NAka-Nachlese die Dritte: Wikis im Projektunterricht

Ich hatte bereits häufiger schon darüber berichtet (z.B. hier und hier), dass wir ein Wiki im Rahmen eines Projektes einsetzen wollen. Im Sommer, der nun auch schon einige Zeit vergangen ist, war es nun soweit und ich möchte hier nun ausführlich von unseren Erfahrungen und dem Feedback der Teilnehmer berichten. Der Artikel ist der letzte im Rahmen der NAka-Nachlese (Teil 1, Teil 2).

Unser Einsatzszenario

Unser Kurs war in einem hohen Maße kollaborativ: knapp 20 Menschen arbeiteten zeitgleich am Wiki. Auf Grund der Organisationsstruktur des Kurses geschah dies vor allem in 2 Zeitfenstern (1x vormittags, 1x nachmittags). Hierbei hatte jeder Teilnehmer ein eigenes Laptop zur Verfügung, mit dem er auf das Wiki zugreifen konnte. Außerdem stand uns ein größerer Computerraum zur Verfügung, das das drahtlose Netzwerk zeitweise überfordert schien.

Am Ende des Seminars stand die Erstellung einer gemeinsamen wissenschaftlichen Dokumentation. Als Grundlage hierfür dienten den jeweiligen Autoren dann die entsprechenden Wiki-Artikel, die gekürzt und zusammengeführt wurden. Da die Artikel bereits eine hohe sprachliche Qualität aufwiesen, wurde dieser Prozess stark vereinfacht.

Dieser Umstand bedingte jedoch, dass es für jeden Artikel im Wiki einen „Hauptverantwortlichen“ gab. Dieser hatte dafür Sorge zu tragen, dass alle Informationen im Wiki gesammelt werden und das sprachliche Niveau des Artikels akzeptabel ist. Das heißt (und hieß auch tatsächlich) aber nicht, dass nur der Hauptverantwortliche an einem Wiki-Artikel mitschreibt!

Probleme während des Wiki-Einsatzes

Auch für mich war die Administration eines MediaWikis im Wesentlichen Neuland. Daher hatte ich – gerade zu Beginn des Seminars- einige im wahrsten Sinne des Wortes schlaflose Nächte. Das lag vor allem an vielen kleinen, technischen Problemen, die ich im Vorwege nur unzureichend bedacht habe. Im Einzelnen waren dies:

  • nicht funktionierender Bilder-Upload. Kann durch entsprechende Ordner-Berechtigungen behoben werden. Wichtig ist, dass bei einigen Server-Konfigurationen die Überprüfung des MIME-Typs ausgestellt werden muss, damit alles funktioniert. In einem Passwort-geschützten Setting wie dem unsrigen kein großes Risiko.
  • nicht funktionierendes Versions-Management. So stellten sich Probleme ein, als mehrere Menschen gleichzeitig einen Artikel bearbeiteten. Eine Lösung hierzu: Die richtige Pfadangabe zu diff3 und das Wiki über den CGI-Modus von PHP laufen lassen.
  • viele, viele Kleinigkeiten.
Insgesamt daher die Anforderung an die Nutzung eines Wikis: Testen unter realen Einsatzbedingungen. Klingt trivial, trotzdem ist es wichtig. Hierfür muss durch den Administrator ein nicht ganz unbeträchtliches Zeitbudget eingeplant werden. Diese Investition macht sich in meinen Augen aber mehr als bezahlt. Vor allem dienen die gewonnenen Erfahrungen dazu, den Zeitaufwand bei neuen Projekten zu minimieren.
Ein ganz ausdrüchlicher Dank gilt dabei meinem Hosting-Provider all-inkl. Der Support antwortete meist innerhalb weniger Minuten – auch nachts, auch am Wochenende! – und rettete uns aus einigen Verzweiflungstiefs.

Das Feedback der Teilnehmer

Gerade zu Beginn war zu spüren, dass die Teilnehmer unseres Kurses dem Einsatz eines Wikis äußerst skeptisch gegenüberstanden. In einer mittels Google-Docs realisierten Umfrage äußersten die Teilnehmer teils eine große Skepsis gegenüber der Nutzung eines Wikis (siehe Grafik).

