Citavi – oder wie organisiere ich Wissen und schreibe eine Arbeit ohne Plagiatsvorwurf?

Nach meinem Studium habe ich mich dazu entschlossen, meinen Uni-Aufenthalt zu verlängern und in der Physikdidaktik zu promovieren. Zwar bin ich zur Zeit noch auf der Suche nach einem Stipendium, die Arbeit hat trotz allem bereits begonnen. Einen kleinen Einblick in meine Arbeitsweise möchte ich an dieser Stelle geben – in der Hoffnung, dass sie dem Einen oder der Anderen bei der Verfassung einer eigenen Arbeit hilft. Und nein, das muss nicht unbedingt eine Dissertation sein!

Beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit – und vor allem bei der Recherche! – kommen ganz schnell ganz viele Informationen zusammen. Diese wollen organisiert, gespeichert und irgendwann in das fertige Produkt- die eigentliche Arbeit – in einer meist vorgegebenen Art und Weise eingebunden werden. In früheren Zeiten war dies eine sehr mühselige Angelegenheit: Karteikarten wurden in Kästen sortiert, Zettel mit der Schreibmaschine beschrieben, durchgestrichen und neu geschrieben. Ich persönlich bin wirklich froh, dass diese Zeiten vorbei sind, denn heute ist da vieles leichter. Genau wie Jakob mit seinen Schüler habe ich im Rahmen meiner Masterarbeit bereits einige – äußerst positive – Erfahrungen mit einem Programm namens Citavi gemacht.

Was ist Citavi?

Citavi ist ein Programm zur Verwaltung von Literatur. Man kann mit seiner Hilfe nicht nur Literaturverweise speichern, sondern direkt  in verschiedenen Bibliothekskatalogen recherchieren und für das eigene Projekt übernehmen. Darüber hinaus lassen sich z.B. Zeitschriftartikel über die DOI importieren, Bücher über ihre ISBN und vieles, vieles mehr. Allein diese Funktionen erleichtern einem, den Überblick zu behalten. Citavi sorgt am Ende dafür, dass das Literaturverzeichnis der Arbeit richtig formatiert wird.

Prinzipiell fügt man hierzu in sein eigentliches Dokument (Word oder auch LaTeX) einen kleinen Platzhalter an der Stelle ein, an der später der Literaturverweis stehen soll. Auch Zitate, die vorher in Citavi eingepflegt wurden, lassen sich schnell in das Dokument exportieren. Ganz zum Schluss wird die Word-Datei (das LaTeX-Dokument) in Citavi eingelesen und Citavi ersetzt alle Verweise durch entsprechend formatierte Verweise und erstellt automatisch ein nach den Vorgaben formatiertes Literaturverzeichnis.

Für Projekte mit bis zu 100 Einträgen in der Bibliographie ist Citavi kostenfrei nutzbar. Viele Universitäten bieten jedoch eine Lizenz auch für die „große“ Version. Für meine Zwecke hat aber die freie Version meist ausgereicht.

Was kann Citavi darüber hinaus?

Ich möchte nun etwas mehr ins Detail gehen und die von mir häufig verwendeten Funktionen näher vorstellen. Ich nutze Citavi dabei nicht nur zum Formatieren meiner fertigen Arbeit, sondern als umfassendes System zum Wissensmanagement.

Dazu habe ich verschiedene Kategorien und Schlagworte innerhalb von Citavi angelegt. Diese Kategorien erleichtern später die Zuordnung und das Auffinden von Wissen. Diesen Kategorien kann ich dann einzelne Bücher bzw. Artikel, die ich mit Citavi erfasst habe, zuweisen. Zudem ist es für jeden Artikel möglich, Zitate (direkte Zitate, Paraphrasen, Bildzitate, …) in Citavi zu speichern. Diese Funktion nutze ich vor allem, um abschnittsweise Zusammenfassungen direkt beim Lesen schnell und einfach zu speichern. Jedes Zitat lässt sich dabei einzeln mit Schlagworten versehen und auch einer oder mehreren Kategorien zuordnen. Praktisch, oder?

