbst einige Fragen zu beantworten:

  • Warum möchte ich eigentlich Promovieren? Ist es echtes inhaltliches Interesse – oder bin ich nur „an den zwei Buchstaben“ interessiert?
  • Welche Vor- und Nachteile hat der Doktortitel für meinen späteren Beruf? Man denke hier an sowohl an finanzielle Aspekte als auch an Fragen der Reputation oder von Jobperspektiven innerhalb wie außerhalb der Wissenschaft.
  • Ist mein soziales Umfeld bereit, mich bei der Promotion zu unterstützen? Dieser Aspekt sollte nicht unterschätzt werden, da z.B. eine feste Partnerschaft eine große Stütze während der Promotionszeit sein kann – gleichzeitig aber möglicherweise auch unter der Promotion leidet (prekäre finanzielle Situation, Stress des Doktoranden etc.)
  • Bin ich in der Lage, meine Arbeitszeit  selbsttätig zu organisieren und mich zum Arbeiten zu motivieren? Die Promotion erfordert dies ohne Frage. Vieles lernt man „unterwegs“, ein wenig Talent sollte man in meinen Augen hierfür jedoch bereits mitbringen.

Als Hilfe bei der Klärung der eigenen Motivlage gibt es z.B. eine Checkliste des Promotionsratgebers.

Gute Gründe für – und gegen! – die Promotion

Es gibt meiner Ansicht nach viele gute Gründe – gerade auch dann, wenn man wie ich ein Lehramtsstudium absolviert hat – weiter wissenschaftlich zu arbeiten (näheres zu meinem eigenen Promotionsprojekt erfahrt ihr hier und hier). Ich empfinde die Promotionszeit als große Bereicherung, da ich einerseits die Möglichkeit habe, mich intensiv mit einem Thema zu befassen, das mich interessiert. Andererseits – und das ist möglicherweise ein noch wichtigerer Aspekt – kann ich immer wieder über den Tellerrand hinausschauen. Ich bekomme immer wieder mit, woran andere Doktoranden arbeiten, habe Einblick in ihr spannendes Material und Gelegenheit, mich mit ihnen auszutauschen. Dies setzt natürlich die aktive Vernetzung mit Anderen voraus. Außerdem bekomme ich im Rahmen von Tagungen, Kolloquien und Sitzungen meiner Arbeitsgruppe immer wieder neue Einblicke und Denkanstöße in aktuelle Fragestellungen der Fachdidaktik. Eine so intensive Beschäftigung war im Studium nicht denkbar und ich würde soweit gehen, dass sich durch die Promotionszeit mein Blick auf Unterricht deutlich verändert hat. Das empfinde ich – zumindest im Moment, wo ich noch nicht selbst in der Schule unterrichte – als großen Gewinn.

Allein der Wunsch nach einem Titel ist in meinen Augen kein Guter Ratgeber, sich für die Promotion zu entscheiden. Man sollte nicht unterschätzen, dass die Promotionszeit eine lange Zeit ist, mit vielen Höhen und Tiefen. Gerade in den Tiefen (Den Krisen der Promotion) gilt es immer wieder, sich selbst zu motivieren. In den meisten Fällen funktioniert dies vermutlich besser, wenn man selbst für ein Thema „brennt“, sich nicht überwinden muss, am Promotionsprojekt zu arbeiten.

Ebenfalls schwierig wird die erfolgreiche Beendigung des Promotionsprojekts vermutlich dann, wenn schlicht die Zeit für die Arbeit an der Promotion fehlt. Muss man nebenbei für seinen Lebensunterhalt, vielleicht gar den Lebensunterhalt der eigenen Familie sorgen, ist man mit Hobbies oder der Pflege eines Angehörigen zeitlich stark eingespannt, so fällt es entsprechend schwer, Zeit für die Arbeit am eigenen Projekt zu finden. All diese Rahmenbedingungen gilt es im Vorfeld einer Promotion zumindest anzudenken.

Was also tun? Hilfreich ist es, sich im Vorfeld mit Menschen zu unterhalten, die selbst promovieren, wenn möglich in einem vergleichbaren Fachbereich. Hier bietet sich die einmalige Möglichkeit, Erfahrungen aus erster Hand zu erlangen und ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob das „etwas für mich ist“. Traut euch und sprecht jemanden an!

In jedem Fall stellt der Beginn der Promotion eine wichtige Weiche in eurem Leben – und diese Entscheidung sollte man in meinen Augen nicht überstürzen, sondern sich über die Motive klar werden. Nicht jeder muss promovieren, um später erfolgreich zu werden. Schon gar nicht ist die Promotion Voraussetzung für ein glückliches Leben (auch wenn sie natürlich, bleibt man in der Wissenschaft, einen gehörigen Beitrag zur eigenen Zufriedenheit leisten kann). Auch eine bewusste Entscheidung gegen die Promotion kann eine sehr gute Entscheidung sein!

 

Dieser Artikel ist der Anfang einer längeren Serie zum Thema Promotion. Zur Übersicht über alle geplanten (und bereits erschienenen) Artikel geht es hier.

(Beitragsbild: berwis  / pixelio.de)

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