Wiki-einfach: Media-Wiki-Code mit LibreOffice erstellen

Wie ich vor einiger Zeit schrieb, plane ich im Sommer im Rahmen eines zweiwöchigen Kurses ein Wiki als Plattform für das gemeinsame Lernen einzusetzen. Ein großer Kritikpunkt an MediaWiki ist die Syntax: Sie sei schwierig zu erlernen und entspreche in heutigen Web2.0-Zeiten nicht dem Zeitgeist.

Diese Kritik möchte ich in Teilen entkräften: Zum einen ist die Syntax nur für diejenigen schwer, die sich nie mit einer Markup-Language wie z.B. HTML beschäftigt haben. Zum anderen gibt es mittlerweile sehr brauchbare WYSIWYG-Editoren (“What you see is what you get”), die „MediaWiki“ sprechen. Einer davon ist das aus OpenOffice.org hervorgegangene LibreOffice. Wie das genau funktioniert möchte ich nun kurz erläutern.

Zunächst wird in LibreOffice ein neues Writer-Dokument erstellt.

In diesem Dokument kann nun mehr oder weniger beliebig geschrieben werden. Ich habe einmal Überschriften, normalen Text, Listen und eine Tabelle ausprobiert. Das sah bei mir dann wie folgt aus:

Die Datei kann natürlich als normale .odt-Datei gespeichert werden. Es ist aber eben auch möglich, sie in das MediWiki-Format zu exportieren. Dazu dient die Funktion „Datei -> Exportieren“. Im nun erscheinenden Dialog sollte als Format „MediaWiki (.txt)“ zu lesen sein:

Die Datei wird an beliebiger Stelle gespeichert und kann nun mit einem normalen Editor geöffnet werden. Im normalen Windows-Editor sieht das aufgrund fehlender Zeilenumbrüche recht unschön aus:

Ich habe das einfach mal alles kopiert und im entsprechenden Bearbeiten-Textfeld eines MediaWikis eingefügt. Dort sieht es schon sehr viel hübscher aus:

Wird die Seite nun gespeichert, so erscheint der anfangs erstellte Text direkt im Wiki – ohne sich großartig mit dem Wiki-Code auseinandergesetzt zu haben. Sehr praktisch oder?

Mobile learning – Altes Lernen in neuem Gewand

Thema dieser noch frischen Woche des opco11 ist das Mobile Learning. Höchst interessant und doch ein weites Feld…

Zuallererst habe ich mir die Frage gestellt: Was ist das überhaupt – mobile Learning? Natürlich liegt der Fokus des OpenCourse eher auf tollen neuen Tools in Web2.0-Manier. Und auch Wikipedia sagt zum Stichwort M-Learning:

Unter M-Learning wird allgemein das Lernen mit portablen ubiquitären Medien bzw. mobilen Medien überall und zu jeder Zeit verstanden.

Das Wörtchen “ubiquitär” deutet hier tatsächlich an, dass es beim M-Learning um rechnergestütztes Lernen geht. Ich möchte jedoch die obige Definition einmal weiter auslegen und zu diesem Zweck das Wörtchen “ubiquitär” einmal vollständig ignorieren. Mit eigenen Worten kann ich das mobile Lernen also ungefähr so definieren:

Mobile Learning ist jedes Lernen, das außerhalb des Schreibtisch bzw. Klassenraums bzw. Hörsaals stattfindet.

Eine Einschränkung ist allerdings noch nötig: Unter Mobile-Learning verstehe ich bewusstes Lernen. Dieses bewußte Lernen ist natürlich neben dem unbewussten Lernen, dem Aufnehmen und Verarbeiten von Sinnesreizen, nur ein kleiner Teil von “Lernen”. Aber gerade das bewußte, intentionale Lernen ist ja das, worum es in Bildungskontexten (zum größten Teil) geht.

Lege ich meine Definition zu Grunde kann ich sagen, dass ich “mobil” vor allem durch zwei Dinge lerne: durch Bücher und durch Gespräche. Beide sind nicht an den Schreibtisch, den Klassenraum oder den Hörsaal gebunden und somit im besten Sinne mobil. Erstere sind immer verfügbar und ich kann leicht Anmerkungen und Gedanken hineinschreiben. Letztere  – der face-2-face-Kontakt – sind für meine ganz persönlichen Lernerfahrungen unersetzlich. Unersetzlich sind technische Spielereien für mich nicht.

Allerdings: In letzter Zeit unterstützt auch ein Smartphone mein mobiles Lernen. Hier nütze ich vor allem den GoogleReader, um über das informiert zu bleiben, was mich interessiert. Auch Twitter und Facebook werden von Zeit zu Zeit genutzt, ebenso wie QR-Code-Reader und dergleichen. Letztlich beschränkt sich meine persönliche Nutzung aber zumeist auf das reine Rezipieren von Texten. Somit hat sich zwar das Medium verändert (Buch -> Smartphone mit RSS-Reader), nicht aber das Lernen an sich. Der für meinen Teil kann ich sagen: Lernen ist für mich genauso mobil wie früher. Nur das Medium ist ein anderes geworden. Wie sieht es bei euch da draußen aus?