Das Sammelsurium an Zitaten zu einzelnen Kategorien lässt sich bei Schreibbeginn direkt exportieren. Somit hat man als Schreiberling direkt zu Anfang eine grobe Struktur eines Kapitels vor sich. Die „Angst vor dem leeren Blatt“ kann hierdurch in meinen Augen ein wenig abgebaut werden.

Citavi kümmert sich auch um die Verwaltung derjenigen Literatur, die als PDF vorliegt. Letztere lassen sich zu jedem Eintrag einfach importieren und mit einem Citavi-Kurznamen versehen. Dieses Vorgehen beugt unleserlichen Dateinamen vor und hilft, den Überblick zu behalten. Die PDFs lassen sich anschließend direkt aus Citavi öffnen und z.B. mit Anmerkungen versehen. Hier fehlt mir zur Zeit noch ein direkter Import meiner Markierungen aus dem PDF in die Zitateverwaltung von Citavi. Aber was nicht ist…

Schließlich nutze ich ein weiteres Feature der Software – wie ich zugeben muss allerdings eher inkonsequent: Das Verwalten von Aufgaben mit Citavi. Es lassen sich zu jedem Artikel Aufgaben wie

  • lesen
  • Abstract schreiben
  • begutachten
  • entleihen
  • ….

definieren. Ähnlich einer To-Do-Liste lassen sich diese Aufgaben nach und nach erledigen und abhaken. Leider vergesse ich das Abhaken meistens, was den Nutzen doch deutlich einschränkt… Für diszipliniertere Menschen als mich ist dieses Feature aber durchaus interessant.

Wie kann Citavi eingesetzt werden?

Zunächst kann die gewünschte Struktur der Arbeit – so sie in Grundzügen bereits bekannt ist- in Citavi nachgebaut werden. Dies hat den Vorteil, dass Recherchen gleich in die „richtigen Schubladen“ eingeordnet werden können.

Praktisch ist auch, dass Citavi direkt in Katalogen vieler Bibliotheken recherchieren kann. So können die Literaturdaten direkt mit einem Klick importiert werden und man erspart sich viel Arbeit beim Abtippen.

Ich habe anschließend dann erstmal fleißig gelesen und meine Notizen (Wörtliche Zitate und auch Paraphrasierungen) in Zitate direkt unter der entsprechenden Kategorie mit Verweis auf das jeweilige Buch abgelegt. Einfache „Verwechslungen“ alla zu Guttenberg sind hierbei deutlich unwahrscheinlicher als bei Nutzung eines ungeordneten Zettelkastens…

Meinen gesammelten Zitatefundus konnte ich dann während des Schreibens immer wieder direkt in Word importieren – Platzhalter für den Literaturverweis inklusive. So sitzt man nicht direkt vor einem leeren Blatt, läuft allerdings schnell Gefahr, aus Versehen sehr viele Dinge wortwörtlich zu übernehmen, die man nie wörtlich übernehmen wollte. Citavi exportiert sie zwar in Anführungszeichen und mit Literaturverweis, ein wenig Vorsicht ist hier aber durchaus geboten…

Ganz am Schluss kann der gewünschte Zitationsstil in Citavi ausgewählt werden. Und hier kann das Tool eine Menge! Sogar die für mich als Chemiker wichtige Formatierung basierend auf der „Angewandten Chemie“ beherrscht Citavi fehlerfrei. Schön.

Die fertige Datei wird in Citavi eingelesen. Das Programm ersetzt dann alle Platzhalter durch entsprechend formatierte Verweise und erstellt am Ende des Dokuments ein Literaturverzeichnis. Dieses kann dann manuell noch kurz in das eigentliche Inhaltsverzeichnis eingebunden werden – das war es bereits.

Ich habe mit Citavi sehr gute Erfahrungen gemacht und es als große Hilfe empfunden. Wer mag probiert es einfach mal selbst aus und hinterlässt seine eigenen Erfahrungen als Kommentar?! Dieser Artikel kann bei Bedarf gern erweitert werden. Also: Her mit euren Erfahrungen, Erlebnissen, Kritiken.

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