Umfrage vor Beginn der Veranstaltung

Umfrage vor Beginn der Veranstaltung

Nur wenige Teilnehmer starteten mit Vorkenntnissen als Wikiauthor (2 Personen) oder gar als Administrator  eines eigenen Wikis (ebenfalls 2). Manche gaben an, über keinerlei Vorerfahrungen zu verfügen.

Vorkenntnisse der Teilnehmer

Dieses Bild drehte sich im Laufe des zwei Wochen andauernden Seminars: Alle Teilnehmer sammelten eigene Erfahrungen, lösten auftretende Probleme und es entstand – unserer Wahrnehmung als Kursleiter nach – eine große Eigendynamik. Diese zeigte sich unter anderem daran, dass tatsächlich mehrere Leute auch außerhalb der Kurszeit selbstständig weiter an Artikeln im Wiki arbeiteten. Dieser Eindruck wurde auch durch die Teilnehmer bestätigt (siehe Grafik). Erleichtert wurde das editieren des Wikis dabei durch einen graphischen Texteditor (FCKEditor, mittlerweile nicht mehr weiterentwickelt. Den Nachfolger habe ich selbst noch nicht getestet).

Anteil der Teilnehmer, die über das Soll hinaus Artikel bearbeitet haben

Das Feedback nach dem Seminar war deutlich weniger von Skepsis geprägt (siehe auch die zusammenfassenden Grafiken weiter unten). Allen Teilnehmern ist die Funktionsweise eines Wikis klarer geworden, als sie es vermutlich im Vorwege des Kurses war. Diese Erkenntnis war ein ganz klares Lernziel von uns: Schüler (und auch Erwachsene) sollten sich in meinen Augen zumindest mit dem Funktionsprinzip eines von ihnen täglich genutzten Werkzeuges (Wikipedia) vertraut machen.

Vielleicht auch auf Grund des graphischen Editors entstand bei einem Großteil (immerhin rund 80%) der Eindruck, ein Wiki sei einfach zu bedienen. Ob dieses Ergebnis so deutlich wäre, hätten wir nicht den graphischen Editor genutzt, muss offen bleiben.

Im Hinblick auf lernpsychologische Aspekte empfand ebenfalls eine große Mehrheit unserer Teilnehmer das Wiki als hilfreich beim Lernen. Durch die Dokumentation aller Ergebnisse für alle in einer gemeinsamen Umgebung wurde der Einzelne natürlich vom Dokumentationsprozess weitgehend entlastet. Diese gefühlte Entlastung – eben nicht jederzeit alles mitschreiben zu müssen – könnte dazu geführt haben, dass sich ebenfalls eine große Mehrheit (ebenfalls ca. 75%) der Teilnehmer in späteren Projekten den Einsatz eines Wikis vorstellen kann. Vergleicht man diese Zahlen mit den eher skeptischen Werten vor dem Seminar, ist dies als ganz klarer Erfolg zu werten.

Funktionsweise eines Wikis

Alles in allem: Das Feedback der Teilnehmer hat mich weiter davon überzeugt, dass ein Wiki sehr lohnenswert in Bildungskontexten eingesetzt werden kann. Allerdings: Wir waren auf dem Seminar keineswegs in einer  alltäglichen Schulsituation. Alle Teilnehmer waren freiwillig dort, die Motivation ist allgemein als sehr hoch zu bezeichnen. Solch günstige Randbedingungen wird man in der Schule nur selten vorfinden. Allerdings ist in der Schule ein weiterer, wichtiger Faktor in größerem Maße vorhanden: Zeit. Die Einführung des Wikis kann dort ganz behutsam, über mehrere Tage oder gar Wochen hinweg, erfolgen.

Zu guter Letzt: Das Wiki auf DVD

Wie bekommt man nun so ein Wiki auf DVD? Sehr gut funktioniert hat es mit der Open-Source-Software „HTTTrack Website Copier„.  Diese speichert – ausgehend von einem Stammverzeichnis – alle Links, Bilder usw. auf der Festplatte, schreibt die Links entsprechend auf die lokalen Dateien um und speichert alles geordnet.

Die Software speichert wirklich alles. Ich habe daher die durch das Programm erzeugte Ordnerstruktur nochmal von Hand durchforstet und einige nicht benötigte Dateien aussortiert. Das Wiki kann nun auf DVD bzw. CD gebrannt werden oder als passwortgeschützte Zip-Datei zum Download zur Verfügung gestellt werden.

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