Eine kleine Randbemerkung: SicherdeinWeb schlägt eine Brücke zur vorletzten Woche des OpenCourse und klassifiziert Lerntechnologien nach ihren Anwendungsmöglichkeiten in 4 Bereiche (Suche, Austausch, Präsentation, Archivierung). Auch die dort vorgestellten Tools unterscheiden sich sicherlich in ihrem “Mobilitätsgrad”. Und noch mehr: Dieses einfach Schema bietet auch die Möglichkeit, die Möglichkeiten mobilen Lernens auszuloten.Wenn ich dieses kurz versuche: M-Learning (im Sinne der Wikipedia-Definition MIT z.B. Smartphones) kann beim Suchen von Informationen und begrenzt auch dem Austausch helfen. Archivierung und Präsentation wird in der Regel aber nicht auf dem Smartphone unterwegs stattfinden, sondern ganz klassisch: In aller Ruhe am Schreibtisch (Archivierung / Vorbereitung einer Präsentation) oder vor Publikum.

Phänomenta, Phänomene, Wagenschein

Am Freitag war ich mit der Uni in der Phänomenta in Flensburg. Es war großartig: wir haben unglaublich viele Experimente ausprobiert und mit ihnen im wahrsten Sinne des Wortes herumgespielt. Dabei haben wir auch noch Vieles über die Physik hinter den Dingen gelernt. Viel mehr möchte ich zu den Inhalten der Phänomenta aber auch gar nicht sagen. Selbst besuchen lohnt sich!

Was mich seit unserem Besuch dort beschäftigt ist ein kurzes Statement unseres Betreuers vor Ort:

Wir leben in einer Informationsgesellschaft, nicht in einer Wissensgesellschaft.

Diese Aussage ist auch in Bezug auf das Thema neue Medien und Veränderung des Lernens durch sie besonders wichtig und liefert mir neue Argumente, um Gunter Dueck zu widersprechen. So machen neue Medien in meinen Augen Experten nicht überflüssig, genauso wenig wie formale Bildung. Um das von ihm gebrachte Beispiel aufzugreifen: Mit Sicherheit hat ein Patient, der einige Zeit gegooglet hat, mehr Informationen über ein spezifisches Thema als beispielsweise der behandelnde Arzt. Jedoch – und das ist der große Unterschied: Der Arzt hat im Normalfall ein wesentlich größeres Wissen. Er kann Krankheiten im Zusammenhang sehen, hat ähnliche Krankheiten bereits behandelt und ist geübt in der Risikoabschätzung. Kurz: Der Arzt hat Wissen. Und genau dieses Wissen unterscheidet den Experten vom informierten Laien.

Um es auf den Punkt zu bringen: Durch die neuen Medien sind Informationen zwar ständig verfügbar. Jedoch sind Informationen, die nicht zu Wissen geworden sind, nur wenig wert. Wissen heißt in diesem Zusammenhang: Sinnliche Erfahrungen mit dem Gegenstand, die Fähigkeit, selbst mit der Information Probleme lösen. Oder, in neuerem pädagogischen Vokabular ausgedrückt, Kompetenz.

Ich will das an einem weiteren Beispiel aus der Physik festmachen: ich kann mir eine Webseite, zum Beispiel aus der wikipedia, durchlesen und erhalte daraus viele Informationen. Nehmen wir – ohne Beschränkung der Allgemeinheit- an, dass es sich um physikalische Gleichungen handelt. Ich kann diese zwar eventuell wiedergeben. Ich habe deswegen aber nichts im eigentlichen Sinn verstanden. Verstehen stellt sich erst ein, wenn Informationen verarbeitet werden. Es muss also (intelligent) geübt, an Experimenten herumgespielt, gerechnet und mit Vorwissen verknüpft werden. Erst dann stellt sich langsam Wissen im Sinne von wirklichem Verstehen ein. Da Verstehen nur, wie auch Herr Larbig schreibt, analog stattfinden kann, muss es offline und mit allen Sinnen geschehen. Welcher Ort eignet sich dazu besser als die Schule? Oder eben die Phänomenta. Das Internet kann bei der Beschaffung von Informationen gute Dienste leisten. Mehr aber auch nicht.

Und was hat Wagenschein damit zu tun? Wir haben die Methode des genetischen Gesprächs kennengelernt. Hierbei achtet der Moderator auf die Einhaltung der Gesprächsregeln:

  1. Nur einer spricht zur Zeit. Es gibt keine “Nachbarschafts-Gespräch”.
  2. Wer etwas sagen möchte, sagt es. Egal, wie sinnvoll es im ersten Moment erscheinen mag.
  3. Es wird streng am Phänomen orientiert diskutiert.

Im Rahmen dieses Gesprächs haben wir tatsächlich ein Exponat der Phänomenta erklärt. Und – das wichtigste: Alle haben es im besten Sinne verstanden. Zwar nicht unbedingt fachsprachlich korrekt. Aber wichtiger ist doch das “Wissen” in oben erläutertem Sinne, oder? Mehr über das “genetische Gespräch” findet sich hier.

Außerdem: Das Verstehen – ausgehend von Phänomenen – ist Wagenschein pur. Damit habe ich mich an anderer Stelle schon einmal auseinandergesetzt.

Lecker Lecker: Selbst gemachtes Eis!

Nächste Woche will ich mit Schülern als Abschluss einer längeren Einheit selbst Eis herstellen. Die Einheit ist übrigens sehr empfehlenswert und hier frei zugänglich zu finden. Fertige Arbeitsblätter habe ich daraus gebastelt und stelle sie bei Gelegenheit gern zur Verfügung!

Aber zur Eisherstellung: In Stationenarbeit haben die Schüler gelernt, dass durch eine Eis-Salz-Mischung sehr kalte Temperaturen erreicht werden können. Kalt genug jedenfalls, dass auch Fette erstarren! Bevor ich das mit den Schülern ausprobiere, muss ich mir natürlich sicher sein, dass alles funktioniert. Gesagt, getan: Zuerst habe ich eine gute Menge (ich habe 500 g benutzt) Eis zerkleinert und mit 150 g Kochsalz gut vermischt. Dann habe ich einen kleinen Kochtopf in ein größeres Plastikgefäß gestellt und in den Zwischenraum die Eis-Salz-Mischung gefüllt.

In den Topf kam dann das, was das Eis lecker macht: Zwei Becher Sahne, drei Päckchen Vanillezucker und ein guter Schuß Bailey’s. Letzteres ist wohl eher nicht schulgeeignet… Dann habe ich mit einem Plastiklöffel gerührt. Und gerührt. Und gerührt. Und ja, nach 15 Minuten war das Eis wirklich fest. Und schmeckte tatsächlich lecker. Wird das der Hit des NW-Unterrichts? Ich hoffe doch!

Übrigens: Jetzt ist mir übel. Aber lecker war’s. Hier zwei Fotos der Aktion – das Eis wurde auch noch deutlich fester als auf dem Bild:

Eis - noch wird kräftig gerührt

Eis - noch wird kräftig gerührt

Eis - langsam wird's fest

Eis - langsam wird's fest

 

E-Learning-Erfahrungen – #opco11

Ich nehme die Frage auf der #opco11-Webseite zum Anlass, einmal die im Lehramtsstudium an der Uni Hamburg gemachten Erfahrungen mit E-Learning zu schildern. Gerne würde ich auch über Erfahrungen in Schulpraktika berichten. Doch: Dort habe ich bisher nicht, was sich unter dem Begriff des E-Learnings fassen ließe, wahrgenommen. Schade eigentlich.

E-Learning findet in den Naturwissenschaften hauptsächlich dergestalt statt, dass der Dozent eine Webseite zum Kurs einrichtet. Auf dieser stehen dann einige Informationen, das Skript und eine Kontaktmöglichkeit. Ohne Besuch der Vorlesung haben diese Webseiten kaum einen Wert, erfüllen als Begleitmaterial dann aber durchaus ihren Zweck. Diskussionen der Studenten untereinander oder gar mit dem Dozenten können über die Webseite nicht stattfinden.

Am Fachbereich Erziehungswissenschaft wird viel und gern mit Commsy gearbeitet. Dieses System bildet einzelne Kursräume ab und bietet auch sonst einfache Diskussionsfunktionen und z.B. Möglichkeiten zur Terminabsprache. Genutzt werden Commsy-Räume allerdings in den meisten Fällen als Materialsammlung. Sieht zwar nach Web2.0 aus, ist es aber nicht wirklich. Muss es aber auch nicht sein, es erfüllt seinen Zweck. In einigen Fällen kommen auch hier rege Diskussionen zustande. Dies ist aber die absolute Ausnahme.

Erfahrungen mit E-Learning im eigentlichen Sinne, wo das Internet also nicht als bloßes Transportmedium genutzt wird, habe ich im institutionellen Rahmen keine gesammelt. Eher aus Bequemlichkeit nutze ich natürlich Wikipedia zur Recherche. Außerdem blogge ich gern. Ich schaue mir Simulationen an, wenn ich physikalische Gleichungen nicht auf Anhieb verstehe. Ich stelle anderen in Foren Fragen, wenn ich nicht weiter komme.

Ich erkenne also das Potential des E-Learnings durch eigeninitiative Erfahrungen. Dieses wird aber in meinem direkten Umfeld im institutionalisierten Rahmen – provokant formuliert – überhaupt nicht genutzt.

Sicherlich machen digitale Werkzeuge allein keinen schlechten Unterricht besser. Und sie werden – da stimme ich Herrn Larbig vollkommen zu – auch in Zukunft traditionellere Unterrichtsmethoden und “-werkzeuge” nicht ersetzen können. Trotzdem bergen sie ein unglaubliches Potential, das in den seltensten Fällen für Schule und Hochschule fruchtbar gemacht wird. Habt ihr ähnliche Erfahrungen – in der Rolle der Lernenden, in der ihr die in einer Veranstaltung genutzten Medien nicht in der Hand habt – gemacht?